Heiraten

(Gleichgeschlechtlich) Heiraten im Ausland

Warum im Ausland heiraten? Ist das nicht alles total kompliziert?

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Schon lange habe ich mir irgendwie vorgestellt, in freier Natur zu heiraten. Am liebsten auf einer grünen Klippe am Meer in Irland, ohne viel Zaungäste. Am besten barfuß, in weißem Sommerkleid mit Blumenkranz. Ein Standesamtzimmer fand ich nie besonders verlockend. Als meine Frau mir dann im Frühling 2015 einen unfassbar schönen Antrag machte, haben wir geplant, noch im gleichen Jahr zur Tat zu schreiten. Aber der Sommer zog so langsam an uns vorbei und beim durchgehen aller Optionen stellten wir fest, dass wir auf nichts davon so richtig Lust hatten. Standesamt und Gartenparty? Freier Trauredner? Lokal mieten – für unsere ohnehin eher nur klein ausfallende Hochzeitsgesellschaft? Eine kirchliche Zeremonie kam ja sowieso nicht in Frage – und das hätten wir auch nicht gewollt. Und ich sag es auch ganz ehrlich: wir hatten Angst vor Enttäuschungen. Im Freundeskreis und in der Familie gab es teilweise offenen, teilweise unterschwelligen Knatsch, und wir hatten beide keine Lust darauf, unseren besonderen Tag mit einem Eiertanz zu verbringen, bzw. in Gesichter zu sehen, die vielleicht nicht die anteilnehmende Freude widerspiegeln, die man sich an seinem Hochzeitstag wünscht.

Außerdem merkten wir bei der groß gefeierten Hochzeit einer Freundin, auf der wir im Sommer eingeladen waren: nee, das ist nicht unser Ding. Zig Augen, die einen anstarren, jede will was von dir, jeder möchte ein Foto – eigentlich ist man nur für die Gäste da, hat kaum Gelegenheit diesen wichtigen Schritt bewusst wahrzunehmen und zu genießen, man ist weder bei sich noch bei der Partnerin. Als dann im Mai 2015 in Irland die Eheöffnung per Volksabstimmung beschlossenen wurde, kam bei mir wieder der Gedanke an eine Hochzeit im Freien auf. Als Irlandfan wäre das für mich ein Traum gewesen. ☘ 💕 Und dann auch noch „richtig heiraten“ und nicht die deutsche Schmalspurversion, deren Name meiner Meinung nach schon allein eine Zumutung ist. Aber es erwies sich als schwierig, dass noch unklar war, wann das Gesetz in Irland in Kraft treten würde. Ewig warten wollten wir nämlich auch nicht. Zumindest stand nun schon mal die Idee des Heiratens im Ausland im Raum, und vier Monate später saßen wir im Flugzeug und waren unterwegs an die andere Seite der Erdkugel, um uns dort trauen zu lassen. Kann man auch einfacher haben… aber nicht unbedingt schöner 💖

Was muss man beim Heiraten im Ausland beachten?

Zunächst mal sollte man sich über die Eheregelungen des jeweiligen Landes schlau machen. Es gibt meistens für Ausländer besondere Vorgaben und Formulare, die etwas anders sind als für Inländer. Aktuell gibt es 16 Länder, in denen man auch als gleichgeschlechtliches Paar eine Ehe schließen kann, in vielen weiteren ist eine Lebenspartnerschaft ähnlich der in Deutschland möglich. Das Ausmaß der Bürokratie ist für jedes Land unterschiedlich, und man sollte sich also so gut wie möglich informieren, ob und wie lange vorher man eine Eheschließung beantragen muss, ob man dies persönlich tun muss und welche Dokumente dafür nötig sind.

Idealerweise hat man dafür jemanden vor Ort, der die Formalitäten für einen erledigt. In unserem Fall war das unsere freie Traubeamtin, die bei der zuständigen Behörde den Antrag für uns einreichte, den wir vorher per Mail ausgefüllt an sie geschickt hatten. Wir mussten dann am Tag vor der eigentlichen Trauung nur noch kurz unsere Daten in der Behörde eidesstattlich bestätigen, wobei wir weder Reisepass noch sonst was vorlegen mussten. Wir waren selbst überrascht, wie unkompliziert das war.

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Wer traut uns?

