Positive Erfahrungen und Diskriminierung bei der Betreuungsplatzsuche

Fast…wäre es soweit gewesen und ich hätte einen Beitrag darüber schreiben können, wie gut unsere Erfahrungen als Regenbogenfamilie in letzter Zeit waren. Fast.

Es gab in den vergangenen Wochen nämlich so einige Situationen, in denen ich vor einem persönlichen Termin telefonischen Kontakt mit Person xy (Kinderärztin, Kitaleiter, Begrüßungsbesuch der Familienförderung usw) hatte, aber nicht explizit darauf hinwies, dass es sich bei uns um ein Frauenpaar mit Kind handelt. Manchmal ergibt sich das ja so im Gespräch automatisch, dass ich sage „meine Frau“, manchmal aber auch nicht unbedingt. Hinterher fragte ich mich dann, war das jetzt okay so, oder hätte ich etwa mein Gegenüber „vorwarnen“ müssen, bevor man sich persönlich gegenüber steht? Kommt es vielleicht zu unangenehmen Situationen wenn man das nicht tut? Oder ist es nicht eher merkwürdig, zu sagen „äh, und übrigens…wir sind zwei Frauen“?

Unsere Erfahrungen mit nicht-gebrieften Menschen waren dann aber durchweg positiv. Keine unangenehmen Fragen, keine sichtbar irritierten Blicke. Es fühlte sich in diesen Situationen angenehm „normal“ an, als Familie sichtbar zu sein.

Nun suchen wir ab dem ersten Geburtstag im August eine Betreuung von ca. 25-30 Stunden pro Woche für ihn. Eine Großkita (90 Kinder) mit Kindergarten und einer U3-Betreuung mit bis zu 15 Kleinkindern hatten wir uns im Dezember angeschaut. Das war alles riesig, machte aber einen ganz guten Eindruck. Wir dachten trotzdem, ein kleinerer Rahmen wäre vielleicht besser, also eher eine Tagesmutter oder Minikita. Hier ist das alles zentral über die Stadt organisiert. Wir bekamen dann eine Minikita vorgeschlagen, die haben wir uns diese Woche angeschaut, aber da hatten wir kein so richtig gutes Gefühl mit den beiden Betreuungspersonen und der Atmosphäre. Wir hörten dann über unsere Schwägerin von einer Tagesmutter im benachbarten Stadtteil, die ab Sommer etwas frei hätte und die wärmstens empfohlen wurde. Nach Rücksprache mit dem Träger rief ich dort an und die Frau war superfreundlich am Telefon. Wir verabredeten für Freitag einen Termin zum Kennenlernen. Am Ende des Telefonates erwähnte ich dann beiläufig, dass wir ein Frauenpaar sind. Zwei Stunden später rief die Frau dann noch mal an. Sie wolle den Termin für Freitag absagen. Aus persönlichen Gründen würde sie unseren Sohn nicht betreuen wollen.

Ich fragte dann nach, ob das denn deshalb sei, weil wir ein Frauenpaar sind. „Dazu sage ich nichts“, war ihre abweisende Antwort, und wiederholte noch mal „aus persönlichen Gründen“, und dass es ja schließlich auch noch andere Tagesmütter gäbe. Ich sagte ihr dann noch, dass ich es sehr schade fände, dass sie sich selbst um neue Erfahrungen bringt, die ihre Perspektive vielleicht geändert hätten, aber dass wir selbstverständlich auch wollen, dass unser Sohn in einer offenen Umgebung ohne Vorurteile betreut wird.

Nach dem Telefonat fühlte ich mich ganz furchbar. Verletzt, traurig, wütend und auf merkwürdige Weise beschämt. Das ganze ist mir noch lange nachgegangen.

Was wir nun mit der Betreuung machen, weiß ich nicht. Ob wir noch mal nach weiteren Möglichkeiten fragen… nur leider sind wir spät dran mit unserer Suche. Aktuell tendieren wir tatsächlich eher zu der Großkita – dort arbeiten zumindest Fachkräfte, und einer der Erzieher dort ist wohl schwul. Das erhöht aus unserer Sicht die Chancen, dass dort mit unserer Familienkonstellation besser umgegangen wird.

P.S.: Jemand aus Cleos Familie meinte, wir sollen doch froh sein, dass wir das dann so frühzeitig mitbekommen haben, und wie schlimm das für den Moppi und uns wäre wenn er von jemandem betreut wird, der so eine Einstellung gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren (und deren Kindern) hat. Ja, das wäre schlimm, aber dazu wäre es ja sowieso nicht gekommen. Aber froh über ein solches Erlebnis bin ich deshalb lange nicht. Es ist nichts Gutes daran.

P.S.2: Und was mich daran besonders ärgert, ist dass es meinen Umgang mit anderen wieder ein Stück angespannter gemacht hat. Wenn man nie weiß, wann einen so etwas trifft – selbst wenn es selten ist – ist es einfach verdammt schwierig, unbefangen auf Menschen zuzugehen.

8 Gedanken zu “Positive Erfahrungen und Diskriminierung bei der Betreuungsplatzsuche

  1. Ich bin da immer sehr froh, dass wir einerseits sowas noch nicht erleben mussten und andererseits ich vom Charakter her eher Team arschlecken bin wenn man das so sagen kann.
    Wenn mir jemand, wegen was auch immer, doof kommt, rege ich mich kurz darüber auf und gehe dann zurück zum Alltag ohne denjenigen.
    Mag aber durchaus, oder sehr wahrscheinlich, was anderes sein wenn direkt oder auch nur indirekt die Kinder betroffen sind.
    Ich weiß dass in unserer Kita (4 Gruppen à ca 23 Kinder, außer U3 die hat nur 18), auch der ein oder andere ein Problem mit uns hat. Ob das nun an uns als Mensch oder auf Grund unserer Familienform ist, kann ich nicht sagen. An unserer Großen wurde bisher nichts ausgelassen und das ist das wichtigste.

