Antrag auf Stiefkindadoption

Am letzten Donnerstag waren wir beim Notar und haben den Antrag auf Stiefkindadoption beurkunden lassen. Nach dem aktuell geltenden Recht sind wir zwar verheiratet, jedoch gilt das in der Ehe geborene Kind nicht automatisch als meines, oder anders gesagt: unser Sohn verfügt nicht über die gleiche Absicherung durch zwei Elternteile wie Kinder, die in Mann-Frau-Beziehungen geboren werden (völlig unabhängig davon, ob der Mann der tatsächliche biologische Vater ist oder nicht. Bei hetero-Eheleuten gilt der Mann automatisch als Vater, bei nicht-ehelichen Partnerschaften reicht eine Vaterschaftsanerkennung durch einen Mann, welche allerdings in keiner Weise auf Wahrheitsgehalt überprüft wird).

Kleiner Exkurs: ein beliebtes Argument von Kritikern gegenüber Regenbogenfamilien beinhaltet, dass die Kinder ja um einen Teil ihrer Wurzeln betrogen wären. womit der Teil des Samenspenders gemeint ist.  Ironischerweise ermöglicht das geltende Abstammungsrecht genau das heterosexuellen Familienkonstellationen. Kinder, die z.B. aus außerehelichen Beziehungen stammen, werden trotzdem den Ehemann als Vater in der Geburtsurkunde stehen haben und möglicherweise nie über ihre tatsächliche genetische Herkunft Bescheid wissen. Das Abstammungsrecht bietet reichlich Möglichkeiten, dass ein Kind über seinen tatsächlichen Erzeuger im Ungewissen bleibt (mit oder ohne Wissen des Nennvaters). Bei Kindern von Frauenpaaren ist eine solche Täuschung ja schlichtweg unmöglich! Das Kind wird immer wissen, dass es zwangsläufig noch einen anderen biologischen Herkunftsteil geben muss, egal ob es den Kontakt zu diesem Teil suchen will oder nicht.

Für den Staat ist es grundsätzlich gut, wenn von Geburt an zwei Personen für das Kind verantwortlich sind. Für das Kind auch. Nur bei Kindern von Frauenpaaren macht man es gerne kompliziert und läßt die Familie den aufwändigen und langwierigen Prozess einer Stiefkindadoption durchlaufen. Das Verfahren der Stiefkindadoption ist eigentlich für Kinder gedacht, die nicht (mehr) mit einem der Ursprungs-Elternteile zusammenleben und der neue Partner /die neue Partnerin die volle rechtliche Verantwortung für das Kind übernehmen soll. Dabei wird von Familiengericht und Jugendamt geprüft, ob das Kind denn eine Beziehung zum Stiefpapa/Stiefmama aufgebaut hat und ob es für das Kind denn tatsächlich von Vorteil ist, adoptiert zu werden (und somit ja auch den ursprünglichen Elternteil aus der Geburtsurkunde und der Verantwortung zu nehmen).

Dieses Verfahren wurde nach Einführung der Lebenspartnerschaft auch auf die in Frauenbeziehungen geborenene Wunschkinder übergestülpt, was konkret bedeutet:

  • das Kind ist nach der Geburt über einen Zeitraum von mehreren Monaten oder länger (je nach dem wie lange das Verfahren sich zieht) rechtlich weniger abgesichert als andere Kinder (sofern kein Vater in der Geburtsurkunde steht, was bei Samenspenden in der Regel der Fall ist)
  • die Mit-Mutter hat nur ein sogenanntes kleines Sorgerecht und hat im Todesfall der leiblichen Mutter kein Recht, dass das Kind automatisch bei ihr verbleibt
  • die Familie muss Kosten für den Adoptionsprozess zahlen
  • die Familie muss sich Überprüfungen (Hausbesuchen) durch das Jugendamt unterziehen und nachweisen, dass sich zwischen Mit-Mutter und Kind ein Eltern-Kind-Verhältnis entwickelt.

