Worst Case Christmas

Mit verklärtem Blick schauen einen manche Menschen um diese Jahreszeit an und sagen „Ist ja euer erstes Weihnachten mit Kind…wie schöööön! Das ist etwas ganz besonderes.“

Hatten wir uns auch so in etwa vorgestellt. Deshalb steht auch in unserem neuen Heim noch nicht der neue Kleiderschrank fertig aufgebaut, sondern schon seit zwei Wochen ein geschmückter Weihnachtsbaum. Der erste Schneefall stimmte uns auch schon ein.

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Doch dann machte ein fieser Infekt, der Cleo und das Söhnchen erwischt hat, uns leider einen dicken Strich durch die Rechnung. Eine Woche vor Heiligabend begannen die ersten Symptome. Meine Frau begann sich erkältet zu fühlen und der Kleine nieste und bekam Sonntag abend Fieber. Oh je, das erste mal ein krankes Kind! Dienstag fuhr Cleo dann mit ihm zur Kinderärztin. Er bekam ein Nasenspray und Fieberzäpfchen. Das Fieber war dann am Donnerstag glücklicherweise durch, ein Husten ist noch geblieben. Er war aber schnell wieder quietschfidel (er ist überhaupt so ein gut gelauntes Kind). Nur meiner Frau ging es von Tag zu Tag schlechter. Montag bis Donnerstag waren jeden Tag ihre Eltern da, um sie zu entlasten. Sie bekam Fieber, das nicht richtig runter gehen wollte, und fühlte sich so schlapp, dass sie den Kleinen beim Stillen kaum halten konnte.  Freitag begann dann mein Urlaub und ich hatte das Söhnchen so viel es ging bei mir, brachte ihn Cleo nur zum Stillen. Auch nachts trug ich ihn im Tragetuch durchs Wohnzimmer, damit er ein paar Stunden schlafen konnte und Cleo Ruhe fand (Er wird nachts noch sehr oft wach, teils stündlich und schläft ohne Stilen nicht wieder ein). Den Tag über war trotz Ibuprofen immer noch Fieber da, und Schwindel und Übelkeit gesellten sich dazu. Immer sagten wir „Morgen wird es besser“. Aber es wurde schlimmer. In der Nacht von Freitag auf Samstag bekam Cleo solche Ohrenschmerzen auf der rechten Seite, dass wir zur Hausärztlichen Notfallsprechstunde ins nächste Krankenhaus fuhren.

Der diensthabende Arzt war ungefähr hundert Jahre alt und fertigte sie innerhalb von drei Minuten ab. Erkältungsinfekt, das hätten jetzt alle, das Ohr täte wegen des Halses weh, da wäre nichts zu sehen. Penicillin, Ibu und Hustensaft verschrieben. Cleo konnte kaum gerade laufen und ich brachte sie so schnell wie möglich nach Hause. Sie nahm das Penicillin und ihr wurde noch mehr schwindelig und übel. Sie erbrach sich mehrfach an dem Tag, bekam auch nichts zu essen runter.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie unser Kind über vier Monate voll gestillt. Es gab zwar den ein oder anderen Zeitpunkt wo sie geflucht hatte und gerne zugefüttert hätte, aber bislang hatte noch kein Premilch-Pulver den Weg in unser Haus gefunden. Am Nachmittag des 23. schnallte ich mir den kleinen Moppi vorne um und den Rucksack auf den Rücken, um 4 km in den nächsten Stadtteil in die Drogerie zu laufen und Premilch zu holen. Für den Fall der Fälle, weil meine Frau immer wieder sagte, sie könne langsam nicht mehr. Ich machte mir große Sorgen,weil es immer schlimmer wurde statt besser.

In der Nacht nahm ich den Kleinen gegen zwei Uhr wieder mit und ließ ihn im Tuch schlafen. Als er um halb fünf wach wurde und ich zu meiner Frau ins Schlafzimmer kam, war sie nur noch ein Häufchen Elend. „Ich kann nicht mehr“ sagte sie. „Mir läuft Blut aus dem Ohr. Es tut so weh. Ich kann ihn auch nicht mehr stillen.“ Ihr Kissen war mit roten Flecken bedeckt. Sie sagte, sie schaffe es nicht mehr jetzt noch mit mir und dem Baby in die Notfallpraxis zu fahren, aber dass sie irgendwie Hilfe bräuchte. Vor allem Flüssigkeit.

Ich schlug vor, einen Notarzt nach Hause zu rufen, und rief dann die 112 an. Allerdings schickten die dann einen Krankenwagen und keinen Arzt. Es waren kurze Zeit später zwei Frauen vom RTW in unserem Schlafzimmer und beratschlagten was zu tun sei. Ich stand dann am frühen Morgen des 24. mit unserem Babysöhnchen, den sie kurz vorher noch einmal im Liegen stillen konnte, in der Haustür und blieb mit ihm alleine zurück. Sie nahmen meine Frau dann schließlich mit ins nächste Krankenhaus mit HNO-Abteilung. Wir konnten nicht mit, weil es im RTW keine sichere Transportmöglichkeit für ein mitfahrendes Baby gibt.

