Alltag. Unsere Tage, unsere Nächte

Wenn meine Frau nicht gerade durch eine Mittelohrentzündung ausgeknockt ist, haben wir eine gewisse Alltagsroutine für uns entwickelt, von der ich euch heute mal berichten möchte.

Ich habe mir angewöhnt, um 5 Uhr morgens aufzustehen, zumindest unter der Woche, damit ich morgens den Kleinen noch eine Zeit übernehmen kann (mindestens eine Stunde oder länger). Mit etwas Glück schaffe ich es noch zu duschen und die Katzen zu füttern, bevor meine Frau mich per Handy informiert, dass sie den Kleine gerade stillt. Zum zehnten Mal in der Nacht. Und ich jetzt bitte das Baby holen soll. Schnell. Manchmal nehme ich ihn auch direkt mit dem Aufstehen mit, während sich meine Frau Oropax reinschiebt und hofft, dass sie möglichst viel Schlaf bekommt ehe ich mit ihm wieder bei ihr vorm Bett stehe.

Ich nehme den Sohn dann, wickel ihn in seinem Zimmer und zieh ihn für den Tag an. „Sein“ Zimmer beinhaltet übrigens eine Kommode mit Wickelauflage, eine unserer alten Kleiderschränke mit seinen Klamotten, ein Kinderbettchen in dem er noch nie geschlafen hat (in dem er aber manchmal spielt) und zahlreiche Kisten, deren Inhalt nach unserem Umzug noch keine endgültigen Platz bekommen konnte. In der Regel hat das Kind sofort supergute Laune und strahlt mich mit einer Freude an, die ich so früh morgens nur schwer nachvollziehen kann. Aber da versuch mal nicht zurück zu grinsen, wenn dich so ein Fratz anstrahlt, als wär das Leben ernsthaft schön. Und als geb es nix Tolleres als morgens um halb sechs die Pipiwindel zu wechseln. Dann gibt es den morgendlichen Blick in den Schrankspiegel und wir sagen “ Guten morgen, Baby!“ Der Sohn strahlt sich an und legt seine Hand an die seines Spiegelbilds.

Dann gehen wir runter in Wohnzimmer/Küche und ich praktiziere das einhändige Kaffeekochen, falls ich das vorher noch nicht geschafft habe. Wir spielen dann ein bißchen. Spielen bedeutet in dem Fall, das Kind auf dem Schoß zu haben oder bäuchlings auf die Couch zu legen und ein Spielzeug (Rassel, Stofftier, Knisterbuch…) vor ihn zu halten, das er dann befühlt und ablutscht, während wir beide diesen Vorgang kommentieren. Auch singen kommt sehr gut, gerne auch in Verbindung mit Fingerspielen (zehn kleine Zappelmänner u.ä.). Er fängt schon an zu lächeln wenn man ein bekanntes Lied anstimmt. Die eigenen Socken ausziehen und Füße bestaunen steht auch hoch im Kurs, oder mein Gesicht mit den Händen erkunden (Aua, meine Haare! loslassen, loslassen!) Oft setzen wir uns auch in die Nähe einer Katze und beobachten und streicheln sie, wobei man immer aufpassen muss, dass das Söhnchen seine Hände nicht dazu nutzt, der Katze ins Fell zu kneifen oder in ihr Gesicht zu patschen. Bislang gab es zum Glück keine Zwischenfälle. Ich lege den Kleinen dann irgenwann meist unter seinen Spielebogen, unter dem er es jetzt schon eine ganze Zeit (so ca. 10-20 Minuten) aushält und sich alleine mit den Spielzeugen daran beschäftigt, während ich für Cleo und mich Butterbrote für den Tag mache. Seit einigen Tagen haben wir nun auch zusätzlich zum Fräulein Hübsch Mei Tai einen Ringsling zum Tragen, was praktisch ist da der kleine Moppi sich gerne anschaut was man tut und sich für alle Handlungsabläufe zunehmend interessiert. In dem Sling sitzt er seitlich auf der Hüfte und kann alles beobachten, während man selbst aber zwei Hände frei hat. An das richtige Umbinden tasten wir uns gerade noch dran, das ist schwieriger als es aussieht.

Meistens ist diese erste Wachphase von ihm relativ kurz, und er schläft bei mir im Tuch noch mal ein, während ich noch etwas Haushaltskram mache wie Wäsche aufhängen (wenn ich genug Zeit habe), oder ich bringe ihn dann zu meiner Frau, wo er beim Stillen noch mal ein bißchen einschlummert.