Das wäre der zweite wichtige Punkt: jemanden finden, der die Trauung durchführt. Viele Länder verfügen über online zugängliche Register von „Standesbeamten“ –  in der Regel sind das keine Beamten, sondern Personen, die rechtlich befugt sind, eine Eheschließung durchzuführen. Das können zivile Personen sein, oder auch religiöse bzw. spirituelle Trauredner verschiedenster Art, die Eure Ehe dann registrieren lassen. Wir haben gezielt nach jemandem gesucht, der deutsch kann und mit verschiedenen Traubeamtinnen Kontakt aufgenommen. Auch wenn wir für den Alltagsgebrauch gut mit Englisch zurechtkommen, ist es doch etwas anderes, ob man eine solche emotional bedeutsame Zeremonie in einer Fremdsprache hört oder in der Muttersprache. Wir hatten das Glück, eine sehr nette und gut organisierte ausgewanderte Deutsche zu finden, die Trauungen macht und die uns super betreut hat, zunächst per Mail, dann später vor Ort. Sie hat auch zwei entzückende ältere Ladys als deutschsprachige Trauzeuginnen gestellt, die für die Trauung dort notwendig waren.

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Wo heiratet man dann? Die Qual der Wahl!

Unsere Traubeamtin hatte verschiedene Vorschläge für uns, aber letztendlich haben wir uns den Ort selbst ausgesucht. Das Schöne war, dass wir uns wirklich absolut jeden Ort aussuchen konnten. Die Schwierigkeit war, dass wir das für die behördliche Anmeldung bereits von Deutschland aus machen mussten. In der Zeit war Google Maps bzw. Earth unser bester Freund, um uns die schönsten Gegenden vor Ort anzuschauen. Einen Tag vor der Trauung sind wir dann zu dem Strand unserer Wahl gefahren und haben uns die genaue Stelle dann vor Ort ausgesucht.

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Und was kostet das?

Natürlich kostet der ganze Spaß auch Geld. Wie viel, da kommt es sicherlich drauf an, ob man bereit ist, sich um viele Dinge selber zu kümmern, oder ob man eher ein Rundum-Sorglos-Paket bei jemandem bucht, der dann den ganzen Behördenkram für einen direkt miterledigt. Wir haben uns für letzteres entschieden, und für alles zusammen (also Betreuung vorab per Mail und vor Ort, 2 Übernachtungen im B&B, Trauung, 2 Trauzeuginnen, Fotograf, sämtliche behördlichen Kosten, Beglaubigungen und Kurierversand) etwa 1600 Euro bezahlt. Die allgemeinen Reisekosten kommen natürlich noch dazu.

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Wird das hier überhaupt anerkannt?

Eine im Ausland geschlossene Ehe kann man sich in Deutschland anerkennen lassen. Allerdings werden gleichgeschlechtliche Ehen nur als eingetragene Lebenspartnerschaft anerkannt – die Möglichkeit, hier das System auszutricksen gibt es leider nicht. Ich würde empfehlen, das jeweilige Standesamt des eigenen Wohnortes gezielt anzufragen, nach Möglichkeit schriftlich, so dass man vorab eine Bestätigung hat, dass die Verbindung hier anerkannt wird.

Für die Eintragung hier braucht man dann Geburtsurkunde und Ausweis/Reisepass, die Originalhochzeitsurkunde, eine beglaubigte Übersetzung davon sowie eine Apostille. Dies ist eine international gültige Beglaubigung und die in dem jeweiligen Land dann z.B. vom Innenministerium erstellt wird. Auch darum hat sich glücklicherweise unsere Traubeamtin gekümmert. Unsere Eintragung hier lief problemlos, auch wenn wir vorher ganz schön aufgeregt waren, ob es denn wirklich alles so klappt.

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Würden wir das wieder so machen?

Ja, definitiv! Für uns war es die beste Entscheidung, die wir treffen konnten. Wir hatten einen traumhaften Tag in einer atemberaubenden Naturkulisse, konnten uns ganz auf einander konzentrieren und den Tag genießen. Und die Flitterwochen fingen sofort an bzw. gingen unmittelbar weiter.

Wir fanden es wunderbar, dass wir eine richtige Eheschließung hatten und später eine hochoffizielle Heiratsurkunde. In keinem Moment mussten wir das Gefühl haben, dass unsere Liebe und die offizielle Anerkennung unserer Beziehung irgendwie zweitklassig sei (das holt einen dann höchstens in Deutschland wieder ein…).

Nicht empfehlenswert ist Heiraten im Ausland sicherlich für alle, denen eine große Feier wichtig ist oder die auf die Anwesenheit bestimmter Personen nicht verzichten wollen. Alternativ fliegt man direkt mit allen Liebsten in das Land der Wahl, oder schmeißt zu Hause anschließend noch eine große Party. 🎈👰👰🏻🎉

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