Andere Länder haben dies deutlich besser geregelt. Die Elternschaft der nicht-leiblichen Mutter gilt automatisch oder kann ähnlich wie die Vaterschaft ohne Prüfverfahren anerkannt werden.
Leider haben es die Verantwortlichen bei dem Gesetzesentwurf für die Ehe für alle versäumt, dies zu berücksichtigen. So bleibt vor allem auf die Anpassung des Abstammungsrechts zu hoffen, welches nach Empfehlungen des Arbeitskreises (2017) des Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz umfassend reformiert werden soll. Eine der Empfehlung ist, eine Mit-Mutterschaft einzuführen welche der Vaterschaftsanerkennung gleichgestellt ist.

„Die zweite Elternstelle kann auch durch eine weitere Frau als Mit-Mutter besetzt werden, wie dies in einigen europäischen Nachbarstaaten bereits der Fall ist. Dabei sollen die Regelungen über die Primärzuordnung diskriminierungsfrei auch für lesbische Paare gelten. Aus Sicht des Arbeitskreises gibt es keine Gründe, im Fall der ärztlich assistierten Fortpflanzung heterosexuelle Paare und lesbische Paare unterschiedlich zu behandeln, denn in beiden Fällen handelt es sich nicht um den genetischen Elternteil, sondern um den intendierten Elternteil, der durch die Einwilligung in die ärztlich assistierte Fortpflanzung einen wesentlichen Beitrag zur Zeugung des Kindes geleistet und seinen Willen zur Übernahme der Elternverantwortung zum Ausdruck gebracht hat.“  (S.70 der Empfehlungen des Arbeitskreises)

Auch sollte das Abstammungsrecht in „Eltern-Kind-Zuordnung“ benannt werden, was deutlich macht das es hier um weit mehr geht als die genetische Elternschaft. Inwieweit das tatsächlich unter unserer aktuellen Regierung passieren wird, bleibt abzuwarten.

Wir wollten das jedenfalls nicht so lange aussitzen und haben schon kurz nach der Geburt angefangen, die nötigen Unterlagen für die Stiefkindadoption zu beschaffen. Den Antrag kann man durch notarielle Beurkundung frühestens 8 Wochen nach Geburt stellen. Wir haben das leider deutlich später auf den Weg gebracht. Zum einen sind wir 8 Wochen nach der Geburt umgezogen und waren lange vollauf damit beschäftigt, unser Haus bewohnbar zu machen und das Leben aus Kisten zu beenden. Damit verbunden auch die wichtigsten Unterlagen aus selbigen Kisten wieder aufstöbern. Zum anderen  haben wir auch noch einmal den Notar gewechselt. Der erste war etwas unzuverlässig und hatte außerdem die falsche Information gegeben, dass wir (also der Kleine und ich) dafür einen Staatsbürgerschaftsausweis benötigen. Davon hatte ich nie zuvor gehört. Dafür musste ich einen Termin beim Standesamt machen (was vier Wochen Wartezeit beinhaltete) und mich ausgiebigst darüber informieren lassen, was man hierzu alles benötigt. Es reicht da nämlich nicht etwa der Personalausweis oder sowas. Es war kompliziert, vor allem da meine Frau nicht in Deutschland geboren ist. Da sollten nun plötzlich Geburtsurkunden bis in die Großelterngeneration herangeschafft werden. Ich war erst mal entmutigt. Außerdem war die ganze Beschäftigung mit der Stiefkindadoption mit einem Widerwillen behaftet, dass wir uns dieser Prozedur überhaupt unterziehen müssen. Auch das war sicherlich ein Grund warum das so lange dauerte – innerlich immer wieder Anlauf nehmen zu müssen und sich zu sagen „okay, das ist jetzt aber einfach so und es ist notwendig.“

Wir haben dann den Tipp für einen anderen Notar bekommen, und siehe da, es reicht auch eine erweiterte Meldebescheingung, was wesentlich problemloser zu beschaffen war. Nun hatte sich das alles aber recht lange hingezogen, so dass wir erst vor unserem Urlaub alle Unterlagen einreichen konnten und schlußendlich vor vier Tagem den Termin zur Unterzeichnung hatten. Nun geht das ganze zum Familiengericht und in Kopie an die zuständige Dame vom Jugendamt, mit der ich schon am Telefon mal kurz gesprochen hatte. Mal schauen, wie lange sich dies noch hinziehen wird.