Gegen acht Uhr (plusminus) verlasse ich dann das Haus und fahre zur Arbeit. Seit unserem Umzug ist meine Fahrt leider deutlich länger als vorher und ich bin dank des Verkehrs meist ca. eine Dreiviertelstunde unterwegs. Im Auto verzehre ich dann meistens schon die Hälfte meiner Butterbrote, denn mittlerweile bin ich ja schon über drei Stunden wach und habe ziemlich Kohldampf.

Meine Frau steht dann meist mit ihm ganz grob um neun herum auf. Wenn nichts besonderes ansteht, verbringt sie den Tag vor allem mit dem Wechsel von Stillen, Spielen, Schlafen. Also, das Kind schläft – sie leider nicht! Wenn das Wetter mit spielt, gibt es gerne auch mal einen Spaziergang. Wenn ihre Mutter an dem Tag kommt und sich um das Baby kümmert, kann meine Frau sich selbst zwischendrin ausruhen, baden gehen oder auch was im Haus tun – staubsaugen, einen neuen Schrank aufbauen o.ä. Zwischendrin schickt sie mir zauberhafte Fotos von unserem Buben.

Besonders anstrengend sind die Tage für sie, wenn etwas außerhalb ansteht: Rückbildung, Babymassage oder ein anderer externer Termin, z.b. ein Arztbesuch. Denn unser Sohn findet Autofahren ganz furchtbar. 5-10 Minuten geht es einigermaßen, dann fängt er an zu weinen bis er schließlich richtig schreit und ihm die Tränchen das Gesicht runterlaufen, während er am ganzen Körper schwitzt. Was genau ihn so in Stress versetzt wissen wir leider nicht. Könnte sein, dass ihm schlecht wird. Da meine Frau jedenfalls die Kurse in „unserem“ Geburtshaus gebucht hat und es bis dorthin eine Fahrt von ca. 30 Minuten ist, ist es kaum ohne mehrfaches Anhalten mit Still-und Beruhigungspausen möglich dorthin zu fahren. Besonders die Rückfahrten waren oft richtig schlimm, so dass sie manchmal 4 Stunden oder länger unterwegs war und sie und der Kleine völlig erschöpft nach Hause kamen. Alternativ hat sie es auch ein paar Mal mit öffentlichen Verkehrsmitteln versucht. Da ist sie dann zwar auch über eine Stunde pro Strecke unterwegs und muss die ganzen „Verrückten“ in den Öffis aushalten, aber sie kann den Kleinen zumindest im Tragetuch haben und bei Bedarf stillen. Optimal ist das alles nicht, und sie ist froh wenn die Kurse bald vorbei sind. Also, wenn wir noch mal sowas machen (vielleicht suche ich in meiner Elternzeit eine Krabbel- oder Pekip-Gruppe) dann lieber so nah wie möglich. Allerdings hörte ich von anderen Eltern mit Autoverweigerungsbabys, dass sich die Problematik oft mit der Zeit ganz plötzlich löst. Schön wärs ja.

Auf der Arbeit laufe ich momentan ziemlich auf Sparflamme, muss ich sagen. Ich mache schon alles was so notwendig ist, aber die meiste Zeit fühle ich mich doch ziemlich zombiemäßig. Meine Ressourcen werden zur Zeit vor allem zu Hause gebraucht, da bleibt für die Arbeit nur noch der Reservetank. Je nach Terminen, die anstehen mache ich zwischen 16 und 17:30 Feierabend und irgendwann zwischen 17 und 18:30 Uhr komme ich dann nach Hause. Manchmal kaufe ich unterwegs schnell noch was ein.

Der Sohn hat dann noch mal eine Wachphase (er hat jetzt aktuell vormittags und nachmittags je eine längere Schlafphase, die zwischen 45 Minuten und 3 Stunden variieren) und wir verbringen den Abend mehr oder weniger zu dritt. Mehr oder weniger deshalb, weil diejenige, die das Kind gerade nicht hat, meist noch was rödelt, z.B. was zu essen zu machen und anderen Haushaltskram. Wobei wir sehr kochfaul geworden sind und entweder Cleos Mutter uns was zu essen da läßt oder wir auf die Errungenschaften der Fertig – und Tiefkühlprodukte zurückgreifen. Hallo Fischsstäbchen und Rahmspinat, hallo Lasagne und Convenience-Salate! Ab und an koche ich eine größere Menge Eintopf, den wir dann portionsweise noch einfrieren können.

