Besuch vom Jugendamt – müssen wir die Spenderdaten preisgeben?

Wir erwarten im Rahmen des Adoptionsverfahrens morgen den obligatorischen Hausbesuch vom Jugendamt. Wir sind deshalb schon recht angespannt und machen uns Gedanken, was auf uns zukommen mag.

Wie viele andere mussten auch wir einen „Lebensbericht“ für die Mitarbeiterin schreiben, die uns auch besuchen kommt und den sogenannten Sozialbericht über uns für das Familiengericht verfassen wird. Als ich mit ihr telefonierte, fragte sie auch nach der „Nummer“ des Spenders. Nun haben wir ja einen offenen Spender von Cryos mit erweitertem Profil, das heißt er hat keine Nummer sondern einen Code-Namen, mit dem theoretisch jede Person sein Profil im Internet anschauen könnte. Uns und insbesondere meiner Frau ist das eigentlich überhaupt nicht recht, dass der Name des Spenders in irgendwelchen Akten steht, von denen man nicht weiß wer alles Zugriff darauf hat. Letztlich betrifft das ja auch und vor allem die Privatsphäre unseres Sohnes.

Falls Ihr dieses Verfahren hinter euch habt: Wie waren eure Erfahrungen damit? Solltet ihr die Spenderdaten herausgeben und habt ihr das getan? Falls nein, hatte das irgendwelche Konsequenzen? Oder was habt ihr etwas anderes statt der Spendernummer vorgelegt, z.B. Unterlagen der behandelnden KiWu oder Lieferschein von Cryos?

Ich habe die Frage schon im Elternforum gestellt, aber noch keine Antwort bekommen.

P.S. : Jetzt haben wir gerade gesehen, dass man wohl neuerdings ein Konto bei Cryos haben muss, um sich die offenen Profile anzuschauen. Das ist schon mal ein wenig beruhigend, aber letztlich kann sich auch jeder Mensch, der neugierig ist, so ein Konto in zwei Minuten einrichten….

17 Gedanken zu “Besuch vom Jugendamt – müssen wir die Spenderdaten preisgeben?

  1. Warum sollte das jemand tun? Ich persönlich habe da keine Probleme mit und finde auch es gibt doch nichts zu verstecken. 🤷🏼‍♀️ ob nur irgendjemand weiß wie der Erzeuger meiner Kinder aussieht. So what. Das hat ja keinen Einfluss auf euch als Familie oder auf die Beurteilung vom JA. Es geht bei sowas ja in erster Linie um das Abstammungsrecht.
    Ich wäre da einfach offen und aufgeschlossen, das kommt meistens gut an.
    Viel Spaß morgen, das wird schon. 😊

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    • Warum das jemand tun sollte? Ganz einfach, Menschen sind nun mal neugierig. Die Fragen, die die Dame letztlich gestellt hat waren auch wenig sachbezogen sondern schienen auch oft einfach persönliche Neugier zu sein.
      Es geht uns nicht darum, etwas zu verstecken, sondern dass es schlicht und ergreifend niemanden was angeht und auch nichts zur Sache tut, welchen Spender wir uns denn nun genau ausgesucht haben – weil das eben Privatsphäre ist und an der Stelle auch nichts mit Abstammungsrecht zu tun hat, sofern klar ist dass es keinen privaten Erzeuger gibt der rechtliche Ansprüche oder Pflichten haben könnte.

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      • Mein post sollte nicht angreifend wirken, sorry!
        Ich bin einfach sehr offen eingestellt und mich persönlich stören die wenigsten fragen. Ich kann aber verstehen, dass die meisten Menschen da verschlossener sind und das ist ja auch gut so.
        Wir haben aber auch eine 1A Erfahrung mit der Dame vom JA gemacht. Sie war sehr dezent in ihren Fragen, sehr kompetent und uns sehr zugewandt. Muss ein Glücksgriff gewesen sein.

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      • Es gibt offenbar JA-Besuche, die durchaus okay sind, also wenn man sich das Verhalten der jeweiligen Mitarbeiter anschaut und mal von dem Prozedere des Stiefkindadoption als solche absieht. Ihr hattet da vermutlich wirklich Glück – aber es gibt leider auch ganz andere Versionen. Ich würde sagen, wir sind da irgendwo im Mittelfeld gelandet, es hätte auch noch wesentlich unangenehmer laufen können.

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  2. War bei uns kein Thema, wir haben nur angegeben, dass es über Cryos / Fera lief. (Wir haben auch extended profile und nein, ich wöllte das auch nicht, dass die – bei uns sehr dämliche – Jugendamtstante die Audiobotschaft anhört oder die Kinderfotos des Spenders anguckt). Ich würde denen anbieten, dass sie ggf. Unterlagen zum ‚Beweis‘ gezeigt bekommen, dass es eine Bank und kein Mann, der evtl. Rechte anmelden wöllte, war, aber nichts mehr. Ich würde mich insofern da auch dumm stellen und sagen ich habe keine Nummer (habt ihr ja wirklich nicht), das lief über die Klinik, Kind kann das erst mit 16 (18?) erfahren, uns und Dritten gegenüber ist Cryos sowieso nicht auskunftsberechtigt.

