Auf neuem Weg zum alten Ziel: interrelationäre Eizellspende

Wie ich neulich schon geschrieben habe, haben wir uns nach langer Pause wieder getraut, unseren Kinderwunsch weiterzuverfolgen. Denn nach allem, was im letzten Jahr passiert war, blieb trotzdem der Wunsch nach einem zweiten Kind, und auch der Wunsch, dass unser zweites Kind genetisch von mir abstammen sollte.

Eine weitere Schwangerschaft bei mir kam jedoch für uns nicht in Frage – zu sehr hatte diese Konstellation und das Drumherum unsere Familie durcheinandergerüttelt und belastet, als das wir noch einmal riskieren wollten, eine ähnliche Situation herbeizuführen.

Daher entstand die Idee der interrelationären Eizellspende. Dabei werden einer Partnerin im Rahmen einer normalen IVF Eizellen entnommen, befruchtet und dann der anderen Partnerin eingesetzt. Bekannt ist dieses Verfahren auch unter dem Begriff „shared motherhood“ oder im spanischen als „ROPA“.

Viele Frauenpaare entscheiden sich mittlerweile für diese Art, ihren Kinderwunsch zu realisieren. Es ist eine Möglichkeit, wie beide am Entstehungsprozess beteiligt sein können, oder anders gesagt, ist dieser Zeugungsweg für Frauenpaare wohl am nächsten dran an einem „gemeinsamen“ biologischen Kind. Die eine wird die genetische Mutter, die andere trägt das Kind aus und erlebt Schwangerschaft und Geburt.

In Deutschland ist dieses Verfahren (wie ja auch die heterologe Eizellspende) verboten. In vielen anderen europäischen Ländern jedoch nicht, weshalb ein reger Reproduktionstourismus z.B. nach Tschechien stattfindet. Tschechien behandelt allerdings keine Frauenpaare – wir sind also darauf angewiesen, dass wir uns in einem Land behandeln lassen, in dem sowohl Frauenpaare behandelt werden, wie auch dieses Verfahren zugelassen ist – und in dem wir auch mit unseren noch vorhandenen Halmen unseres Spenders arbeiten können. Dies wäre z.B. in Spanien nicht der Fall gewesen. Dort sind per Gesetz NUR vollanonyme Samenspenden erlaubt.

Glücklicherweise bietet unsere Klinik in NL all diese für uns nötigen Voraussetzungen. Nur eine große Hürde steht dennoch im Raum: mein Alter. Denn rein medizinisch gesehen macht es natürlich überhaupt keinen Sinn, dass die Ältere der Jüngeren Eizellen spendet. Vor allem wenn die Ältere eine Low Responderin Anfang vierzig ist.

Dementsprechend lief auch unser Vorgespräch Ende Februar eher entmutigend. Die Ärztin zählte uns alles auf, was dagegen spräche, wie gering die statistischen Erfolgschancen seien, und dass das letztlich im Team entschieden werde, ob man uns überhaupt so behandeln wolle. Sie machte uns diesbezüglich aber eher wenig Hoffnung. So waren wir zunächst mal ziemlich resigniert.

Wir setzten uns dann (nach Ermutigung unserer Beraterin) zu Hause noch einmal hin und schrieben einen persönlichen Brief an das Team, in dem wir unsere Motivation und unsere Gründe darlegten und auch deutlich machten, dass wir die Statistik und die medizinischen Logiken in unserem Falle als weniger ausschlaggebend sähen als unsere individuelle Situation, in der das die für uns beste Lösung sei, und zu der wir doch wenigstens die Chance bekommen wollten es zu versuchen.

Einen Tag nachdem unser Fall im Team besprochen wurde, bekamen wir eine telefonische Antwort: ja, sie werden die Behandlung mit uns machen! Wir waren positiv schockiert. Dieses Ja war aber nur der erste Schritt. Es folgten noch eine Reihe von (aus unserer Sicht teils überflüssigen) Termine, bis wir endlich davon ausgehen konnten, dass es im nächsten Zyklus losgehen kann.

Geplant war ein Frischtransfer, weil damit wohl etwas höhere Erfolgschancen bestehen. Daher mussten die Zyklen von Cleo und mir gematcht sein. Glücklicherweise waren wir ohnehin schon bis auf einen Tag Unterschied mit dem Zyklus gleichauf. Nur haben wir mit Progesteron unseren Zyklus jeweils noch ein paar Tage gestreckt, bis sicher war das wir auch das letzte OK der Klinik bekommen (was dann auch kam).