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  2. Das ist schade, dass ihr das erleben musstet. Besser jetzt als später, aber das miese Gefühl bleibt natürlich.
    Aus unserer Erfahrung mit der Großkita (150 Kinder auf 9 Gruppen), es kommt einem für ein Baby gruselig vor, so ein risen Haus, aber es hatte bei uns viele Vorteile. Das Personal macht viele gute Weiterbildungen zum Konzept (lebensbezogener Ansatz), es gibt Praktikanten und FSJler die den Betreuungsschlüssel deutlich verbessern und es ist allgemein vielfältiger. Wir haben lustigerweise erst am Ende der Krippenzeit erfahren, dass die damalige Bezugserzieherin unseres Kindes selber auch lesbisch war und eine seiner jetzigen Betreuungspersonen in der U3 ist trans, es gibt mindestens eine weitere Regenbogenfamilie im Kiga.
    Und auch es gibt noch einen Aspekt, der bei Kita von kleinan durchaus positiv sein kann, den die Bezugserzieherin unseres Sohnes letztens im Entwicklungsgespräch erwähnte und den wir so gar nicht im Blick hatten als wir fragten, ob Papathema/ Familienformen etc. jetzt Thema sind (Junge vs. Mädchen ist nämlich grad sehr interessant, genau wie Pullermann 🙈) und sie das verneinte. Laut seiner Erzieherin, wenn die Kinder ab dem Krabbelalter zusammen sind, kennt jeder in der Gruppe von klein auf, dass XY zwei Mamas hat und dann ist das für die Kinder völlig normal, da sie damit schon immer aufwachsen. Wenn man erstmals mit 3 damit konfrontiert wird, ist es u.U. durchaus was Neues bzw. Fremdes.

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  3. An so einer Erfahrung kann ich auch überhaupt nichts Gutes finden – tut mir wirklich leid, dass du mit sowas konfrontiert wurdest. Ich hoffe, ihr findet bald einen guten Platz für den Moppi :3. Ich drücke fest die Daumen!

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  4. Sorry aber in der heutigen Zeit so eine hinterwäldler- Einstellung zu haben ist einfach nur traurig.
    Wenn ich als Hetero Frau wüsste, dass meine Tagesmutter so denkt, könnte ich mein Kind bei ihr nicht mit gutem Gewissen abgeben.

    Bitte mach dir keinen Kopf. Idioten (anders kann ich das in der heutigen Zeit nicht nennen) gibt es überall.

    Weiterhin viel Glück bei der Kita Suche und nicht unterkriegen lassen

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  5. Ich kann an dieser Erfahrung auch wirklich gar nichts gutes finden, ich hätte vermutlich eine Woche nicht geschlafen und wäre durchweg wütend gewesen. Ich finde es ziemlich gruselig, wenn ich bedenke, dass solche Menschen auf kleine Kinder „losgelassen“ werden. Menschen, die einfach jemanden verurteilen aufgrund seiner Familie, die sich nicht einmal die Mühe machen, etwas neues kennen zu lernen. So jemand sollte nicht mit Kindern arbeiten, denn wenn ich eine Erfahrung gemacht habe, dann, dass Kinder wirklich absolut vorurteilsfrei sind. Und ja, auch bei uns in der Kita ist es völlig normal, dass unsere Kleine eben zwei Mamas hat, sie redet auch von den anderen Mamas und Papas und die Kleinen sind wirklich die, die völlig ohne jeden Hintergedanken sind. Das so beizubehalten sollte das Ziel aller Erzieherinnen und Erzieher sein.

    Ich drücke euch ganz fest die Daumen, dass ihr für den Moppi eine liebevolle Betreuung findet, mit der ihr euch wohl fühlt!

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  6. Kita-Suche ist ja echt immer das Schlimmste. Aber das noch oben drauf… überflüssig wie ein Kropf. Würde aber eh immer in große Einrichtungen gehen – die Kinder können sich mehr aussuchen, wer ihre Bezugsperson sein soll und die Erzieher*innen sind in der Regel doch irgendwie nett und offen. Im Zweifelsfall seid ihr da dann auch nicht das erste Frauenpaar. Kopf hoch!

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  7. Ohje, das macht mich richtig traurig, sowas zu lesen…
    Da geht es uns doch eigentlich echt gut jeweils mit unseren kleinen Familien, und dann kommt so ne Sache und sorgt für gehörige Zweifel an der Welt außerhalb… Und die mühsam abtrainierte Anspannung mit dem ganzen Outen (ob/wann/wie/…) ist wieder da 🙁 Bei mir geht das teilweise so weit, dass Ich manchmal gar nichts mehr mit der Welt außerhalb unserer Bubble zu tun haben will. Aber das will ich eigentlich nicht zulassen, weil es ja auch so viel Positives gibt da draußen, das zu verpassen sehr schade wäre… Und mit Kind geht so eine Selbstisolation ja sowieso nicht. Aber es wird einem manchmal einfach echt schwer gemacht.
    Ich wünsche euch, dass ihr die passende Betreuung für euren Moppi findet und dass ihr euer ungutes Gefühl bei neuer Kontaktaufnahme bald wieder ablegen könnt!
    Liebe Grüße, K.

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