2,5 Jahre alt!

Ungeachtet dessen, wie furchtbar niederschmetternd der gestrige Tag war und was das für uns bedeutet, ist heute ein besonderer Anlass, für den ich schon vorab etwas angefangen hatte zu schreiben: unser Sohn wird 30 Monate alt- zweieinhalb Jahre! Und im letzten halben Jahr hat sich natürlich wieder viel getan. Auch wenn bei uns aufgrund der aktuellen Entwicklung niemand in Feierlaune ist, möchte ich das ein oder andere hier gerne festhalten.

Töpfchen – Autonomie

Im letzten Sommer hatte es schon provisorisch mal geklappt, dadurch dass Lino viel ohne Windel lief, dass wir ihn animieren konnten ins Töpfchen zu machen. Dann gab es aber auch eine Phase, wo er sich dem richtig verweigerte. Im Herbst wurde es dann wieder besser und wir ließen ihn zunehmend ohne Windel aber mit Hose in der Wohnung laufen. Viele Hosen wurden halt vollgepullert, aber immer häufiger mehr krähte er „ich muss Pipiiii!“ und dann klappte es. Anfangs (wenn er untenrum ganz nackig war, setzte er sich allerdings immer „falsch herum“ auf den Topf. Das ging mit Hose zwischen den Beinen aber nicht, was dazu führte, dass Lino dann zeitweise wieder schwerer zum Topf zu bewegen war. Auch schien es ihm teilweise bequemer und vor allem ungestörter, sich hinter einem Vorhang zu verstecken und sein großes Geschäft in die Hose zu setzen. „Will meine Ruhe haben!“ beschied er uns nachdrücklich, und die Ruhe vertrug sich wohl nicht mit dem begleiteten Gang aufs Klo, Hose runter usw. Aber es wurde besser. Im November waren wir soweit, dass er bei uns zu Hause nachmittags nach der Kita meistens ohne Windel war und überwiegend ins Töpfchen machte. Wir nahmen uns dann für die Weihnachtsferien vor, die Windelfreiheit tagsüber soweit durchzuziehen und das Töpfchen gehen zu etablieren, dass wir ihn nach Neujahr ohne Windel in die Kita schicken würden.

Soweit der Plan. Das Kind hatte aber eigene Pläne und entschied plötzlich an einem Wochenende im Dezember (mit 2 Jahren und 4 Monaten), als wir ihn für einen Nachmittag zu meinen Eltern geben wollten, jetzt ohne Windel zu Oma und Opa gehen zu wollen. Obwohl wir das jetzt nicht das allerbeste Setting für dieses Experiment fanden (meine Eltern sind…speziell), wollten wir seine Initiative aber auch nicht ausbremsen und probierten es aus. Und es klappte! Es klappte sogar so gut, dass Lino mit einer gewissen Empörung am Abend darauf reagierte, nachts eine Windel zu tragen. Die ließen wir also auch weg und das funktionierte drei Wochen super. Dann machte er aber zwei Nächte hintereinander Pipi ins Bett und seitdem sind wir erst mal wieder zur nächtlichen Windel zurückgekehrt. Die ist immer noch ab und an morgens voll (etwa zwei mal in der Woche), deshalb bleiben wir jetzt erst mal dabei. Warum es drei Wochen lang so gut klappte und jetzt wieder nicht, keine Ahnung. Ist aber auch nicht schlimm. In die Kita geht er also seit Mitte Dezember auch ohne Windel und macht auch den Mittagsschlaf ohne dort. Im Schnitt haben wir vielleicht noch etwa eine nasse Hose am Tag. Mal sind es auch drei und oft gar keine. Auch das Sitzen auf der „großen“ Toilette geht mittlerweile, wenn das Töpfchen nicht zur Hand ist. Für uns sind da natürlich auch neue Herausforderungen aufgetaucht. Also mit dem Kind auf öffentliche Toiletten zu gehen oder es beim Waldspaziergang an einen Baum pinkeln zu lassen (ist ja schwerer als man denkt!). Auch haben wir ja keine Erfahrung, wie lange ein Kind „anhalten“ kann. Also wie viel Zeit hat man, wenn das Kind auf der Autobahn sagt: „Ich muss Pipiiii“. Zwei Minuten? Zehn? Zwanzig? (Er hat es bis nach Hause geschafft, immerhin 15 Minuten).

