Erster Termin in der Kinderwunschklinik

Gestern war nun endlich unser erster Termin in NL. Genauer gesagt, der 12. Termin, denn 11 Mal sind wir 2016 dort gewesen, bevor sich unser Sohn zu uns gesellt hat. Nicht dass ich Buch führen würde…

Eine nicht ganz unwichtige Frage stellte sich für uns vorab „Wohin mit dem schon vorhandenen Spößling?“. Theroretisch könnten wir ihn natürlich mitnehmen. Aber obwohl das mit ihm und dem Autofahren zunehmend besser klappt (hier Freudentanz einfügen), kann man sich sinnvolleres vorstellen als ein neunmonatiges Baby anderhalb Stunden ins Auto zu verfrachten, bei den manchmal sehr langen Terminen dabei zu haben (egal wie unkompliziert er dann ist, das eigene Kind bindet ja immer Aufmerksamkeit) und dann anderthalb Stunden wieder zurück. Eventuell wird sich das nicht immer umgehen lassen, aber wenn es andere Möglichkeiten gibt, umso besser!

Wir haben uns also entschieden, Cleos Eltern von der geplanten Kinderwunschbehandlung zu erzählen. Sie haben ja viel Kontakt mit dem Kleinen, er findet sie ganz toll und wir können ihn bedenkenlos über mehrere Stunden von ihnen betreuen lassen. Zudem hat das ja den positiven Nebeneffekt, dass man weniger in seiner Kinderwunschglasglocke unter Geheimhaltungsdruck sitzt, wenn andere eingeweiht sind. 2016 war es schon so, dass wir uns ziemlich isoliert fühlten in der Situation. Ob das nun immer so hilfreich ist, dass andere genau Bescheid wissen und somit ja auch immer bei den Fehlschlägen nah dran sind, weiß ich noch nicht. Aber erst mal fühlt es sich ganz okay an.

Kurz vor dem Termin habe ich übrigens noch die ersten Blutwerte des Zyklusmonitorings (ZT 4) bekommen. Am Montag (ZT24) war ich noch zum 2. Blutabzapfen (sollte eigentlich an ZT 22-23 stattfinden, genau da war aber Wochenende und davor Feiertag mit Brückentag). Ich dachte schon, das könnte etwas zu spät sein, da meine Zyklen in der letzten Zeit ja oft ziemlich kurz waren. Und prompt war es so – ich kam von der Gyn nach Hause und zack, bekam ich meine Blutung. Somit werden die Werte von ZT24 ZT1 wohl für die Tonne sein.

ZT 4Die Blutwerte vom ZT 4 sind für sich genommen aber auch schon aussagekräftig. Die Schilddrüse ist okay, Prolaktin und Testosteron liegen in der Norm. LH und Östradiol ist auch in Ordnung für den Zeitpunkt der Follikelphase. Soweit die good news.

Aus dem Rahmen fallen das FSH sowie das DHEA – S. Dass das Follikelstimulierende Hormon etwas erhöht ist (normal ist bis 10 in der Follikelphase bei fertilen Frauen, ab den Wechseljahren liegt er über 20, ich habe 16,6), gilt als Zeichen der nachlassenden ovariellen Reserve. Das ist vermutlich in meinem Alter wenig überraschend, macht zusammen mit dem Wort „perimenopausal“ im Text aber nicht gerade Frühlingsgefühle.

DHEA – S musste ich erst mal googeln. DHEA (Dehydroepiandrosteron) ist in Steroidhormon, dass als Vorstufe für diverse männliche und weibliche Geschlechtshormone gilt. Bei Frauen wird es zu einem großen Teil in der Nebennierenrinde, aber zu einem kleineren Teil auch in der Eierstöcken gebildet. Teilweise wird DHEA in der Kinderwunschbehandlung auch zugeführt. Ob das Sinn macht oder nicht, ist wohl nicht ganz eindeutig. Unsere Klinik empfiehlt das jedenfalls nicht.

Soweit erst mal die Werte, wobei das natürlich immer nur ein Momentaufnahme ist. Manche Werte unterliegen starken Schwankungen und FSH könnte im nächsten Zyklus auch ganz anders aussehen. Da wir in dem untersuchten Zyklus keinerlei LH-Anstieg verzeichnen konnten und daher davon ausgehen, dass es ein anovulatorischer Zyklus war, überraschen die Werte eigentlich nicht. Leider. Ich wäre ja so gerne ein Fertilitätswunder gewesen.