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Zwischen Kartons und Haushalt

Der Rest des Abends ist dann eigentlich immer recht schnell vorbei. Ich mache den Kleinen bettfertig, während meine Frau im Bad ist, dann geht sie mit ihm schon mal ins Bett und beginnt mit dem Stillen. Ich mach mich selber noch schlafbereit und bring meiner Frau noch Getränke und was zu essen, denn meistens brauch sie nachts eine Banane oder ein Schokohörnchen oder sowas.

Meist so gegen neun liegen wir dann zusammen im Bett. Jetzt würden wir gerne noch etwas lesen, fernsehen oder uns leise unterhalten, während das Kind friedlich an Cleos Brust einschlummert, sich ablegen läßt und bis zum nächsten Morgen schläft. Haha.

Meistens dauert es nämlich ganz schön lange, bis der Sohn überhaupt schlafbereit ist. Manchmal ist er noch so wach, dass wir bis zehn oder elf noch eine Runde kuscheln, rumalbern, erzählen und spielen einlegen müssen, wobei wir schon darauf achten, ihn nicht „aufzudrehen“. Meine Frau schuckelt ihn im zweiten, dritten vierten Versuch dann beim Stillen oder trägt ihn dabei (was die letzte Zeit während des anhaltenden Schwindels nicht ging), und wenn das alles nicht geht, nehme ich ihn noch mal für eine halbe Stunde in den Mei Tai bis er eingeschlafen ist.

Eine gute Nacht sieht dann so aus, dass meine Frau alle anderthalb bis zwei Stunden stillt und ihn dann ein Stückchen neben sich legen kann. Meist hält sie sein oberes Ärmchen fest, weil er sich im Schlaf oft durch sein eigenes Herumgefuchtel weckt. Wenn alles gut läuft, bekommt meine Frau dabei auch etwas Schlaf.

Eine schlechte Nacht sieht so aus, dass vielleicht die erste Schlafphase noch anderthalb Stunden dauert und danach im 45-Minuten Takt gestillt wird. Manchmal wacht er auch sofort oder nur wenige Minuten nach dem „Abdocken“ wieder auf, so dass meine Frau im Prinzip in der Seitenlage ihre Brust als Dauernuckel im Einsatz hat. (Apropos Nuckel, ja, das probieren wir immer wieder, aber das Kind ist einfach kein Fan davon. Glückssache, wenn er ihn mal nimmt und einschläft). Es gibt ja stillende Mütter, die dabei selber schlafen können, wenn das Kind an der Brust nuckelt, aber meine Frau kann das mit diesem Dauerreiz absolut nicht. Wir haben schon etliches versucht, um den schlechten Schlaf des Babys zu verbessern, aber alles mit nur mäßigem Erfolg. Wir denken jetzt über die Anschaffung einer Federwiege nach.

Der Sohn schläft jedenfalls trotzdem den überwiegenden Teil der Nacht dank dieser ganzen Mühen. Aber Cleo hat entweder eine anstrengende Nacht mit wenig Schlaf oder eine sehr anstrengende Nacht mit fast gar keinem Schlaf. So oder so kann sie es meist kaum abwarten, dass ich aufstehe, das Kind mitnehme und sie endlich ein bißchen Ruhe hat. Allerdings fällt es ihr in letzter Zeit zunehmend schwerer, in den Phasen, in denen sie sich ausruhen könnte, tatsächlich runterzukommen.

Ich schlafe hingegen fast wie ein Stein, mein Körper holt sich da alles was er nur kriegen kann. Natürlich wache ich nachts auch manchmal kurz auf, wenn der Kleine moppert und Cleo sich mit ihm auf die andere Seite dreht, aber in der Regel schlafe ich schnell wieder ein. Ich muss meine Frau am nächsten Tag meistens fragen wie die Nacht war, es sei denn ich muss doch mal um drei Uhr nachts mit ihm raus und ihn im Tuch tragen, weil meine Frau einfach nicht mehr kann. Wenn sie nachts anfängt laut zu fluchen, ist es meistens an der Zeit. Aber das passiert relativ selten, sie hält da schon echt sehr viel aus. Dafür kann sie am Wochenende immer länger vormittags schlafen, denn da muss ich ja nicht weg und der Bub kann (bis auf das Stillen, das tagsüber nur noch alle drei bis vier Stunden notwendig ist) bei mir sein. Trotzdem reicht das nicht aus, um sich zu erholen, es ist eher notwendig, damit der Rest der Woche überhaupt funktionieren kann.