    Viel Glück bei der Begautachtung (welche entwürdigendes Prozedere…)

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    • Vielen Dank, dein Kommentar war für uns sehr hilfreich. 👍 Natürlich wird es abhängig von Bundesland, Jugendamt, Familienrichter*in oft sehr unterschiedlich gehandhabt, aber überhaupt zu wissen, es geht auch anders – das hat uns doch ein bißchen Sicherheit gegeben.

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  3. Ich meine gehört zu haben, dass manche Jugendämter/Familienrichter da mehr wissen wollen als andere. Ich denke, man kann, wenn es einem zu weit geht, durchaus sagen, dass man sich zuerst Rechtsberatung holen will. Insbesondere, mit dem Gedanken im Hintergrund, dass man jetzt heiraten kann. Und es im Moment eine klare Diskriminierung ist, dass Ehefrauen rechtlich schlechter gestellt sind als Ehemänner. (Vielleicht hat man hier keine sehr gute Position, wenn man zum Zeitpunkt der Geburt noch verpartnert war, aber egal,) vielleicht kann man ja auch auf Seiten des Jugendamtes oder des Familiengerichtes einfach ein Nachdenken und ein kürzer treten auslösen. Mal so eine Idee.

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    • Bei einer JA-Mitarbeiterin, die einen solchen Fall noch nie hatte und die offenbar über viele wichtige Aspekte nicht informiert war, ist man glaube ich nicht unbedingt an der richtigen Adresse für Grundsatzdiskussionen. Es ist ja immer ein Abwägen von Nutzen und Chancen einer solchen Situation – für uns war es jetzt entscheidend, bestimmte Dinge für uns behalten zu können, ohne dass es unbedingt zu einer Auseinandersetzung führen muss. Notfalls hätten wir uns zumindest Bedenkzeit erbeten, wie wir mit der Anfrage umgehen wollen, hätte die Mitarbeiterin auf detaillierteren Informationen bestanden.

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  4. Das kann ich gut verstehen, dass ihr die Details des Spenders nicht preisgeben wollt. Mit Lebensbericht und dem ganzen weiteren Zeug macht man sich schon transparent genug vor völlig fremden Leuten… Am Ende wollen sie noch wissen, wieso ihr genau diesen Spender ausgewählt habt oder sowas. Das könnte ich mir bei unserer Jugendamtsmitarbeiterin gut vorstellen… Für uns hat sich die Frage ja nicht gestellt, da in Spanien gesetzlich nur anonyme Spenden erlaubt sind und wir somit selbst wenn wir gewollt hätten nichts zum Spender hätten sagen können, aber daran hatte die Person vom Jugendamt schon ganz schön zu knabbern…
    Zum in einem vorherigen Kommentar vorgeschlagenen Hinweis auf Diskriminierung: Sachlich sehe ich das genauso. Ansprechen würde ich es in der Situation nicht. Erstens können weder Jugendamtsperson noch Richter*in etwas daran ändern, zweitens hat uns unsere Adoptionserfahrung von solchen Ideen abgebracht. Beide Personen waren in unserem Fall so fixiert auf die rechtlichen Rahmenbedingungen, dass sie absolut null offen waren dafür, was das eigentlich für eine Situation ist für uns und unser gemeinsames Wunschkind. Wir bekamen zum Beispiel zum Thema Dauer des Verfahrens von der Richterin* zu hören, dass es so lange dauern muss, weil man ja erstmal abwarten müsse, ob eine Eltern-Kind-Bindung entsteht… Äh, ja. Also jedenfalls werden wir bei unserem nächsten Adoptionsverfahren nicht mehr auf Verständnis hoffen und es (so traurig es ist) hinnehmen.

    Wir wünschen euch alles Gute für morgen!

    PS: Die Idee mit der „wir haben keine Nummer vom Spender“-Notlüge wäre mir eine ernsthafte Überlegung wert…

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    • Ein weiteres Argument gegen das Ansprechen der diskriminierenden Situation: Ihr bringt damit potentiell Personen gegen euch auf, von denen ihr leider abhängig seid. Auch wenn es eine unbeschreibliche Ungerechtigkeit ist, dass die Absicherung eures gemeinsamen Kind von Einzelpersonen, wäre mir das Risiko zu hoch…

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      • Je nach Situation kann es Sinn machen das anzusprechen … sonst hätte sich die letzten hundert Jahre nichts bewegt, wenn man nur Bedenken vor sich her trägt. Irgendwer muss reden und handeln. Dass das nicht immer leicht ist, ist klar.
        Man kann mit solchen Aussagen: Rechtsberatung usw. durchaus auch zeigen, dass es etwas zu überlegen gibt fürs Jugendamt.
        Unsere Familienrichterin hat das Jugendamt nicht beteiligt und auch keine Jahr gewartet (die Kinder waren auch schon etwas älter, als die Stiefkindadoption endlich kam).
        Es werden im Moment in gleichgeschlechtlichen Ehen Kinder geboren, diese Paar hätten die besten Argumente, wenn sie gegen ein Stiefkind-Adoptionsverfahren klagen würden.
        Wer machts … ?

