Das zweite Lebensjahr – Ereignisse

Stiefkindadoption

Im September 2018 hatten wir den Termin vorm Amtsgericht zur Adoption. Bei dem Termin war außer uns Dreien und der sehr freundlichen Richterin niemand anwesend. Sie machte von Anfang an deutlich, dass sie das ganze Verfahren für ziemlich überflüssig hält (ich glaube, sie hatte selbst eine Regenbogenfamilie in ihrem Freundeskreis). Sie stellte uns noch ein paar Fragen, keine davon erinnere ich als unangenehm (im Gegensatz zu den Fragen der Jugendamtsmitarbeiterin). Nach kurzer Zeit konnten wir den Saal wieder verlassen mit der Zusage, dass die Adoption rechtlich beschlossene Sache ist und uns der Bescheid zugestellt wird.

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Auch wenn die ganze Prozedur der Stiefkindadoption eine ziemliche Zumutung ist, so war es für uns doch ein bedeutsamer Tag, den wir mit anschließendem Sushi-Essen fortsetzten. Wir luden einige Tage später unsere Familie zum Eis-Essen ein, um das ganze gebührend zu feiern. Wir hatten es bis dahin immer noch nicht geschafft, Karten zur Geburt fertig zu stellen und zu verschicken. Dies holten wir jetzt nach und nahmen das Datum der Adoption noch mit in den Text auf. Meine Frau schenkte mir zu dem Anlass einen silbernen Anhänger, der auf der einen Seite den eingravierten Fingerabdruck unseres Sohnes trägt. Auf der anderen stehen unsere Namen, Geburtsdaten, das Adoptionsdatum und außen herum „Familie ist wo Leben beginnt und Liebe niemals endet“. Für uns passt dieser Spruch sehr gut, und ich habe ein wunderschönes Erinnerungsstück (an etwas, auf das wir gerne verzichtet hätten😉) Nun sind wir beide rechtlich seine Eltern – über ein Jahr nach seiner Geburt!

Die Geburtsurkunde mussten wir dann im Standesamt von Linos Geburtsort noch anfordern und dafür auch mal wieder eine Gebühr bezahlen. Ärgerlich, dass wir diese 1. gefaltet zugeschickt bekamen und 2. meine Frau als „Mutter“, ich aber als „Elternteil 2“ drauf stehe. Was der Blödsinn soll, ist mir komplett schleierhaft. 🤷‍♀️ Hätte ich als Frau das Kind eines Mannes stiefkindadoptiert, würde mit Sicherheit einfach nur Mutter drauf stehen! Für unseren Sohn finde ich es einfach nur schade, dass er so eine merkwürdige Geburtsurkunde hat. Warum nicht Mutter1 und Mutter2, oder meinetwegen Elternteil 1 und 2?

Feiertage

Lino „verkleidet“ sich gerne. Er liebt es, sich große Handschuhe anzuziehen, oder in den Schuhen von Erwachsenen zu laufen. Bänder o.ä. hängt er sich wie einen Schal um oder drapiert sich Omas Ketten um den Hals. Wir lieben das Verkleiden ebenfalls, ohne Karnevalfans zu sein. Wir zelebrieren jedes Jahr Halloween, weil es uns Spaß macht das Haus gruselig zu schmücken, uns selbst zu verkleiden und die klingelnden Kinder mit Süßkram zu beschenken. Letztes Jahr war Lino zu Halloween 14 Monate alt und damit war ihm auch noch kein aufwändiges Kostüm zuzumuten. Meine Frau bastelte ihm daher aus einem alten schwarzem T-Shirt ein einfaches Gruseloutfit für die Kita.

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Im Dezember haben wir dann mit sehr viel Spaß ein Weihnachtselfenkostüm für Lino zusammengestellt, von dem meine Frau den größten Teil selbst genäht hat. Das trug er dann zu allen Weihnachtsfeiern und Besuchen, die im Dezember so anstanden, und sah einfach zuckersüß darin aus. ❤️

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Auch das Plätzchen backen und Tannenbaum schmücken durfte natürlich nicht fehlen. 😊

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Als dann auch endlich mal Schnee fiel, haben wir auch das erste Mal mit Lino einen Schneemann gebaut.

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Für die Karnevalsfeier in der Kita wurde es dann wieder etwas bescheidener, wir verkleideteten ihn als Kater und er bekam dafür schlicht ein graues Schwänzchen an ein graues Outfit genäht und ein paar Schnurrhaare aufgemalt. 😸

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Für Ostern habe ich mit ihm zusammen dann auch Eier gefärbt und mit bunten Aufklebern beklebt. Er hat zwar denn Sinn dahinter noch nicht verstanden aber Spaß hat es ihm auf jeden Fall gemacht.