Vieles, was eigentlich wichtig wäre (unser geplanter Anbau, das weitere Einrichten des Hauses, einen Betreuungsplatz finden oder auch die Stiefkindadoption), bleibt im Alltag leider oft liegen bzw. kommt nur schleppend voran, weil wir nicht die Gelegenheit dafür finden oder auch nicht die Energie oder weil noch dies oder das oder jenes erst gemacht werden muss. Es ist auch einfach noch eine endlose Liste, die wir nur mühsam abgearbeitet bekommen. So habe ich zum Beispiel auch den Elterngeldantrag erst auf den allerletzten Drücker auf den Weg gebracht. Und es gibt so viele Dinge die wir nach dem Umzug einfach auch noch nicht wiedergefunden haben, die noch in irgendwelchen Kisten auf dem Dachboden stecken oder anderswo. Regelmäßig suchen wir irgendwas, zuletzt ist glücklicherweise unsere Original Heiratsurkunde wieder aufgetaucht, die wir für die Änderung der Lebenspartnerschaft brauchen werden.

Cleo meinte übrigens, unser Alltag klingt voll langweilig. Schön wenn ihr trotzdem bis zum Ende dieses langen Beitrags durchgehalten habt. 😉

 

20 Gedanken zu “Alltag. Unsere Tage, unsere Nächte

  1. Hey ihr Drei 🙂
    Hui, also langweilig klingt das überhaupt nicht… Ich werd den Beitrag meiner Frau auch nicht zeigen, weil wenn die das liest, ihre Panik vor dem Versagen noch größer wird 😉 . Ich wünsche euch ganz viel Kaft und dem Kleinen ganz bald einen besseren Schlaf, damit auch Cleo sich endlic hwieder ein bisschen mehr ausruhen kann!…
    Liebe Grüße!

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    • Liebe Noelana, wenn ich das mit etwas Abstand so lese finde ich auch, dass es sehr anstrengend klingt, aber wenn man drinsteckt….dann schafft man das auch alles. Weißt du, wir würden uns jetzt beide nicht als megabelastbare Personen bezeichnen. Vor dem Baby haben wir ganze Wochenenden nur im Bett vor der Glotze oder Laptop verbracht, weil uns die Arbeitswoche schon gereicht hat. Nach dem sonntäglichen Frühstück haben wir gerne erst mal ein Nickerchen gemacht. Dann haben wir uns immer gefragt, wie wir das wohl hinkriegen sollen mit so einem Baby, das ja einfach IMMER da ist und einen braucht. Aber ganz ehrlich, die Frage stellt sich jetzt für uns nicht mehr. Versagen kann man eigentlich nicht, wenn man nicht gerade sein Kind versehentlich aus dem 5. Stock wirft oder das Kinderbett mit einer Crackpfeife anzündet. (ich weiß, da lege ich die Latte niedrig) Es gibt so viele Punkte wo man es sich schwerer oder einfacher machen kann. In vielen Dingen sind wir auch sehr bequem ohne perfektionistischen Anspruch. Wir versuchen uns gegenseitig gut zu unterstützen in den jeweiligen Rollen, ebenso auch Hilfe anzunehmen von anderen (da musste ich mich auch überwinden).
      Wenn es soweit ist, werdet ihr das schon schaffen, da bin ich mir ganz sicher. Ihr werdet tolle Eltern sein. So viel habt ihr schon weggesteckt und seid immer wieder aufgestanden, ohne dass es dafür etwas wunderbares im Gegenzug als Motivation oder Belohnung gab – und glaub mir wenn dein Kind dich anstrahlt, dann weißt du wenigstens wofür du dich anstrengst. Liebe Grüße!

