Das Orakel der Oma-Pflanze

Meine Oma väterlicherseits, bei der ich als Kind viel Zeit verbracht habe, ist vor 25 Jahren gestorben. Der dazugehörige Opa hatte schon ein paar Jahre vorher die letzte Reise angetreten. Die Familie teilte also alles an dem bescheidenen Nachlass auf, ich selber gab mich mit ein paar Fotos, altmodischen Hüten, einer Blechdose und einer unscheinbaren Zimmerpflanze zufrieden. Die Zimmerpflanze entsprang einer Herde exakt gleicher Zimmerpflanzen mit langen grünen Blättern, die ich weiß nicht wie viele Jahre bereits auf den Fensterbänken bei Oma ihr Leben gefristet hatte.

Die Pflanze hatte es zunächst nicht besonders gut bei mir. Ich habe nicht unbedingt einen grünen Daumen.  Insbesondere in meinem Studentenleben hatte ich andere Prioritäten, als mich um Blumen zu kümmern. So vertrocknete mir die Oma-Pflanze einmal fast völlig, es ragte nur noch ein einziges grünes Hälmchen heraus. Einmal moderte mir die Pflanze an den Wurzeln weg, weil Fliegen in der Erde waren und ich dachte es würde helfen, den Topf in eine fest verschlossene Plastiktüte zu stecken (blöde Idee). Aber immer wieder rettete ich die Pflanze dann doch noch in letzter Minute (ich hing ja an ihr, schließlich war es ja das Erbstück meiner Oma!), und sie erholte sich immer wieder von ihren Beinahe-Toden mit einer erstaunlichen Zähigkeit. Überrascht war ich, als die Oma-Pflanze nach Jahren des Verkümmerns und Wiederaufpäppelns nach einer Phase wo es ihr recht gut ging und ich mich zuverlässig um Wasser und Licht kümmerte, plötzlich Knospen hervortrieb und anfing, in zartem Lachsrosa-gelb zu blühen. Ich hatte ja keine Ahnung, dass die Oma-Pflanze solche Schönheit hervorbringen konnte! Nach kurzer Internet-Recherche fand ich heraus, dass die Pflanze Clivia oder Klivie heißt.

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Seitdem pflegte ich sie auch mehr oder weniger zuverlässig und sogar ein gelegentliches Umtopfen kam ihr zugute. So blühte sie auch weiterhin einmal im Jahr.

Als Cleo dann mit Lino schwanger wurde, passierte wiederum etwas ungewöhnliches: ein neuer Trieb wuchs neben den beiden Haupttrieben. Es hatte immer nur zwei gegeben und nun plötzlich ein dritter. Wir fanden das symbolisch bedeutsam, und der kleinere Trieb, den gibt es auch immer noch. Die Oma-Pflanze hat einen schönen roten Topf und steht bei uns im Badezimmer. Insgesamt ist sie so groß und prächtig wie noch nie. Das sie nun deutlich älter als ein Vierteljahrhundert sein dürfte, sieht man ihr nicht an.

Seit dem Kinderwunsch für Kind Nr. 2 wird die Pflanze immer besonders beäugt von uns. Als ich im letzten Oktober die IVF hatte, fing die Oma-Pflanze wieder an zu blühen. Wir wollten darin gerne ein positives Omen sehen, zumal es soviel Blüten wie Follikel gab. Aber die Clivia verblühte und es gab keine Schwangerschaft. Doch nun, im laufenden Zyklus, entdeckte Cleo plötzlich einen neuen Trieb, der sich an der Seite des dritten entwickelt.

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Nun sind wir sehr gespannt, ob die Oma-Pflanze recht behält. In dem Fall, meint Cleo, sollten wir kein Geld mehr für Schwangerschaftstests ausgeben, sondern nur noch auf die Pflanze hören. Nichts desto trotz: es wird dieses Mal eine Testreihe geben –  Beitrag folgt.

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