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Kita-Krankheiten

Wir hatten ja schon davon gehört, dass Kinder in der Kita, besonders in der Anfangszeit, häufig krank sind. Was uns aber wirklich erwartete, konnten wir uns nicht vorstellen. Von August bis zum Ende des Herbstes ging es noch halbwegs. Zwei oder drei kleine Erkältungsinfekte nahmen wir schon mit, blieben aber von Röteln, Hand-Mund-Fuß, Scharlach und Läusen verschont, was alles zwischenzeitlich in der Kita grassierte. Wir wähnten das Kind aber als abwehrkräftig (es wurde ja schließlich gestillt, oder????), und uns auch als einigermaßen belastbar. Und dann … begann der Winter des Horrors. Von Anfang Dezember bis Mitte Februar war kein einziges Mitglied unserer Familie länger als eine Woche gesund, und es gab ungefähr drei Tage, an denen wir alle gleichzeitig nicht krank waren. Es war einfach nur schrecklich. Hatte man sich halbwegs berappelt, fing bereits der nächste wieder an mit Halsweh, weil Lino wieder was Neues aus der Kita angeschleppt hatte. Er selber steckte die Infekte noch halbwegs gut weg und war damit meist schneller durch als wir (hatte dafür aber häufig Fieber). Wir Eltern quälten uns aber teilweise über Wochen mit einer Erkrankung ab. Bei Cleo gingen die Infekte wieder auf die Ohren mit Mittelohrentzündung, ich bekam das erste Mal in meinem Leben eine richtig fiese Nasennebenhöhlenentzündung von über zwei Wochen. Und dann noch mal. Und dann noch mal. Ich wusste gar nicht mehr, wie man durch die Nase atmet oder wie Lebensmittel schmecken. Irgendwann waren wir einfach nur noch völlig zermürbt. Das einzige „Glück“ war, dass wir wenigstens von Magen-Darm-Infekten bis auf zwei Ausnahmen verschont blieben. Im Frühling wurde es dann endlich besser. Nur noch etwa ein Infekt pro Monat, ha! Die reinste Wellness.

Nun begann nach einem gesunden Monat im Sommer wieder das neue Kitajahr und…ich befürchte schreckliches.

Andalusien

Im Februar folgten wir der Einladung einer Freundin, die mit ihrem Sohn, der 9 Monate älter ist als Lino, in Spanien an der Costa del Sol in der Nähe von Málaga überwinterte. Wir planten ein paar Tage bei ihr im Apartment zu übernachten, eine kleine Rundreise zu machen und dann wieder bei der Freundin die Reise zu beenden. Der Flug lief problemlos. Wir hatten uns allerdings vor Reiseantritt noch zwei Dinge zugelegt, die wir für den Urlaub brauchten: ein gebrauchter Kindersitz fürs Auto, der uns nur 15 Euro kostete (und der Flugtransport gar nichts), denn einen Kindersitz beim Autovermieter zu leihen hätte doppelt so viel gekostet wie das ganze Auto. Und zweitens einen gebrauchten Klappbuggy für ebenfalls 15 Euro, denn wir hatten keine Lust den großen Kinderwagen mitzuschleppen (und die Tragezeit ist für uns einfach vorbei – dafür wiegt das Kind einfach zu viel und er mag selber auch nicht mehr so angeschnallt sein. Nur bei Wanderungen haben wir teilweise noch getragen. Unser Fräulein Hübsch hatten wir im 10. Lebensmonat durch die größere Limas Plus ersetzt, da wir die Toddlersize des Fräuleins nicht so angenehm fanden.

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Wir verbrachten also einige Tage an der Küste in einer Touristenhochburg bei der Freundin bei milden 18-20 Grad. Das war einerseits schön – der Strand direkt vor der Haustür – allerdings ziemlich anstrengend für uns. Ihr zweieinhalbjähriger war sehr temperamentvoll und nur schwer zu steuern – und kam nicht gut damit zurecht, wenn Lino irgendetwas hatte, was er selber wollte (und er wollte alles, was Lino in die Hand nahm). Da zimmerte er ihm schon mal einen großen Spielzeugbagger über den Kopf usw. Wir mussten also die ganze Zeit aufpassen, das Lino nicht verletzt wurde. Er hat ja an sich ein dickes Fell, aber nach zwei Tagen war er dann schon reichlich frustriert, dass ihm ständig alles aus der Hand gerissen wurde, und seine Stimmung wurde auch etwas labiler als wir es von ihm kennen. Zudem hat die Freundin auch in Bezug auf manche Dinge, insbesondere Ernährung, halt sehr andere Vorstellungen als wir, was es dann etwas schwierig für uns machte.

 

Wir fuhren danach zu dritt die Küste herunter bis ins ruhigere Nerja und dann ins Landesinnere, wo wir drei Nächte in Granada verbrachten.

Weiter ging es Richtung Osten – ich wollte unbedingt den Caminito del Rey laufen, was dann leider aufgrund starken Windes nicht ging 😢 – Cleo war vormittags noch in den Genuss gekommen, meine Tour wurde leider abgesagt (da Kinder unter 8 nicht auf dem Weg dürfen, hatten wir geplant, nacheinander zu laufen.)