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      • Ihr Lieben,
        ich komme erst jetzt dazu auf diesen wundervollen Kommentar zu antworten. Ich war die letzten Tage ein bisschen ausgenockt, wie ihr ja wisst 😉
        Gelesen habe ich ihn sofort und er hat mir so viel Kraft gegeben! Es tut gut solche „Normalität“ zu lesen. Uns geht es oft genau so, wie du es auch beschrieben hast und das, obwohl wir „nur“ arbeiten gehen. Andere scheinen ihren Alltag perfekt wegzustecken, haben zwei Jobs und machen noch total viel ehrenamtlich, nebenbei… Das schwaffen wir nicht. Dennoch glaube ich, dass du recht hast. Ein Kind ist etwas anderes und wenn es dann da ist, dann klappt es plötzlich/irgendwie. Die eigenen Ansprüche an Perfektion sind, wenn man darüber nachdenkt, ja nur fiktive Werte einer Gesellschaft, die eh so gut wie niemand erfüllen kann… Das mit dem „Versagen“ sehe ich ein bisschen anders, denn ich bin durchaus der Meinung, dass viele Eltern (in meinen Augen) versagen. Dazu habe ich in meinem Job zu viel gesehen. Ich denke aber auch, dass es kaum möglich ist zu versagen, wenn man nur mit ein bisschen Wille die Bedürfnisse dieses kleinen Wesens zu befriedigen und Empathie herangeht und das traue ich uns zu 🙂
        Ich wünsche euch einen schönen Tag!
        Liebe Grüße!

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  2. Ich muss mal was Doofes fragen… sorry, ist nicht böse gemeint, wahrscheinlich schreib ich bald ähnliche Berichte… 🙈

    Der Kleine ist doch jetzt 5 Monate? Wäre es nicht ne Option ihm zumindest nachts das Fläschchen zu geben- angeblich hält das ja länger an und könnte auch von dir übernommen werden?
    Lg und ich drücke so oder so die Daumen für baldige Besserung 😊

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    • Hallo Frau Zweistrich, 😊
      ist gar keine doofe Frage, ich werde versuchen das zu beantworten. Grundsätzlich kann man das mit dem Fläschchen natürlich machen, und aus den Kursen in denen meinen Frau ist, füttern auch etliche Mütter zu („Zwiemilch-Ernährung“). Bei vielen, wenn auch nicht bei allen Babys führt dass dazu, dass die Nachtschlafphasen länger sind. Was aber auch deutlich macht, dass sich die Milchpulvernahrung eben maßgeblich von Muttermilch unterscheidet, sonst hätte es wohl nicht diesen Effekt.
      Ein Grund warum wir versuchen, dies so weit möglich zu umgehen, ist zum einen dass selbst geringe Mengen an Prenahrung die Darmflora eines Säuglings nachhaltig verändern und auch das Allergierisiko erhöht, insbesondere wenn ein Elternteil eine Allergieneigung hat (was bei Cleo der fall ist). Zum anderen kann (nicht muss) es dazu führen, dass das Zufüttern das komplexe Zusammenspiel zwischen Kind und Brust stört, so dass es dann schneller mit Abstillen endet als einem eigentlich lieb ist. Deshalb raten die meisten Stillberaterinen, nach Möglichkeit auf das Zufüttern zu verzichten sondern es eher als ultima ratio zu sehen.
      Es geht, so wie im Kommentar von mamamamkind beschrieben, beim nächtlichen Stillen ja auch nicht (nur) um Nahrungsaufnahme, sondern um Nähe und Sicherheit. Grundsätzlich sind diese kurzen (ca. 45minüten) Schlafphasen übrigens auch völlig normal, alle Babys schlafen so kurz und werden dann kurz leicht wach, um zu checken „ist hier noch alles sicher? Alles so, wie es beim einschlafen war?“ Manche Kinder können sich ganz gut selbst beruhigen bzw. es reicht der vertraute Geruch der Umgebung oder der Schnuller im Mund. Andere brauchen eine streichelnde Hand oder eben die Brust von Mama, um von einer Schlafphase in die nächste zu kommen. Ich weiß gar nicht, ob aufstehen und dem Kind eine Flasche machen nicht auch deshalb kontraproduktiv wäre, weil es ja ganz schön lange dauert, von dem Moment wo das Kind sich sachte meldet bis zu fertigen Flasche (Wasser kochen, abkühlen lassen, anrühren, noch mal abkühlen…) vergehen sicherlich 15 Minuten, in denen das Kind dann richtig wach wird und bis dahin dann schon schreit, oder meine Frau ihn trotzdem beruhigen müsste und somit auch wach wäre. Das wäre ja dann auch (haha) eine Milchmädchenrechnung, wenn wir am Ende alle drei hellwach sind.😉
      Wir haben auch schon versucht, ihm abends vorm Schlafengehen zusätzlich mit abgepumpter Milch richtig satt zu machen, aber so einen durchschlagenden Effekt hat das nicht. Es geht eben nicht primär um Hunger dabei. Die Hebamme die Cleo um Rat gefragt hatte meinte nämlich erst, man müsse die Milchproduktion anregen, deshalb abpumpen, und ich hab Bockshornklee und son Pulver gekauft. Aber meine Frau hat eigentlich genug Milch, das Kind wächst und gedeiht ja. Sie hat vermutlich nicht so eine hohe Speicherkapazität in den Brusten und muss deshalb etwas häufiger stillen. Die Speicherkapazität kann man allerdings nicht verändern…
      Drum kann es schon sein, dass wir noch mal auf Prenahrung zurückgreifen werden, das kann man so kategorisch ja gar nicht ausschließen. In drei Monaten geht meine Frau wieder halbtags arbeiten und das ist für sie in ihrem jetzigen Zustand nicht überhaupt denkbar. Bis dahin wird es aber auch schon Beikost für den Kleinen geben und wir schauen mal wie sich das bis dahin entwickelt hast und welche Lösungen wir dann finden.
      Hier noch ein paar Links, falls du dich dafür interessierst:
      http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2015/08/mein-baby-laesst-sich-nicht-ablegen-und-wacht-staendig-immer-wieder-auf.html
      http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2014/10/naechtliches-dauerstillen-tipps-zur-verringerung-der-stillfrequenz-und-zum-abstillen-in-der-nacht.html
      http://www.vonguteneltern.de/die-ewige-schlafluge/
      https://www.stillkinder.de/die-babynahrungsfrage/

