Leben als Regenbogenfamilie – Teil 2: Das liebe Geld

Neulich berichtete ich hier über die Fragen nach der Herkunft der Kinder, die wir als Regenbogenfamilie immer wieder erleben. Heute geht es in dieser Reihe weiter, und zwar mit dem Thema Geld.

Regenbogenfamilie und Geld, was hat das miteinander zu tun, fragt ihr euch vielleicht?! Wer hier oder einem ähnlichen Blog mal mitgelesen hat oder eine Regenbogenfamilie im Umfeld kennt, dem fällt vielleicht nach kurzem Nachdenken schon ein wichtiger Punkt ein: Eine Kinderwunschbehandlung kostet für gleichgeschlechtliche Paare Unsummen von Geld, die Mann-Frau-Paare in der Regel nicht bezahlen müssen, oder auch nur einen kleineren Anteil des großen Ganzen. Damit meine ich in erster Linie Kinderwunschbehandlung im klassischen Sinne, in einer Klinik, welche bekanntermaßen schnell die Höhen einiger Tausend erreicht, insbesondere, wenn man dann noch Fahrtkosten und Spendersamen dazurechnet. Selbstverständlich gibt es auch eine Vielzahl an Frauenpaaren, die sich für eine private Samenspende und Heiminsemination entscheiden. Hier liegt der finanzielle Aufwand in einem weitaus niedrigeren Bereich, obwohl auch hier z.B. Kosten für Gesundheitschecks und Aufwandsentschädigung des Spenders, selbst bezahlte gynäkologische Untersuchungen, usw. anfallen können. Einen besonders horrenden Preis zahlen Männerpaare, die sich für den Weg einer Leihmutterschaft im Ausland entscheiden, was sicherlich nur einer der Gründe ist, warum dieser Weg von nur wenigen beschritten wird.

Anders gelagert ist der Fall von Kindern, die schon da sind und nicht erst entstehen sollen: bei Kindern, die aus Frau-Mann-Vorbeziehungen mit in die neue Beziehung gebracht wurden oder auch Adoptiv – oder Pflegekindern. Für letztere zahlt das Jugendamt ja auch ein Pflegegeld für den Unterhalt des Kindes.

Mit der Familiengründung ist der besondere Kostenfaktor von Regenbogenfamilien aber noch lange nicht abgedeckt. Denn für viele steht ja noch der Punkt Stiefkindadoption auf dem Programm. Und dieser ist leider nicht nur lästig, sondern auch noch teuer: Kosten für den Notar, die Beschaffung und Beglaubigung von Dokumenten, Gerichtskosten sowie zu guter Letzt auch noch die Gebühr für die veränderte Geburtsurkunde.

In unserem Fall kamen noch besondere Kosten für unsere Eheschließung hinzu: Eine Heirat im Ausland zu einer Zeit als es in Deutschland die „Ehe für alle“ noch nicht gab, Ausstellung der Dokumente inklusive Übersetzung und Apostille, Eintragung ins hiesige Lebenspartnerschaftsregister, und dann, als die Ehe für alle schließlich gesetzlich verankert war, Ausstellung einer neuen Eheurkunde und Löschung der Lebenspartnerschaft für noch mal 140 Euro obendrauf.

Diese Kosten sind ja nun relativ deutlich aufzuschlüsseln und auch Außenstehenden schnell zu vermitteln.

Es gibt aber noch andere versteckte Kosten, die man vielleicht auch selber nicht immer auf dem Schirm hat. Das können zum Beispiel die weiten Fahrten sein, die wir zu unserer gynäkologischen Praxis oder unserem Hausarzt machen, weil wir uns dort als Regenbogenfamilie mit unserer Situation akzeptiert und unterstützt fühlen und es leider nicht so einfach ist, etwas Gleichwertiges in der unmittelbaren Umgebung zu finden. Es kann aber auch der Verzicht auf bestimmte attraktive billige Reiseziele sein, von denen bekannt ist, dass gleichgeschlechtliche (Eltern-) Paare dort nicht willkommen sind (um es mal vorsichtig auszudrücken), und stattdessen die Auswahl von Ländern oder Orten, von denen bekannt, dass sie besonders LGBTI*-freundlich sind und wir uns als Familie dort sicher fühlen können – und dafür manchmal auch höhere Kosten in Kauf nehmen. Wir haben auch schon Situationen erlebt, die nahe gelegt haben dass wir als Frauenpaar auch gerne mal übervorteilt werden. Z.B. bekommen wir für Handwerker Arbeiten einen hohen Kostenvoranschlag, spricht dann aber Cleos Onkel mit denen, ist es plötzlich deutlich weniger was veranschlagt wird.

Fazit: Es sind also eine ganze Reihe an zusätzlichen finanziellen Belastungen, die wir über einen großen Zeitraum hinweg schultern müssen. Natürlich variiert das von Familie zu Familie enorm.

