Die Luft ist raus

Vielen Dank für Eure unterstützenden und mitfühlenden Kommentaren. Es tat wirklich gut das zu lesen, aber wir mussten uns erst mal eine Zeit lang sammeln. Es ist nicht leicht, diesen Rückschlag abzuschütteln. Es ist wahrscheinlich auch gar nicht realistisch, das einfach abschütteln zu können. Einerseits die Tatsache, dass der Embryo es nicht geschafft hat, was an sich schon schlimm genug ist, auf der anderen Seite diese wirklich katastrophale Kommunikation mit der Klinik, bei der am Ende ein Restzweifel bleibt, ob das alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Ich möchte eigentlich nicht glauben, dass der Embryo aufgrund irgendeines Versagens, sei es technisch, menschlich, wie auch immer, kaputt gegangen ist. Trotzdem bleibt nach allem was da gelaufen ist, ein verdammt ungutes Gefühl.

Ja, wir haben kurz darüber gesprochen, die Klinik zu wechseln. Aber eigentlich stellt das für uns, zumindest für den Weg für den wir uns entschieden haben, keine realistische Option dar. Schlicht und ergreifend, weil wir nicht wissen ob eine andere Klinik das so machen würde, und selbst wenn – mit Vorgesprächen und allem Pipapo geht dann ja doch wieder locker ein halbes Jahr ins Land. Zeit, die wir nicht warten wollen.

Wir haben nun um einen Termin mit der ärztlichen Leitung gebeten. Einerseits, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Andererseits, um auch diese Zumutungen seitens der Klinik zu thematisieren. Dieser Termin findet nächste Woche statt. Wir erhoffen uns, dass wir hier einiges klären auch wieder ein Stück weit Frieden schließen können.

Momentan verfolgen wir den Plan, im Januar noch eine Stimulation bei mir zu machen. Wir wollen besprechen, inwieweit man auf einen Frischtransfer von vornherein verzichtet, sondern gezielt einfriert und (wie eigentlich jetzt geplant war) im natürlichen Zyklus bei Cleo zurücksetzt. Für Cleo ist es einfach immer eine Menge an Medikamenten, was sie nehmen muss. Sollte wieder kein Transfer möglich sein, wäre erneut eine Runde Estradiol, Prednisolon und Utrogest für gar nichts in ihrem Körper gelandet. Es ist aber unklar, ob wir die „Freeze all“ Option haben, da ja noch ein Embryo von ihr gelagert ist. Dazu gibt es sicherlich wieder irgendwelche rechtlichen Bestimmungen…

Langsam aber sicher kommen wir dann auch an das Ende dessen, was sinnvoll und zumutbar für uns ist. Es wäre dann die fünfte Stimulation bei mir in anderthalb Jahren…Dass dieser Weg einer mit geringer Erfolgsaussicht war und ist, wussten wir ja von vornherein – dennoch wollten wir es zumindest versucht haben. Jedoch stellt sich immer wieder die Frage, wie lange versucht man es, wie viele Ressourcen wollen wir auf die kleine Chance noch setzen? Wir haben versucht diese Frage gemeinsam zu klären, aber es fällt uns schwer, eine Antwort zu finden. Denkbar wäre, nach der nächsten Stimulation bei mir, sofern sie erfolglos bleibt, den noch gelagerten Embryo meiner Frau bei ihr einzusetzen, und eventuell je nach dem was dabei herauskommt, über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

Wir haben aber auch gleichzeitig so die Nase voll gerade. Vor allem davon, immer wieder in diese Klinik zu fahren. Immer wieder die zähen Gespräche, immer wieder die endlosen Wartezeiten. Es reicht. Die Luft ist raus. Aber die Sehnsucht nach einem weiteren Kind ist auch so groß. Um uns herum legen gerade gefühlt alle das zweite Kind nach. Alle Mütter (bis auf eine, die so alt ist wie ich) aus Linos Kitagruppe, die erst ein Kind hatten, sind jetzt mit dem zweiten schwanger oder haben es schon bekommen. Das ist einfach schmerzhaft…Der unerfüllte Wunsch und die Rückschläge liegen wie ein dumpfer grauer Schleier über uns. Wir versuchen die Vorweihnachtszeit zu genießen, aber es fällt uns schwer. Die eingelegte Pause und etwas Abstand sind zwar gerade auch gut, und dennoch ist das Gefühl da, dass es endlich vorangehen müsste. Hoffentlich bringt uns das nächste Jahr mehr Glück als dieses.

4 Gedanken zu “Die Luft ist raus

  1. Hi, das war bei uns auch so. Wir hatten einen Plan, nämlich die Kryo-Eizellen zu transferieren und eine vierte IVF zu machen, die nochmal von der Hälfte des Landes bezuschusst worden wäre und hätte das alles nicht geklappt, hätte ich mit spätestens 40 Jahren wieder verhütet. Wie du schreibst, irgendwann hat man so die Schnauze voll. Ich bin inzwischen nach 8 Jahren natürlich schwanger geworden, aber frag mich nicht, warum das auf einmal geklappt hat, während drei IVFs mit jeweils zwei transferierten Eiern von der Gebärmutter nicht angenommen wurden 😩. Ich möchte euch mit diesem Post Mut machen, dass alles irgendwie passieren kann.
    Viel Glück weiterhin 🍀

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  2. Ich wünsche euch sehr das bei eurem Gespräch die Unklarheiten und vor allem die Zweifel und der ganze Ärger geklärt werden können. Das ihr euch auch in Zukunft dort wieder wohl fühlen könnt und es nicht noch einmal so einen Brass gibt, der noch deutlich mehr an den Nerven zerrt als das ganze eh schon tut.
    Bis es weiter geht wünsche ich euch viel Ruhe und Zeit für euch und die Familie und falls wir uns nicht mehr lesen Frohe Weihnachten

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