Das zweite Lebensjahr – Motorik, Spielverhalten, Ernährung und Technik

Es ist so schade: vieles von dem, was man nicht aufschreibt oder fotografiert, gerät leider auch so schnell in Vergessenheit. Und mit einem Kind erlebt man fast jeden Tag etwas Neues! Das zweite Lebensjahr erscheint mir im Rückblick noch viel spannender und mit viel mehr Entwicklung gefüllt als das erste, aber das mag ein Wahrnehmungsfehler sein. Es mit Sicherheit nicht machbar, ein Lebensjahr in einen Beitrag zu quetschen, aber ich will zumindest ein paar Dinge gerne festhalten.

Starten wir mit den harten Fakten:

Lino ist jetzt 90 cm groß und wiegt 13,2 kg. Vorwiegend trägt er Größe 98, seine Schuhgröße ist 24👣.

Motorische Entwicklung

Kurz vor seinem ersten Geburtstag hatte Lino seine ersten freien Schritte gemacht. Das trainierte er in den folgenden Wochen kräftig, zunächst mit viel Boings auf den Popo, mit erhobenen Armen. Dann aber schnell immer sicherer werdend. Wir haben in seiner motorischen Entwicklung so wenig wie möglich eingegriffen und auch immer wieder riskiert, dass er sich weh tut (außer an wirklich heiklen Stellen wie Steintreppen). Dadurch hat er aber meiner Ansicht nach ein gutes Gefühl dafür entwickelt, was er schafft und was nicht. Insgesamt finde ich, er ist einerseits sehr besonnen, und andererseits auch relativ „hart im Nehmen“. Natürlich verletzt er sich immer mal wieder irgendwo – aber er weint eigentlich nur, wenn es wirklich weh tut und beruhigt sich auch sehr schnell.

IMAG5925

In den Monaten 13 und 14 lernte er zunächst mit seinem Puky Wutsch durch die Gegend zu flitzen und dann Bobbycar zu fahren. Vermehrt gaben wir ihm auch einen Löffel zum Selber essen (auch wenn es oft eine ziemliche Sauerei wurde…).  Mit 18 Monaten klappte es mit dem erklimmen von Leitern und dem Rutschen auf Spielplätzen. Lange mühte er sich ab mit dem Hüpfen. Das klappte nicht so richtig, aber im zweiten Halbjahr hatte er dann langsam den Bogen raus, wie man mit beiden Füßen gleichzeitig vom Boden kommt. Jetzt nutzt er auch liebend gerne unser Trampolin. Mit 20 Monaten bekam er so einem kleinen Kinderroller und konnte ihn nach einiger Zeit auch halbwegs fahren. Im 24. Monat fing er dann an, das Laufrad richtig zu nutzen und fährt jetzt schon richtig gut mit Balance. Und neulich hat es dann auch geklappt mit dem „Kusselkopp“.

In der Feinmotorik ist vor allem das „Malen“ spannend, was er aber in der letzten Zeit wieder weniger gemacht hat. Schraubverschlüsse kann er jetzt auch schon auf und zu drehen, wenn sie nicht fest verschraubt sind. Cleo hat ihn auch schon mal Kartoffeln schälen und etwas Papier mit einer Schere unter Aufsicht schneiden lassen, weil er natürlich immer auch alles ausprobieren will was man macht. Das ging gar nicht mal so schlecht! Und dann gibt es natürlich das Bauen mit Lego Duplo, was mittlerweile schon ganz routiniert läuft. Und damit wären wir dann schon beim nächsten Thema:

Spielverhalten

Seit Lino krabbeln kann, hat er oft Phasen, in denen er sich gut alleine beschäftigt. Schon früh kamen dabei alle Dinge mit Rädern ins Spiel: Autos, aber auch sein Puppenbuggy, den er im Winter unermüdlich durch die Wohnung schob.

IMAG6487Im letzten Jahr hat Cleo bereits einen kleinen Sandkasten aufgestellt, und darin spielt er auch sehr gerne, am liebsten allerdings in Gesellschaft zum Sandkuchen backen oder Bagger fahren.

Sehr beliebt sind auch die Schleich-Tiere und seit etwa dem 18. Lebensmonat auch Lego Duplo. „Mama, sollen wir was bauen?“ fragt er dann und möchte dann auch mit den Tieren und Figuren interagieren.

IMAG6908

Bilderbücher-Lesen ist nach wie vor total gefragt und wir lesen jeden Abend ein Buch zusammen, meist aber auch tagsüber. Hier sind die Bücher, die nur Gegenstände zeigen, längst langweilig geworden, spannender sind jetzt schon Vorlesegeschichten wie z.B. aus der Jakob-Reihe. Unser absoluter Alltime Favorite ist das Wimmelbuch „Unser Zuhause“. Ein tolles Buch voller kleiner verwobener Geschichten, das unterhaltsam und kindgerecht Themen wie Liebe, Geburt und Tod, Nachhaltigkeit, Nachbarschaftlichkeit und Diversität unterbringt –  und auch eine Regenbogenfamilie mit zwei Vätern zeigt. Wir lieben dieses Buch, und selbst beim 100sten gemeinsamen Anschauen fallen einem neue Details in der Geschichte auf.