Immer noch etwas schwierig ist es, ihn zum Toilettengang zu bewegen, wenn er das nicht für nötig hält. „Aber meine Blase ist schon leer“, sagt er dann und will nicht noch mal Pipi machen, bevor wir z.B. irgendwo hinfahren. Da braucht es schon etwas Überredung oder auch das Vorbild („siehst du, Mami macht auch noch mal Pipi bevor wir losfahren“). Denn erfahrungsgemäß kann ohne weiteres zehn Minuten nach „Meine Blase ist leer“ das Kind in seiner eigenen Pfütze sitzen. Na ja, wir lernen alle dazu.

Motorik

Viel Neues ist jetzt eigentlich nicht mehr dazu gekommen, das Erlernte wurde aber verfeinert, so dass die Bewegungsabläufe immer flüssiger sind. Was jetzt auch gut klappt ist Dreiradfahren – sofern es nicht bergauf geht. Neulich saß er in einem Sportgeschäft mal auf einem Fahrrad mit Stützrädern Probe und seitdem will er unbedingt eines haben. Mit dem Laufrad saust er ja jetzt schon Abhänge runter, dass mir manchmal das Herz stehen bleibt. Ansonsten ist er definitiv aber nicht das Draufgängerkind, um das man sich Sorgen machen muss. Er lässt etwas lieber bleiben, wenn er sich unsicher ist ob er es schon schafft. Zur Förderung der Motorik hat meine Frau vor einigen Wochen ein Pikler-Dreieck gebaut (Foto folgt), das er jetzt schon gut beklettert und sonst auch gerne als Höhle nutzt (mit Decke drüber). Außerdem gehen meine Frau und er jetzt zum Kleinkindschwimmen einmal die Woche. Er hatte vorher kaum Erfahrung mit Wasser (außer in der Badewanne) und wir hoffen, dass ihm das gut tut und auch sein Bewegungsapparat und seine Körperspannung davon profitieren. Cleo war jetzt auch einmal bei einem Kinderostheopathen, weil sie findet, dass er etwas schief von der Haltung ist. Das ist wohl nicht weiter dramatisch, aber der Osteopath empfahl aufgrund der leichten Trichterbrust von Lino, dass wir im Sommer noch mal wiederkommen um bestimmte Übungen dagegen zu machen. Auch schwimmen ist da wohl gut, also passt das gerade auch prima.

Spielen

Rollenspiele sind fester Bestandteil und sind auch differenzierter geworden. Er fährt z.B. mit seinem kleinen Polizeiauto zu meinen Füßen und sagt:

„Mami, du bist verhaftet.“

„Warum?“

„Weil du die Mama gehauen hast. Du musst jetzt hier einsteigen.“

Und mein Finger muss dann ins Polizeiauto gehen. Ansonsten gibt es auch alles mögliche – Arzt spielen, Koch, Friseur….

Wenn er alleine spielt, spricht er auch schon oft mit zwei unterschiedlichen Stimmen (wenn er zwei „Figuren“ spielt, die miteinander kommunizieren.) Der Renner ist zur Zeit auch seine Parkgarage, die er zu Weihnachten bekommen hat. Cleo oder ich sollen dann den Parkwächter spielen, und er fährt die Autos rein und raus.

Mittlerweile puzzelt er auch ganz gerne, wenn man ihm das vorschlägt und mit ihm zusammen puzzelt. Gerne spielt er auch etwas nach, z.B. „Oh wie schön ist Panama“. Er spielt dann den kleinen Tiger und Mama, Opa oder jemand anderes den kleinen Bär. Gemeinsam geht es dann auf Tour durch die Wohnung und imaginäre Tiere werden gefragt, wo es nach Panama geht.