Wir stimulierten bei mir wieder mit dem gleichen Protokoll (Flare Up) wie letztes Jahr, aber mit einem anderen Medikament (Menopur). Der Ausgangsultraschall gab wieder wenig Grund zur Begeisterung: ein einziger, aber schon recht großer Follikel an Tag drei. Warum dann mit so viel FSH stimuliert wird, ist uns nicht ganz klar. Ich habe nämlich durchaus noch Eisprünge, es wirkt also irgendwie nicht ganz stimmig, dass dann der eine Follikel so beschossen wird. Davon werden es ja nicht mehr.

Irgendwie bekamen wir von der Ärztin im Ausgangsultraschall den Eindruck, dass wenn wir diesen Zyklus nicht nutzen, die Klinik vielleicht keiner weiteren Behandlung zustimmt (die Sprachbarriere macht es oft mehrdeutig), das stresste uns ziemlich.

Wir stimulierten also bei mir entsprechend und meine Frau nahm ab Zyklustag 1 Estradiol-Tabletten, um die Schleimhaut aufzubauen, was auch sehr gut funktionierte. Ihr eigener Zyklus war damit im Prinzip komplett abgeschaltet.

An Zyklustag 8 war der Follikel ausreichend gewachsen, so dass wir für Tag 10 die Punktion angesetzt haben und HCG zum Auslösen spitzen. Die Punktion lief soweit unproblematisch. In der Klinik ist es ja üblich, ohne Narkose zu punktieren, man nimmt nur ein Schmerzmittel und bekommt ein leichtes Sedativum zum Entspannen. Vorher war ich schon etwas aufgeregt, aber alles in allem war es wirklich nicht schlimm.

Wir waren dann froh zu hören, dass in dem Follikel eine reife Eizelle war. Eine reicht ja, wenn sie gut ist, sagten wir uns immer wieder. Und trotzdem sind wir ja lange genug im „Geschäft“ um zu wissen, dass es die meisten eben nicht schaffen.

Als wir die Info bekamen, dass die Eizelle sich befruchten ließ, waren wir schon sehr erleichtert, und umso mehr, dass sie sich bis Tag 3 weiterentwickelt hat, so dass Cleo einen guten 8-Zeller transferiert bekam. Das war für uns beide schon sehr spannend und auch schön, dass da nun ein Embryo aus meiner Eizelle in ihren Bauch gesetzt wurde.

Es ist übrigens ulkig, dass ich mich jetzt aufgrund dieser Art der Behandlung, zu der wir uns entschlossen haben, nun selbst als Eizell-Spenderin im niederländischen Spenderegister geführt werde. Dies ist eine Formalität die eingehalten werden muss, auch wenn ich meine Eizellen ja nur meiner Frau und niemand anderem sonst spende. So konnte ich einmal die Erfahrung machen, welche Fragen man da beantworten muss.

Wir fuhren dann nach dem Transfer ein paar Tage weg. Cleo nahm weiter Estradiol und seit dem Punktionstag außerdem Progesteron. Eine volle Hormonladung, die sie ganz schön müde machte. Sie beobachtete sehr akribisch ihre Körpersignale und war sich eine Woche nach Punktion sicher, dass sie Einnistungssymptome in Form von sehr lokalisiertem Ziehen und Pieken im Uterus spürte. Ich war hin und hergerissen zwischen der Skepsis, das als „wishful thinking“ abzutun, und dem Impuls, mich der Euphorie anzuschließen.