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In die Felswand gehauen: der Caminito del Rey

Dann verbrachten wir anschließend noch drei Nächte in der Sierra de Grazalema.

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IMAG9182IMAG9063…und die letzten zwei Nächte wieder am Meer, wobei wir uns entschieden, diese nicht im recht beengten Apartment der Freundin zu verbringen, um den Urlaub ruhig in einem eigenen Apartment am Meer ausklingen zu lassen, das wir last Minute sehr günstig bekommen hatten.

Lino, der zu dem Zeitpunkt 18 Monate alt war, hat es zum Glück überwiegend gut mitgemacht, dass wir alle zwei bis drei Nächte woanders schliefen. Wir haben fast immer die Möbel verstellt, so dass wir zu dritt im Doppelbett schlafen konnten oder auch mal in drei Betten nebeneinander. Auch die Fahrerei klappte gut, wobei uns bei den Serpentinen in den Bergen echt allen übel wurde und Lino dann auch wirklich keine Lust mehr aufs Autofahren hatte.

Alles in allem war es ein sehr toller und abwechslungsreicher Urlaub mit qualitativ sehr unterschiedlichen Unterkünften (trotz eines gleich niedrigen Preisniveaus von 30-40 Euro pro Nacht für uns alle zusammen). Um etwas Wärme zu tanken, tolle Städte und schöne Landschaften zu sehen ist Andalusien im Winter echt zu empfehlen.

6 Gedanken zu “Das zweite Lebensjahr – Ereignisse

  1. „Die Geburtsurkunde mussten wir dann im Standesamt von Linos Geburtsort noch anfordern und dafür auch mal wieder eine Gebühr bezahlen. Ärgerlich, dass wir diese 1. gefaltet zugeschickt bekamen und 2. meine Frau als „Mutter“, ich aber als „Elternteil 2“ drauf stehe. Was der Blödsinn soll, ist mir komplett schleierhaft. 🤷‍♀️ Hätte ich als Frau das Kind eines Mannes stiefkindadoptiert, würde mit Sicherheit einfach nur Mutter drauf stehen! Für unseren Sohn finde ich es einfach nur schade, dass er so eine merkwürdige Geburtsurkunde hat. Warum nicht Mutter1 und Mutter2, oder meinetwegen Elternteil 1 und 2?“

    Das ist auch falsch! Bei uns war des genauso und eine Nachfrage beim LSVD ergab folgendes: „Nach § 42 Abs. 3 der Personenstandsverordnung (PStV) müssen beide Mütter jeweils als „Mutter“ in das Geburtenregister eingetragen werden (https://www.gesetze-im-internet.de/pstv/__42.html). Nach der PStV gibt es nur (noch) die Eintragungsmöglichkeiten „Mutter“, „Vater“ oder „Elternteil“ . „Elternteil“ meint nach der Definition der PStV allerdings, dass die Person weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht angehört, was in Ihrem Fall nicht zutrifft.“

    Wir sind mit dem Ausdruck des oben genannten Links noch einmal in unserem Standesamt eingefallen und haben solange gestänkert, bis wir eine neue (kostenlose!) Urkunde mit „1. Mutter“ und „2. Mutter“ bekommen haben.

    Lasst euch das nicht gefallen!

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  2. Das Weihnachtselfenkostüm finde ich ja dermaßen super… 😀 Habt ihr dafür vielleicht eine Anleitung bzw. Tipps? Die Schuhe sind ja ein bisschen aufwendiger zu nähen, oder?

    Unser Sohn (nur ein paar Tage jünger als Lino) hatte übrigens ein etwas ähnliches Faschingskostüm wie er und ist als Hund gegangen. Wir hatten dazu noch „Fell“besatz an Ärmeln und Hosenbeinen und eine Mütze mit Ohren. Morgens habe ich ihn dann vor dem Fernseher ganz leicht geschminkt (ja ich weiß, ih, fernsehen, aber so hat es problemlos geklappt 😉 ).

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    • Schön, dass es dir gefällt. 😊Wir hatten auch sehr viel Spaß daran. Die geringelte Strumpfhose haben wir so bestellt, und der Body ist ein einfacher weißer Basic-Body, der mit roten Knöpfen aufgehübscht wurde. Der Kragen, den meine Frau aus grünem Samt gemacht hat, ist per Druckknopf einfach abnehmbar. Die Hose ist aus auch aus dunkelgrünem Samt (Freebook Einfäl(l)tig, mitwachsende Knickerbocker), die Schuhe hat Cleo selbst zusammengesetzt (darunter sind ganz normale Filz-Pantoffeln mit Gummisohle, die mit Watte ausgestopften Überzieher sind nur lose daraufgenäht gewesen und konnten danach wieder entfernt werden.)

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