Was uns betrifft, so haben diese finanziellen Extra-Ausgaben auch eine ganz klare Auswirkung auf unser Leben, in dem Sinne, dass wir uns in vielen Belangen sehr einschränken. Viele Wünsche können wir uns nicht erfüllen, viele Anschaffungen schlicht nicht leisten. Wir können anderen keine großen Geschenke machen, schneiden die Haare meist selber, kaufen vieles gebraucht und tragen größtenteils Klamotten, die abgenutzt, zu eng oder schlicht unmodisch sind. Vielleicht wirken wir dadurch auch auf andere schon mal geizig oder verschroben, wer weiß?! Wir machen das so, weil es uns dieser Weg, für den wir uns entschieden haben, durchaus wert ist, aber wir merken auch, dass andere es da deutlich leichter haben als wir. Und ich bin ehrlich, ich bin da durchaus manchmal neidisch und habe auch schlichtweg Sehnsucht danach, „einfach so“ mal was shoppen zu gehen, mir ein Buch zu kaufen oder auch den Urlaub wieder anders als im Zelt oder billigen Hostels zu verbringen. Und ich wünsche mir auch, dass wir unser Haus anfangen könnten abzubezahlen könnten, anstatt auf unserem Schuldenberg hocken zu bleiben. Aber vor allem wünschen wir uns ein weiteres Kind – und so lange das so bleibt, wird alles andere wohl warten müssen.

Wie sind Eure Erfahrungen mit dem Thema Geld? Bemerkt Ihr finanzielle Auswirkungen durch Eure Familienplanung oder das Leben als Regenbogenfamilie? Oder hat es vielleicht sogar schon einmal Vorteile gebracht? Ich bin gespannt auf Eure Antworten!

2 Gedanken zu “Leben als Regenbogenfamilie – Teil 2: Das liebe Geld

  1. Hallo, danke für euren Beitrag. Das ist wirklich (leider) ein großes Thema, auch bei uns. Die Kosten für unsere Kinderwunschbehandlung haben dafür gesorgt, dass wir quasi null Eigenkapital für unser Haus hatten und dadurch merklich schlechtere Kreditkonditionen. Zum Glück war das bevor die Kinder da waren und in der Niedrigzinsphase, sodass wir dank zweier Gehälter überhaupt einen Kredit bekommen haben. Außerdem haben wir zusätzliche private Schulden aus der Kinderwunschzeit, die wir glücklicherweise erst in einigen Jahren zurück zahlen müssen. Der Gedanke, wie wir finanziell dastehen könnten ohne diese Kosten, ist schon manchmal schmerzhaft, vor allem, weil es uns nicht um irgendwelche Luxusgüter geht, sondern darum, wie viel Zeit wir bei unseren Kindern statt bei der Arbeit verbringen können… Trotzdem sind wir uns unserer privilegierten Situation bewusst und dankbar, dass wir uns diese Behandlung irgendwie leisten konnten und auch über die Zeit des Elterngeldbezugs hinaus Elternzeit nehmen können, um unsere Kinder größtenteils selbst zu betreuen. Dafür gibt es keine großen Urlaube, quasi keine Restaurantbesuche, Second-Hand-Kleidung usw. für uns alle vier, aber damit geht es uns auch gut, so wirklich topmodisch waren wir sowieso noch nie unterwegs 😉.
    Und wir würden uns jederzeit wieder so entscheiden!
    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo,
    der Artikel spricht mir wirklich aus der Seele! Meine Frau und ich sparen gerade für die Kinderwunschbehandlung, mit der wir im Sommer beginnen möchten. Letztes Jahr haben wir ein Haus gekauft, bei dem wir in den nächsten Jahren auch noch das Dach erneuern möchten/müssen. Und wenn es mit dem Kinderwunsch geklappt hat, müssen wir dann das Kinderzimmer renovieren und brauchen ein zweites Auto, und das alles bei dann – durch die Elternzeit – weniger Verdienst. Wir stehen finanziell nicht schlecht da, aber wenn ich daran denke, wird’s mir manchmal doch schwindelig. Vor allem, weil die Kosten für den Kinderwunsch so unkalkulierbar sind. Es kann ja sehr schnell gehen, sodass wir für den Rest viel Geld übrig haben, es kann aber auch so gut wie alle Ersparnisse aufzehren…und dann?

    Es ist also definitiv ein Thema, und ja, wir schränken uns auch jetzt schon deswegen ein. Wir möchten möglichst vermeiden, dass uns während der Behandlung das Geld ausgeht, also verzichten wir auf größere Anschaffungen und überlegen auch bei kleineren Dingen, ob es wirklich unbedingt nötig ist – Kleinvieh macht ja auch Mist.

    Trotzdem versuchen wir positiv zu sein, auch wenn es sich schon sehr ungerecht anfühlt, dass unser Kinderwunsch so teuer bezahlt werden muss – im Vergleich zu dem, was viele Heteropaare nur zahlen müssen, wobei auch dort nicht in jedem Fall ein Anteil übernommen wird. Wir sind dennoch froh, dass wir diese Möglichkeiten – Heiraten, Behandlung in einer KiWu-Praxis in fußläufiger Entfernung zum Arbeitgeber, Stiefkindadoption – überhaupt haben.

    Interessant finde ich übrigens, was du zum Thema übervorteilen durch Handwerker sagst…das ist uns auch schon passiert. Ich wollte es erst nicht glauben, aber es entstand doch der deutliche Eindruck, dass man sich dachte, ein Frauenpaar könne man finanziell übers Ohr hauen. Allerdings muss ich sagen, dass wir auch schon den umgekehrten Fall erlebt haben, und zum Beispiel beim Aufbau unserer Küche einen viel besseren Service bekommen haben, als ein befreundetes Männerpaar – eben weil man uns Frauen wohl handwerklich wenig bis gar nichts zutraut. Der Grundgedanke dahinter ist natürlich dennoch ärgerlich, aber schlecht war es in dem Fall dennoch nicht.

    Gefällt 1 Person

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