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      • Viiiielen lieben Dank, dass du dir soviel Zeit genommen hast und mir das so ausführlich erklärt hast. 😄 Hatte ja schon vermutet, dass die Sache komplexer ist – ne einfache Lösung hättet ihr sicher schon umgesetzt. 😉 Sollte ich in ein paar Monaten vor der Problematik stehen, werde ich mit Sicherheit an dich zurück denken.
        Alles Liebe weiterhin! Lg

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  3. Vielen Dank für den interessanten Einblick in euren Alltag!
    Du scheinst eine ähnlich große Unterstützung für deine Frau zu sein wie meine für mich 🙂
    Bezüglich der Nächte fühle ich mit euch… Unser Kind braucht auch seeeeehr viel Stillen, vor allem nachts. Um Hunger geht es dabei glaube ich nur bedingt, eher um Nähe und Sicherheit. Und die möchte ich ihr* unbedingt geben, so gut ich kann. Ich habe das Glück, dass ich seit einigen Monaten beim nächtlichen Stillen direkt wieder einschlafe, sodass ich morgens tatsächlich nicht weiß, wie oft ich zwischendurch wach war, Seite gewechselt habe usw. Trotz vieler Unterbrechungen komme ich so meistens auf halbwegs genug Schlaf. Ich drücke Cleo die Daumen, dass das bei ihr auch so kommt!
    Übrigens kann ich zum Thema Baby- und Kinderschlaf das Buch „Schlaf gut, Baby“ von Nora Imlau und Herbert Renz-Polster empfehlen, das würde meiner Einschätzung nach auch zu euch passen (interessante Fakten und hilfreiche Tipps, die in einen bindungsorientierten Kontext passen, also kein „das Kind muss soundso früh durchschlafen“ oder ähnliches…). Falls ihr es nicht sowieso schon kennt, vieles was du schreibst passt schon zu den Tipps aus dem Buch…
    Liebe Grüße 🙂

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  4. Hmm, ich überlege gerade, ob meine Aussage bzgl. der Unterstützung oben missverständlich war… 😦
    Ich wollte damit natürlich nicht sagen, dass du (und meine Frau) nur eine unterstützende Rolle in der Familie inne habt. Ihr seid genauso wichtig für unsere Kinder wie wir (Cleo und ich). Ich habe das nur so ausgedrückt, weil Dinge wie zu allen Tages- und Nachtzeiten Stillen eben nur möglich sind, wenn einem der Rücken freigehalten wird, und das scheinst du ja ähnlich zu meiner Frau zu tun.

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    • keine Sorge, ich habe das schon richtig verstanden – Unterstützung bezüglich des manchmal echt harten Job des Stillens.
      Aber anders gemeint kennen wir das auch, und das irritiert dann schon. Wenn die Eltern von Cleo ihr sagen, dass ich sie ja so gut unterstütze, sagt sie immer, dass sie das nicht so sieht. Weil das so klingt, als sei das Baby ihre Privatangelegenheit oder ihre persönliche Aufgabe und ich würde dabei nur „helfen“. Aus Nettigkeit sozusagen. 🙄

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  5. Ihr Lieben, so anstrengend es jetzt für euch ist, es wird besser und einfacher, wirklich!
    Ihr habt euch mit Baby und Umzug quasi gleichzeitig auch echt viel auf den Karren geladen. Wir sind ins Haus gezogen da war unsere Muckeline fast 10 Monate alt und es war trotzdem eine super Herausforderung. Aber man groovt sich von Woche zu Woche besser ein und wenn Nummer 2 dann da ist sieht man vieles schon gelassener. 😉 Alles Liebe!