DSC08957

Als Lieblingsspielzeug hat sich ein Truck von Little Tykes herausgestellt. Den hatten wir letztes Jahr bei einem anderen Kind auf dem Campingplatz gesehen und beschlossen, dass er ein gutes Geschenk zum 1. Geburtstag wäre. Und kein Spielzeug wurde über das ganze Jahr hinweg so viel bespielt wie dieser große Truck (auf dem man auch sitzen kann) und seine beiden Rennautos. Sowohl im Truck selber wie auch in der Fahrkabine werden regelmäßig Duplo-Figuren oder andere Spielzeuge auf Reisen geschickt.

IMAG5597

IMAG5509

Mittlerweile ist Lino auch voll im Rollenspielalter angekommen. Entweder ist er der Busfahrer und will Fahrkarten verkaufen, oder er steht in seiner Kinderküche. Wir haben ein mehrteiliges Riesengerät gebraucht von Nachbarn geschenkt bekommen mit kompletter Ausrüstung, und er kocht für uns (es gibt immer Spaghetti Bolognese). Manchmal spielt er unsere Kinderärztin und verteilt Spritzen, deswegen gibt es jetzt auch einen Arztkoffer zum Geburtstag. Oft möchte er auch, dass wir ein Baby sind und weinen und er uns tröstet. Gerne spielt er auch Tiger und faucht und sagt „Die Mami soll weggehen!“ (er weiß nämlich, dass es bedeutet lass mich in Ruhe, geh weg, wenn eine Katze faucht. Für ihn ist das glaube ich eine gute Erfahrung, dass er andere durch sein Verhalten beeinflussen kann und sich nicht alles gefallen lässt). Oder er verwuschelt meine Haare auf dem Kopf und sagt „Die Mami ist jetzt ein großer Zottelbär! Du sollst mich jetzt fangen“. Gerne schleppt er alle möglichen Taschen durch die Gegend und spielt „einkaufen“, oder er fährt mit seinem Puppenbuggy über die Wiese und tut so, als würde er damit den Rasen mähen (ich wünschte, das würde funktionieren😀).  Mit seinem Spielwerkzeug „repariert“ er dann alles Mögliche und guckt dabei ganz wichtig. Er gibt teilweise schon vor, was man sagen soll, gerne z.B.: „ich gehe jetzt hier lang, und die Mami soll Nein sagen!“ Er übt quasi im Spiel sich zu widersetzen. Auch im Alleinspiel führt er jetzt schon Dialoge von unterschiedlichen Akteuren, z.B. seinen Lego Duplo Figuren. Aber sehr viel fordert er jetzt auch aktiv, dass man mit ihm spielen möge, aber ehrlich gesagt dazu haben wir nicht immer Lust und Zeit (gut, dass es noch Großeltern gibt😉).

Erst vor ca. 4 Monaten begann er, einen persönlichen Bezug zu Kuscheltieren oder Püppchen aufzubauen. Vorher wurden die zwar etwas bespielt, aber jetzt muss der „Bunny“ (Kuschelhase) meistens mit ins Bett und beim Buch gucken mit dabei sitzen, und zwar so, dass er auch was sehen kann. Und selbst die Duplo-Männchen haben mittlerweile individuelle Namen bekommen.😆

Dauerbrenner ist außerdem Spielen mit Wasser. Lino kann stundenlang am Waschbecken stehen und Wasser von einem Becher in den anderen füllen.

Was bislang so gar nicht läuft, sind Puzzle oder andere erste Brett-Spiele. Auch diese Kästen, wo man Holzformen in das richtige Loch werfen muss, war bei uns nie der Renner. Vielleicht kommt das noch, vielleicht bleibt es auch dabei.

Ernährung und ähm…Verdauung

„Also, das mit der Ernährung haben wir total verkackt“, konstatiert Cleo trocken. Ich finde, das ist etwas drastisch ausgedrückt. Aber ich muss zugeben: möglichst lange zuckerfrei, das haben wir schon zum Ende des 1. Lebensjahres nicht mehr richtig durchgehalten. Und heute…ißt das Kind an den heißen Tagen eben ein Eis am Stiel mit Schokoladenüberzug und trinkt vor allem verdünnte Säfte und eher selten noch reines Wasser. Im Auto verlangt er nach Keksen oder Brezeln (und bekommt sie). Und wenn wir Fischstäbchen und Rahmspinat aus dem Tiefkühler essen, ißt er eben mit. Vorbei die Tage des liebevoll pürierten Biokohlrabis…nein halt, das ist so auch nicht richtig. Wir kochen schon immer noch überwiegend frisch, und aktuell wieder viel mit Gemüse aus unserem Garten. Aber halt nicht jeden Tag.