Da ich nach der Eizellentnahme keinerlei Medis mehr nahm, kam meine Blutung übrigens bereits eine Woche später. Somit hatte ich nur einen ultrakurzen 17-Tage Zyklus. An Tag 9 nach Punktion waren wir wieder zu Hause und meine Frau (früher ja gar kein Fan des Frühtestens) war Feuer und Flamme, gleich einen Test zu machen. Wenig überraschend, er war negativ. Ich rechnete auch in den darauffolgenden Tagen noch mit keinem weiteren Strich. Als an PU+12 aber auch noch nichts zu sehen war, machte sich doch langsam Enttäuschung breit. Wir lasen in der Zeit sehr viel zu Zuverlässigkeit von Schwangerschaftstests und HCG-Entwicklung. Zusammenfassend kann man sich auf ein negatives Ergebnis nicht wirklich verlassen, vor allem in der frühen Entwicklungsphase. Wir testeten dann nach einer Pause erst wieder an PU+15 – negativ. Um es auch wirklich ganz sicher zu wissen, haben wir dann einen Tag später noch in einen Bluttest in einem Labor investiert. Denn dadurch, dass meine Frau ja keinen Eisprung und somit keinen eigenen Gelbkörper hatte, würde das Absetzen der Medikamente auch ganz klar das Ende einer möglicherweise doch vorhandenen Schwangerschaft bedeuten. Der Bluttest brachte dann auch ein ganz klares Negativ.

Der letzte winzige Krümel Hoffnung war also dahin und wir mussten uns seelisch erst mal wieder aufsammeln. Trotz der schlechten Startvoraussetzungen und obwohl wir um die geringen Erfolgsaussichten wissen, lief ja alles so „gut“, dass wir gar nicht richtig glauben konnten, dass es nicht geklappt hatte.

Meine Frau setzte die Medis ab, bekam 4 Tage danach ihre Blutung und wurde, wie sie schon befürchtet hatte, von einer mehrtägigen Mordsmigräne heimgesucht (hormonelle Umstellungen sind so ein klassischer Auslöser). So endete unser erster Versuch leider erfolglos. Das war Ende April.

Wir begannen dann einen Zyklus später beide die Pille zu nehmen, um unsere nun komplett konträren Zyklus wieder zu matchen. Diese haben wir nun abgesetzt, um am Wochenende in unseren nächsten Versuch zu starten. Alle gedrückten Daumen nehmen wir gerne an!

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11 Gedanken zu “Auf neuem Weg zum alten Ziel: interrelationäre Eizellspende

  1. Hallo, ich drücke euch die Daumen! 🍀☀️🍀
    Ich finde es interessant, dass alle möglichen Verfahren in Deutschland verboten sind, man aber auch nicht mit Konsequenzen rechnen muss, wenn man ins Ausland geht. Das heißt, ob ein Kind entsteht, hängt auch sehr vom Geldbeutel ab. Und irgendwie beruhigt es mich, dass ich auch in ein paar Jahren noch eine Eizellspende in Anspruch nehmen könnte. Liebe Grüße 🙂🦋

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    • Als Patientin, die sich einer solchen Behandlung unterzieht, man man sich ja nicht strafbar. Man hat allenfalls das moralische Urteil seiner Mitmenschen zu befürchten. 🤷‍♀️
      Nach deutschen Recht ist es übrigens in jeden Falle so, dass die Frau, die das Kind geboren hat, auch automatisch die rechtliche Mutter ist. Das kann natürlich verführen, das Zustandekommen einer Schwangerschaft durch Eizellspende zu verschweigen, und das tun auch viele. Im medizinischen Kontext sollte man aber schon mit offenen Karten spielen, da eine solche Schwangerschaft mit einigen zusätzlichen Risiken verbunden ist. Daher sollten zumindest die Behandelnden schon wissen, wie die Schwangerschaft entstand.

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  2. Krass… Ich bin gerade ganz schon berührt von eurer Geschichte! Ich konnte es garnicht abwarten, den positiven Ausgang zu lesen… der dann nicht kam. Ich finde es ganz wundervoll, dass ihr diesen gemeinsamen Weg gefunden habt, der für euch beide gut gangbar ist und kann mir vorstellen, dass dieses gemeinsame Durchleben einer Hormonbehandlung nochmal ganz anders zusammenschweißt bzw. größeres Verständnis hervorrufen kann… aber auch heftig bezüglich der doppelten Hormon-Nebenwirkungen! Ich drücke euch ganz fest die Daumen und denke an euch!

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  3. Als lange (stumme) Mitleserin drücke ich euch die Daumen für den nächsten Versuch. Vielen Dank, dass du uns an euren Erfahrungen teilhaben lässt. Es ist nicht nur schön von euch zu hören sondern ist auch eine wertvolle Informationsquelle. Wir wollen nächstes Jahr einen solchen Versuch wagen.

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