        Die Grünen haben übrigens einen Gesetzesentwurf in den Bundestag eingebracht 🙂
        Aber der wird noch seine Zeit brauchen und vermutlich nicht rückwirkend gelten.
        Und die „neue Väterbewegung“ macht mächtig Gegenwind, sie wollen ein Recht auf Anfechtung. Insbesondere bei der privaten Spende (Bechermethode). Im Detail muss sicher noch Überzeugungsarbeit geleistet werden.

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    • „Am Ende wollen sie noch wissen, wieso ihr genau diesen Spender ausgewählt habt oder sowas.“ Und genau darauf lief es dann auch hinaus. 😓 Ja, man muss schon eine Menge schlucken wenn man möchte dass das alles so gut und glatt wie möglich über die Bühne geht – und trotzdem ist es noch voller Widrigkeiten und Hürden. Darf ich fragen, ob ihr die Entstehung von Nr. 12 durch ROPA im Rahmen des Adoptionsverfahrens offen gelegt habt, oder habt ihr euch entschieden das außen vor zu lassen? Ich könnte mir vorstellen, an der Konstellation haben JA und Familiengericht ja noch mal anders zu knacken. Vielleicht habt ihr das in eurem Blog mal geschrieben, aber ich erinnere es gerade nicht.

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      • Ich finde das so anmaßend!
        Wir haben nichts von ROPA erzählt und ich glaube, dass das auch genau richtig war. Die fanden es schon verstörend / schlimm, dass wir einen anonymen Spender haben (haben aber immerhin akzeptiert, dass das nunmal Gesetz ist in Spanien). Wir haben und hatten die Befürchtung, dass sie bei ROPA ein juristisches Fass aufmachen könnten und wollten das definitiv nicht auf Kosten der Absicherung von Nr. 12 ausprobieren.

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  5. „Es werden im Moment in gleichgeschlechtlichen Ehen Kinder geboren, diese Paar hätten die besten Argumente, wenn sie gegen ein Stiefkind-Adoptionsverfahren klagen würden.
    Wer machts … ?“

    Wir haben ernsthaft darüber nachgedacht und uns mit dem LSVD besprochen. Dieser riet davon ab, da wir auf Kosten der Absicherung unseres Kindes handeln würden, falls irgendetwas während des Verfahrens passieren würde. Anders als beim Verfahren gegen das Finanzamt 2012 (Steuerliche Gleichstellung, wurde ja dann 2013 bereits bundesweit umgesetzt) als es nur uns beide betraf.

    Also werden wir demnächst die dritte Stiefkindadoption anleiern.

    On Topic: Ich würde nichts preisgeben, was nicht irgendwie nötig ist. In unserem Fall haben wir genannt, dass die beiden Kinder von einem Freund sind und wir keine weiteren Angaben machen werden, da wir ihm vor den Behörden Anonymität zugesichert hätten, wir allerdings Kontakt pflegen würden. Das wurde vom Jugendamt und vom Richter akzeptiert.

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    • Oh, das finde ich aber echt mal eine gute Info, dass selbst der LSVD da abrät. Ich dachte nämlich immer, die suchen Familien die bereit sind, den Klageweg zu gehen um die Rechte für alle zu stärken…aber in dem Fall wohl nicht.
      Dass JA und Richter das in eurem Fall so akzeptiert haben, finde ich bemerkenswert. Ich habe noch nie davon gehört, dass bei privaten Spenden nicht auf der Vaterschaftssache beharrt wurde, es sei denn frau behauptet, einen anonymen One-Night-Stand gehabt zu haben (hiervon erzählte unser Notar).

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      • Der Richter, der hier die Stiefkindadoptionen abhakt, ist absolut tiefenentspannt. Er kommentierte unsere Offenheit mit einem trockenen augenzwinkernden „Sie ahnen nicht, wieviele Kinder auf dem Discoklo gezeugt worden sind.“
        Von solch einer Notlüge riet uns übrigens ebenfalls der LSVD ab, da wir ja eine halbwegs funktionierende Partnerschaft beweisen müssen und dann hat eine von uns jemanden aufgerissen? Entweder klingt die Story nicht plausibel oder die harmonische Beziehung ist es nicht.

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