DSC08959Von den Großeltern wird er dauernd mit Äpfeln und Beeren vollgestopft. Aber auch mit Kuchen…das andere gibt es eben auch, und obwohl wir der Meinung sind, dass man das mit der Ernährung deutlich besser machen könnte, machen wir uns deshalb aber auch nicht den Mega-Stress. Dazu hat ehrlich gesagt, auch in wesentlichem Maße die Kita beigetragen. Denn da gibt es für die Kinder dann als Snack z.B. Waffeln, oder süße Kellogs Sachen werden als „Müsli“ verkauft. Kinder bringen Schokoküsse zum Geburtstag mit und das bekam dann auch unser noch nicht mal Anderthalbjähriger. Das hat irgendwie unsere eigene Hemmschwelle dann doch noch mal deutlich gesenkt, dem Kind Fertigprodukte und Süßkram zu geben. Wir versuchen, den Zuckerkonsum trotzdem in Grenzen zu halten, so gut es geht.

Tja, und was das andere Ende der Ernährung betrifft: wir sind immer noch im Windelteam, aber das ein oder andere Mal haben wir jetzt schon mal was ins Töpfchen bekommen. Das war jedes Mal eine Riesenfreude und ein Riesenstolz bei Lino, und wir haben ihn echt gefeiert. Vor allem wenn er danach das Töpfchen ins Klo leeren und abspülen darf, aber es sind vorerst noch Ausnahmen. Wir bieten immer mal wieder an, das Töpfchen zu nutzen und lassen ihn, besonders in der Hitze auch ohne Windel laufen. Aber wir forcieren das nicht und haben auch keinen richtigen Plan…ich denke, es wird mit der Zeit einfach kommen.

Das Kind und die Medien

Wann immer er unser Handy in die Finger bekommt, spielt er damit „telefonieren“ und führt minutenlange imaginative Gespräche, bei denen er auf und ab läuft und bedeutungsschwer gestikuliert. Die klingen, als würde er ganz ernsthaft mit jemandem am anderen Ende der Leitung sprechen, von dem er sich dann mit „ja, Tschüüüüß!“ verabschiedet, um uns dann z.B. mit ernster Miene mitzuteilen: „Das war der Opa.“ Wenn kein Handy zur Hand ist, wird aber auch kurzerhand ein Bauklotz oder eine Postkarte zum Telefon.😀

Dass unsere Kinder heute mit wesentlich mehr Technik aufwachsen als wir selbst früher, ist ja bekannt. Trotzdem bin ich immer wieder überrascht, wie schnell so ein Kleinkind das erfasst. Lino imitierte schon mit 14 Monaten Wischbewegungen auf dem Handy. Er weiß, dass man im Laptop Kinderliedervideos angucken kann (er darf selten mal was gucken, z.B. beim Fingernägel schneiden) und hängt manchmal vor dem Bildschirm und bedient die Maus wie ein Profi. Zumindest auf den ersten Blick – eigentlich klickt er nur wild herum und löscht Daten, wenn wir nicht aufpassen. Dass man mit Kamera oder Handy fotografiert und filmen kann, hat er längst verstanden, und will nun auch schon manchmal selber fotografieren und vor allem, sich die Fotos und Filme von uns angucken, oder von Freunden die Videos von sich und ihren Kindern schicken.

DSC08823

Die meiste Zeit tut er aber einfach nur, als würde er das Teil schon genau so bedienen wie wir Großen.

Puh, das reicht erst mal für heute! Sobald ich dazu komme, folgen noch die Bereiche emotionale, soziale und sprachliche Entwicklung, und die positiven wie negativen „Highlight“-Erlebnisse aus dem zweiten Lebensjahr. 😊

 

Werbungs-Hinweis: ich erhalte für die Erwähnung genannter Produkte kein Geld, sondern stelle lediglich persönliche Erfahrungen damit dar.

3 Gedanken zu “Das zweite Lebensjahr – Motorik, Spielverhalten, Ernährung und Technik

  1. Danke für den Bericht. Jetzt freu ich mich noch mehr auf die kommenden Monate.

    Und überlege ernsthaft, ob ich Ole nicht Lego Duplo zu Weihnachten schenke… Ich hatte nur Holzklötze als Kind, aber Lego bietet schon einige physikalische Vorteile 😉.

    Lg

    Gefällt 1 Person

    • Lego ist super! Wurde bei uns aber auch erst mit zwei Jahren interessant. Mit seinen fast vier Jahren hat er schon Autos vom normalen Lego und die kleinen Steine sind nicht schlecht für die Feinmotorik 😀 (kann es natürlich noch nicht zusammen bauen)

      Gefällt 2 Personen

    • Bietet halt viele Möglichkeiten…wir haben u.a. einen Bauernhof mit vielen Tieren und einem Trecker, an den man dann auch andere Autos dran hängen kann, dann fahren die Tiere mit dem Zug in den Urlaub usw. Komplexes Bauen findet bei Lino noch nicht statt, aber Türme bauen oder Tiere/Püppchen irgendwo drauf setzen, durch Türen gehen lassen oder die Rutsche runter…da spielt es sehr viel mit.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s