Es treibt ihn aber immer noch nicht besonders zu anderen Kindern. Sicher interagiert er mit ihnen in der Kita irgendwie, aber wenn man ihn fragt, mit wem er gespielt hat, sagt er „mit keinem“. Wenn wir uns mit einer anderen Mutter und deren Kind(ern) treffen, spielt er schon auch was mit ihnen, aber man merkt, es zieht ihn keineswegs magisch dahin. Manchmal lehnt er auch explizit etwas von anderen Kindern ab, z.B. wenn ein Kind ihn auf dem Bobbycar anschieben will oder ähnliches. Lieber spielt er mit uns Erwachsenen. Auf jeden Fall verteidigt er jetzt vehementer die Dinge mit denen er spielen möchte. Das übt er mit uns zu hause auch. Wir sollen dann eines der anderen Kinder spielen und versuchen, ihm sein Kuscheltier wegzunehmen. Er brüllt dann „NEIN!“ und klammert seinen Bunny fest an sich. Ich denke, da ist er auf einem guten Weg, dass er sich nicht mehr alles abnehmen lässt.

Liebend gerne ist er auch draußen im Garten. Das hat schon für manchen Konflikt gesorgt, weil wir jetzt in der kalten Jahreszeit ehrlich gesagt nicht gerne draußen stehen, frieren und ihm beim Bobbycar fahren zuschauen. Wir faulen Eltern sitzen lieber im Warmen…

Ernährung

Lieblingsspeisen sind Spaghetti Bolonese, Gemüsesuppe mit Würstchen, Pommes und Fischstäbchen. Außerdem Salzgurken, Paprika, kleine Tomaten, Bananen, Äpfel, Mango, Krautsalat, Physalis, Weintrauben, Birne, Lachs, Oliven, Mais, Schupfnudeln, Gouda-Käse. Süßigkeiten natürlich, vor allem Gummibärchen. Weil Cleo nach dem Halloween- und Weihnachtssüßigkeitenmassenfressen das ewige „Betteln“ nach Süßigkeiten genervt hat wollten wir es mal anders versuchen: Seit einigen Wochen praktizieren wir einmal die Woche „all you can eat“-Süssigkeiten nach dem Mittagessen. Er schafft schon einiges! Aber irgendwann ist auch gut. Und die Diskussionen unter Woche sind deutlich weniger geworden, er lernt seine Wünsche aufzuschieben und ernährungstechnisch ist das sicher auch ne gute Nummer nicht täglich Zucker zu konsumieren. Vorerst sind wir damit soweit zufrieden.

Ansonsten liebt er Brezeln. Einfach nur Brot mit Käse oder Wurst oder Toast mit Honig. Milchspeisen werden verschmäht – Griessbrei, Milchreis, Joghurt – alles bäh. Aber Milch pur geht.

Sprache

Schrieb ich zum zweiten Geburtstag ja noch, dass bislang noch keine Warum-Fragen aufgetaucht seien, sollte sich das schon kurz darauf wandeln. Bereits zwei Monate und 745 Milliarden 682 Millionen 351 Tausend 492 Warums später…konnten wir nicht fassen, dass das Kind wirklich erst damit angefangen hatte. Es ist spannend, wie er sich mit jedem warum ein Stück mehr die Logik unserer Welt erschließt…aber ganz ehrlich – es ist oft auch sehr zermürbend. Manchmal so sehr, dass wir eine offizielle Antwortpause einlegen. Weil man einfach nicht zwei Stunden am Stück der Erklärbär sein will….und die Gespräche auch gelegentlich in Nonsens abdriften. „Random shit“ nennt Cleo diese Gespräche.

Ansonsten hat sich die rasante sprachliche Entwicklung fortgesetzt. Lino spricht mittlerweile komplexe Sätze mit Nebensätzen, überwiegend grammatikalisch richtig. Auch wie und was er formuliert ist teilweise echt lustig. Er sagt so Sachen wie: „Ich möchte Zeit mit dir verbringen, Mami!“. „Ich will einen Termin für die Besprechung mit der Ärztin machen“. Aber er hat auch gerade eine Vorliebe für das weniger anspruchsvolle – nach warum ist das Lieblingswort: Kackahund! (???) Und das findet überall Platz! Nicht nur “Mami, du bist ein Kackahund!“ sondern auch…

„Mami, wann hast du Geburtstag?“

„Im Juni“.

„Und die Mama?“

„Die hat im April Geburtstag.“

„Und wer … hat im Kackahund Geburtstag?“

Na ja…ich schätze die Pipiakacka-Phase wird noch etwas dauern…

Das wär’s erst mal für heute…. über die anderen Bereiche demnächst vielleicht noch mehr.

Ein Gedanke zu “2,5 Jahre alt!

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