Zurück zum Termin in NL. Der Weg dorthin war uns noch ganz vertraut, und obwohl wir überlegt hatten, ob die altbekannten Gefühle von Aufregung und Anspannung sich wieder einstellen, waren wir relativ entspannt. Die Dame am Empfang war sehr freundlich und zugewandt, wollte sogar ein Foto von unserem Kind sehen. Überaschernderweise mussten wir nicht lange warten und hatten dann einen Termin bei einer Ärztin, die 2016 recht frisch angefangen hatte und uns noch bekannt vorkam.

Sie besprach mit uns den Anamnesebogen und das weitere mögliche Vorgehen. Zunächst sollte ein Bluttest gemacht werden, bei dem neben den obligatotischen Erkrankungen (HIV, Hepatitis, Syphilis) auch der AMH getestet wird. Zu diesem wird außerdem die Anzahl der Antralfollikel in die Bewertung der Ausgangslage miteinbezogen. Das sind die Follikelbläschen, die in den ersten Zyklustagen in den Eierstöcken zu sehen sind und eine Größe zwischen 2-10 mm haben. Je geringer die ovarielle Reserve, desto geringer ist auch die Anzahl der Antralfollikel, also die Follikel die zu Beginn des Zyklus „ins Rennen gehen“ und von denen einer schließlich der Leitfollikel für den regulären Eisprung wird. Wobei diese Zahl auch von Zyklus zu Zyklus variieren kann. Junge Frauen können durchaus mal einen AFC (Antral Follikel Count) von über 20 haben. Wobei letztlich aber weder AMH noch AFC eine Aussage über Eizellqualität noch über Erfolgswahrscheinlichkeiten zulassen.

Jedenfalls passte es zufällig genau, dass es mein Zyklustag 4 war und die Ärztin somit die Antralfollikel per Ultraschall bei mir anschauen konnte. Auf der rechten Seite zeigte sich ein einzelner recht großer, auf der linken ein weiterer großer und ca. 4 kleinere. Die Ärztin sagte, es könnten im nächsten Zyklus auch mal nur drei seien oder mal etwas mehr, aber mit 10 oder 15 wäre in meinem Alter nicht unbedingt zu rechnen. Dies wären dann auch die Follikel, die man bei einer IVF stimulieren könnte. Sie gab zu bedenken, dass es durchaus auch Sinn machen könnte, nur eine Insemination zu machen statt einer Punktion, Befruchtung und Rücksetzung, wenn trotz erfolgter Stimulation sich nur eine sehr geringe Anzahl reifer Follikel (1-2) zeigen würde. Die Chancen seien dann gleich gut, aber es sei weniger invasiv. Diese Möglichkeit hatten wir bislang nicht ins Auge gefasst und waren eigentlich immer davon ausgegangen, dass eine IVF in jedem Fall erfolgversprechender ist. Letztlich werden wir den Verlauf wohl erst mal abwarten müssen und wahrscheinlich kann man ohnehin erst mehr sagen, wenn der erste Versuch gemacht wird.

Nun müssen wir den nächsten Termin abwarten, der in der zweiten Juniwoche ungünstigerweise so liegt, dass ich wahrscheinlich wieder um den Zyklustag 4 bin, so dass also auch der nächste Zyklus noch nicht genutzt werden kann. Es sei denn, ich habe mal wieder zur Abwechslung einen 28 Tage Zyklus oder länger. Aber so lange Zyklen hatte ich im letzten halben Jahr nicht mehr. Beim nächsten Termin erfahren wir dann den AMH und wir besprechen das Stimulationsprotokoll. Losgehen würde es dann tatsächlich am wahrscheinlichsten Anfang Juli.

Die Zeit bis dahin werden wir wahrscheinlich noch mal verreisen. Denn irgendwie muss man sich die Warterei ja erträglich machen… 😉

Ein Gedanke zu “Erster Termin in der Kinderwunschklinik

  1. Vielleicht wäre ja auch eine sog. IVF naturelle eine Option? Gerade bei geringer Einzellenreserve hat es evtl Sinn ohne/mit nur geringer Stimulation nur den Wachstum eines Follikels anzuregen und diesen dann zu punktieren. Die Kosten dürften dann auch deutlich niedriger sein (weniger Medikamente und weniger „Laborkosten“, da nur eine Eizelle mikroskopisch untersucht wird, eine Nährlösung braucht, etc…).

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