Auszeit

Im Januar hatte ich für uns schon einen Kurzurlaub für das Karnevalswochenende gebucht. Wir wussten ja noch nicht, wie es weiter geht, ob der Versuch im Januar vielleicht den ersehnten Erfolg bringt, ob der Urlaub mit einem möglichen Kryoversuch danach kollidieren würde…aber dass wir mal raus mussten, das war so oder so dringend nötig.

Also fuhren wir für 4 Übernachtungen  an die Ostsee, wo wir ein geräumiges schönes Apartment mit Meerblick gemietet hatten. Direkt vor dem Apartmentkomplex gab es einen großen Spielplatz und dahinter begann sofort der Strand.

DSC00238Wirklich eine tolle Unterkunft, wir haben uns sehr wohl gefühlt und konnten sogar zwei Mal die hauseigene Sauna nutzen. Nur schade, dass uns ausgerechnet jetzt Sturmtief Victoria die gemütlichen Strandspaziergänge vermieste. Wir versuchten zwar trotzdem, die regen – und windarmen Zeitfenster zu nutzen, aber so viel wie wir wollten, konnten wir dann leider nicht draußen sein.

DSC00166DSC00197DSC00258Den stürmischen Samstag verbrachten wir dann zusammen mit meiner Nichte, die uns aus Hamburg für einen Tag besuchte, in einem Schwimmbad, ansonsten genossen wir vor allem den schönen Blick aus unserer Unterkunft. Es tat einfach gut, einmal von Zuhause und dem Alltag rauszukommen, und den Blick in die Weite schweifen zu lassen. Das hatte mir gefehlt, die Weite. In die Ferne blicken, ohne ein Hindernis vor sich zu sehen…

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Mit Kind und Kegel zu verreisen ist am Ende dann aber ja doch nie so entspannend, wie man sich in der Fantasie vorher ausmalt (obwohl man es doch mittlerweile schon besser wissen sollte, dass man voraussichtlich nicht in aller Seelenruhe Tee schlürfend stundenlang aufs Meer blicken wird, sondern allenfalls 5 Minuten…).

DSC00273Unser Kind wachte unglücklicherweise immer wieder gegen 7 Uhr schon auf und war auch ohne Mittagschlaf vor 21 Uhr nicht ins Bett zu kriegen. Zudem möchte er momentan quasi nonstop, dass sich jemand mit ihm beschäftigt – mit ihm spielt, ein Buch vorliest, essen zubereitet. Natürlich gehen wir nicht auf jeden seiner Wünsche ein, sondern fordern auch immer wieder unseren Freiraum, melden eigene Bedürfnisse an, suchen Kompromisse. Aber das ist dann eben auch eine permanente Auseinandersetzung und ein Aushalten des zunehmend emotionalen Kindes, das dann quengelt oder mit brechender Stimme sagt „Aber wenn du nicht mit mir spielst, dann ist mir so einsam….“. Auch wenn wir zu zweit sind, nimmt das Sich-Kümmern um einen Zweijährigen doch sehr viel Kapazität in Anspruch.

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Insofern war der Kurztrip einerseits gut und erholsam, anderseits aber auch nicht mit so viel Müßiggang verbunden, dass viel Zeit zum Nachdenken und Verarbeiten da gewesen wäre. Und eigentlich gäbe es da einiges… All die vergangenen und missglückten Versuche der Kinderwunschbehandlung. Die Trauer darüber, dass es offenbar kein genetisches Kind von mir geben wird. Zwei Tage nach dem letzten Negativ waren wir bei unserer Beraterin, und ich habe dort viel geweint. Trotzdem habe ich noch nicht das Gefühl, ich sei bereits am Boden dieser Gefühle angekommen. Sie hat vorgeschlagen, etwas zu finden (Kerze, Symbol, Zeitpunkt) was der Trauer einen Raum und eine Zeit gibt, aber am liebsten würde ich die meiste Zeit einfach gar nicht darüber nachdenken, weil es mich einfach so existentiell berührt. Ich habe noch keine Idee, wie ich das alles verarbeiten soll. Es fühlt sich an wie ein sperriger splittriger dicker Holzbalken, der sich in mir verkeilt hat und der Schmerzen bereitet wenn ich mich zu sehr bewege. Also bewege ich mich lieber nicht. Vielleicht ist es jetzt einfach noch nicht an der Zeit.

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