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    • Da gehen wir auch von aus, dass es besser wird. 😉 Der Bub ist aber ansonsten so ein wunderbares lustiges tolles Kind, dass wir sonst echt nichts zu meckern haben sondern uns eigentlich sehr glücklich schätzen, wie wir es mit ihm getroffen haben. Der Schlaf ist das einzige, was so schwierig ist.
      Wann liest man wieder von euch? Wie läuft es denn mit eurer Nr. 2?

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  6. Ich kann gar nicht so viel dazu sagen. Aber: Es klingt nicht langweilig, bei weitem nicht! Ich finde es toll, was ihr noch alles schafft. Und: Ich fühle so sehr mit euch, unsere Nächte sahen und sehen oft leider immer noch so aus, von daher kann ich sehr gut nachfühlen, wie es bei euch aussieht. Also einfach nur ganz viel Verständnis und Bewunderung für euch von mir 🤗👍

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  7. Nee, langweilig nicht, aber höllenanstrengend. Ich habe ja so eine Problemstillerei hinter mir und würde immer immer immer zur Zwiemilch raten (ich weiß, hier hat jede einen Rat auf zwei…). Meine Kinder hatten mit 3 Wochen/4 Monaten keine Probleme, das eine und das andere zu machen. Gerade, weil es um Nähe geht beim Stillen, lässt sich das meist gut aufrechterhalten. Wegen des schlechten Schlafs mit dem schlagenden Ärmchen: Unseren Sohn haben wir leicht gepuckt, also nur die Arme in ein lockeres Pucktuch geschlungen. Das hat Wunder gewirkt. Vorher schlief er ausschließlich an der Brust. Starke Nerven wünscht die Tina 🙂

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    • Danke, die Nerven können wir sicherlich brauchen! 😊
      Wir gingen erst davon aus, dass es ein Stillproblem ist, aber mittlerweile eigentlich nicht mehr. Der Kleine wiegt genau so viel wie er mit 5 Monaten sollte (ist dabei etwas „lang“), und er ist ein völlig vitales und fast durchgängig zufriedenenes Kind. Wie gesagt, er kommt auch tagsüber mit Stillabständen hin die echt okay sind (3-4 Stunden). Beim Abpumpen kommt meine Frau sogar auch schon mal auf über 100 ml, so 2 Stunden nach dem letzten Stillen. Also einen Mangel hat er offenbar nicht, sonst würden wir das natürlich anders handhaben. Ich denke, es ist eher eine Schlaf – bzw. Beruhigungsthematik, weshalb wir jetzt vermehrt versuchen ihn anders in den Schlaf zu begleiten (was so mäßig glückt 😂). Das Pucken mochte er zuletzt leider gar nicht mehr haben, hat sich gewunden und geschwitzt wie Houdini beim Entfesselungstrick – und da wir ihn auf der Seite schlafen lassen (mit einem gerollten Handtuch im Rücken) braucht er die Arme auch frei, damit er nicht aufs Gesicht rollt. Ich denke, wir probieren unser Glück jetzt mal mit der Federwiege, darin liegen die Kinder ja mit leicht gebeugtem Rücken und ich glaube das wird ihm gefallen. Flach auf dem Rücken zum Schlafen liegen geht nämlich gar nicht für ihn…

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  8. Klingt grausam und ich erinnere mich noch dumpf an diese schreckliche Phase. Es ist schlicht hammerhart und für mich ein Grund kein Zweites zu wollen. Ich bin ja auch früh wieder arbeiten und mit den Nächten war das der Horror und wir alle wie die Zombies. Ich schicke Euch einfach mal gute Gedanken, einen virtuellen Drücker und die Bestätigung, dass es besser wird. Ihr schafft das! Und irgendwann verblasst es und man genießt es nur noch nachts mit dem seelg schlummernden Kind zu kuscheln. So wie man es liest, habt ihr eine gute Organisation gefunden. Teamwork hilft.
    Zufüttern war bei uns übrigens nie möglich, mein Sohn konnte eh nie aus Flaschen trinken, aber irgendwann hab ich angelehnt an die Tipps von Elizabeth Pantley und Jay Gordon das Kind davon entwöhnt, direkt beim Stillen einzuschlafen und damit die Brust als Einschlafhilfe zu nehmen, womit er dann seltener wach wurde. Der wurde nämlich nicht wegen Hunger wach, sondern eben wegen des Schlafzyklus und auch weil zu häufiges Stillen ihn ständig pullern ließen und ohne Brust kam er halt nicht in den Schlaf zurück.