IMAG2102

Wir „halten“ uns ein Kind. Sagt man juristisch wohl so.

Diese Unterlagen mussten wir einreichen:

1. beglaubigte Kopie der Geburtsurkunde vom Kind,
2. beglaubigte Kopie der Geburtsurkunde der leiblichen Mutter, also Cleo (mit deutscher beglaubigter Übersetzung)
3. beglaubigte Kopie der Geburtsurkunde von mir, der „Annehmenden“
4. beglaubigte Kopie der Heiratsurkunde (in unserem Fall, Kopie der Original Heiratsurkunde und Apostille sowie Lebenspartnerschaftsurkunde)
5. erweitertes polizeiliches Führungszeugnis von mir
6. erweiterte Meldebescheinigung vom Söhnchen
7. erweiterte Meldebescheinigung der Annehmenden
8. ärztliches Attest des Kindes
9. ärztliches Attest der Annehmenden
10. Kopien der letzten drei Gehaltsabrechnungen der Annehmenden.

Möglicherweise wird das Gericht oder Jugendamt weiteres fordern, das müssen wir jetzt auf uns zukommen lassen. Erst mal sind wir froh, diesen einen Schritt abhaken zu können. Gekostet hat uns das bislang um die 200 Euro. Sollte mir übrigens etwas zustoßen, würde das Adoptionsverfahren auch posthum noch weiterlaufen.

IMAG2104

6 Gedanken zu “Antrag auf Stiefkindadoption

  1. Mhm, wir mussten 5. bis 10. nicht einreichen. Aber das ist ja eh überall anders. Jedenfalls alles Gute für die Begutachtung durch das JA und dass der Prozess möglichst rasch und störungsfrei vonstatten geht.

    P.S. Krabbelt Sohnemann schon? Was läuft bzgl. Kita-Plänen? Macht ihr nochmal zusammen zu Dritt was jetzt gegen langsam nahendem Ende der Elternzeit?

    Gefällt 1 Person

    • Ja, es wird mal wieder Zeit für ein Update hier 😊 Der Kleine krabbelt seit 5 Tagen und macht jetzt alles unsicher was er in die Finger bekommt. Unsere gemeinsame Reise zu dritt haben wir schon hinter uns, dazu kommen bald noch ein paar Bilder. Und die Elternzeit meiner Frau ist leider schon um. Die Zeit fliegt nur so!
      Tja, und zur Kita gibt es nichts Neues. In unserer Stadt fehlen dieses Jahr Betreuungsplätze und es sollen neue geschaffen werden. Mehr wissen die von der Kita auch noch nicht, wir erwarten eigentlich täglich eine Nachricht…

      Liken

  2. Ich hätte angenommen, dass unter Herrn Maas als Justizminister, die Vorbereitung der Novelle im Abstammungsrecht weiter bearbeitet worden wäre. Mal schauen, was die neue Justizministerin Katarina Barley unternimmt … ich bin eigentlich hoffnungsvoll, dass sie an den geleisteten Vorarbeiten anknüpft. Es wäre schön.

    Ansonsten müssten sich Familien finden, die den Klageweg auf sich nehmen, die Aussichten auf Erfolg wären jetzt ja noch besser, die Kinder werden ja nun in Ehen hinein geboren – und nicht mehr „nur“ in Lebenspartnerschaften.

    Der einzige Unterschied ist jetzt noch, dass es sich eben um Frauen als zweitem Elternteil handelt … grüßt da noch das Patriarchat …

    Gefällt 1 Person

  3. Ach, wie nervig. Bei Samenspende in heterosexuellen Beziehungen braucht man übrigens auch eine Anerkennung der Vaterschaft vor Insemination in Deutschland. Weniger aufwändig das bei Euch, aber irgendwie auch sinnlos, denn genau – Kinder in einer Ehe sind die Kinder des Ehemannes für den Gesetzgeber. Alles wie immer seltsam. Viel Glück für das Verfahren!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s