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    • Danke für deine lieben Worte. Fürs zweite Kind sind wir ehrlich gesagt noch nicht abgeschreckt genug 😊 Irgendwann wird meine Frau wohl auch nachts abstillen, aber ihr selbst erscheint das jetzt noch als deutlich zu früh. Aus der Flasche trinkt unser Söhnchen übrigens durchaus – eben die abgepumpte MutterMilch.

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  9. Ich bin ja ansonsten eine stille Mitleserin, aber jetzt muss ich es mal loswerden: wir haben so vieles gemeinsam ;-).

    Wir (auch 2 Frauen) haben vor gut 2 Monaten unser Babymädchen bekommen. Kurz nach der Geburt sind wir ins neue Haus gezogen und hatten somit dieselbe Mehrfachbelastung: Baby, Umzug inkl. Restarbeiten am Haus, Arbeiten!
    Die Beschreibung vom Kinderzimmer hat mich fast ein wenig schockiert: genau so sieht unseres auch aus – Wickeltisch, ein alter Schrankteil von uns und jede Menge Umzugskartons. Und zugegeben, ein Stillstuhl steht bei uns auch noch im Kinderzimmer.
    Wir leben seit Wochen zwischen Schachteln und alles geht nur sehr langsam voran. Aber egal, wir haben ja Zeit und es ist wichtiger die Babyzeit zu genießen. Obwohl es schon etwas hart war, sich von der romantischen Vorstellung eines perfekt eingerichteten Babyzimmers, einsortierter Babykleidung und hübschen Dekorationen zu verabschieden. Ging es euch da auch so?

    Ich hoffe, dass es jetzt nicht unangebracht ist, wenn ich quasi ungefragt zur Stillsituation in der Nacht etwas schreibe. Generell bin ich der Meinung, dass jeder für sich entscheiden muss, wie und wo sein Baby schläft.
    Wir waren uns von Anfang an einig: Baby schläft in unserem Schlafzimmer, aber im eigenen Gitterbett. Das haben wir auch vom ersten Tag an so gemacht. Mittlerweile wacht sie nur noch einmal in der Nacht auf, ich stille sie (am Stillstuhl, nicht im Bett), lege sie dann zurück in ihr Bett und es wird sofort weitergeschlafen (sie und ich 😉 ).
    Ich habe das Gefühl, dass unser Töchterchen gerne alleine schläft und so die notwendige Ruhe findet. Wir überlegen sogar schon, sie ins Kinderzimmer (das natürlich vorher eingerichtet werden soll!) umzusiedeln, denn bei leichterem Schlaf stören sie auch kleinere Geräusche, die wir machen.
    Wie gesagt – ich hoffe, mein Kommentar ist nicht unangebracht. Ich wollte nur von meiner Erfahrung erzählen, vielleicht ist diese ja irgendwie hilfreich.

    Alles Gute für euch! Und ich freue mich immer, neue Berichte aus eurem Familienleben zu lesen!

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    • Hallo Frenzy,
      das ist ja gut zu wissen dass wir mit so einem kargen Kinerzimmer nicht alleine sind 😉. Wir hätten es natürlich schon gerne liebevoller eingerichtet, aber für unseren Sohn ist das aktuell sowieso noch uninteressant wie es da aussieht und hat deshalb auch für uns nicht so eine hohe Priorität. Aber das kommt schon noch irgendwann!
      Prima dass ihr ein Schlafarrangement habt das so gut für euch klappt. Wir haben ja auch ein Beistellbettchen, nur schläft der Junge eben nicht darin bzw. wacht ruckzuck auf, wenn man ihn schlafend hineinlegt. Er gehört einfach zu den Babys die den nahen Körperkontakt brauchen um sich sicher zu fühlen und zu schlafen. Da sind Kinder einfach unterschiedlich (auch hinsichtlich der Länge der Schlafphasen etc.) und ihr habt wirklich Glück, dass eure Tochter bereits so früh nahezu durchschläft.

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