Eine Stunde später meldete sich meine Frau per Handy. Sie hatte eine schwere Mittelohrentzündung mit Trommelfellriss und sollte nun ein anderes Antibiotikum bekommen und noch eine Infusion (die sie allerdings nur auf Nachfrage bekam). Aber: wieder nach Hause. Nur, das Antibiotikum wäre jetzt keines mit dem sie noch stillen könnte. Der Arzt riet, sie solle eine Stillpause machen. Er war zuerst etwas pikiert, dass meine Frau „nur wegen einer Mittelohrentzündung“ mit dem Krankenwagen kam. Als er allerdings hörte, dass sie ein vier Monate altes Kind ohne Pause voll stillt, seit wievielen Tagen sie schon fiebert und in ihr Ohr sah, wurde er dann freundlicher. Eigentlich hätte der Arzt am Vortag die Entzündung auch längst sehen müssen, meinte er. Glücklicherweise erreichte ich Cleos Bruder und er konnte sie um sieben abholen und mit ihr noch zur Apotheke um die Medis zu besorgen. Währenddessen las ich mir schon mal durch, wie man die Premilch zubereitet, denn es schien unausweichlich dass ich dem Kleinen bald die erste Flasche machen sollte.

Cleo kam dann nach Hause und korrigierte dann noch mal, was sie mir am Telefon gesagt hatte. Sie hatte mit dem Arzt während der Infusion noch wegen des Stillens diskutiert. Man könne schon stillen (laut Embryotox, die Seite kennt sicher jede schwangere oder stillende Frau und dort schauen auch die Mediziner*innen immer nach), das Medikament geht aber schon in kleinen Mengen in die Muttermilch und könnte eventuell zu Durchfall beim Kind führen. Wir entschieden dann, obwohl Cleo Sorge hatte, doch weiter zu stillen. Ansonsten hätte sie auch über mehrere Tage abpumpen müssen und man weiß nie, ob die Milch dann noch ausreicht. Die Gabe von Premilch verändert auch die Darmflora, so dass man eigentlich nicht so recht weiß, was das kleinere Übel ist. Ganz davon abgesehen dass man auch nicht weiß, ob das Kind die Flaschennahrung überhaupt so ohne weiteres annimmt.

Glücklicherweise kamen dann am Heiligabend und auch die beiden Weihnachtsfeiertage ihre Eltern zu uns um uns mit dem Baby zu entlasten. Denn auch ich war schon ziemlich durch, da ich ihn ja fast rund um die Uhr bei mir hatte und außerdem noch meine Frau versorgen musste, die wegen des Schwindels auch nicht alleine zur Toilette gehen konnte. Am 25. ging das Fieber endlich runter. Weiterhin schmerzte das Ohr sehr und lief aus. Länger als ein paar Minuten konnte Cleo nicht aufrecht sitzen. Am 26. haben wir zumindest die kleine Bescherung nachgeholt, wobei meine Frau die meiste Zeit lag.

Auch heute ist sie noch sehr geschwächt, der Schwindel hält weiter an und sie kann den Kleinen auch noch nicht hochnehmen. Es wird wohl noch eine Weile dauern bis sie sich halbwegs davon erholt hat. Ja, unser erstes Weihnachten mit Kind im eigenen Zuhause hatten wir uns anders vorgestellt. Das nächste kann ja nur noch besser werden!

Weihnachten 2017

Die Geschenke unterm Baum mussten bis zum 2. Weihnachtstag warten

 

 

17 Gedanken zu “Worst Case Christmas

    • Ja allerdings….ich hoffe, du hattest schönere Weihnachten. Bei dir ist das erste Trimester jetzt auch rum, oder? Gab es für jemanden aus der Familie noch eine süße Weihnachtsüberraschung, oder wissen es alle schon längst?

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      • Ich war auch krank! Hatte mir eine Erkältung mit Fieber eingefangen 🤧 Hatte auch nicht viel von Weihnachten.
        Bin jetzt in Woche 13!!! Unglaublich!!!! „Es“ ist über 5 cm gross und schwimmt fleissig in meinem Uterus herum. Kontrolliere das einmal in der Woche 😉 Kam jetzt leider auch nicht um ein Penicilin herum.

        Es wissen jetzt fast alle. Es ist kein Geheimnis mehr. Es gab einige den wollte ich es natürlich selber sagen, das habe ich auch getan.
        Jetzt bin ich ganz offiziell schwanger 🎉🎉🎉

        Wie geht’s denn Cleo?

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    • Danke dir ❤️ Leider dauert die Genesung recht lange. Wegen des Schwindels kann sie den Kleinen immer noch nicht selbst tragen. Wenn ich jetzt nicht Urlaub hätte und die Schwiegereltern so viel helfen würden, wären wir echt aufgeschmissen.

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  1. Puh. Sag ihr gute Besserung! Das ist ja echt heftig… ich hatte mit 17 mal ne fiese eitrige Mittelohrentzündung mit platzenden Blutbläschen auf dem Trommelfell – es war furchtbar!

    Ich wünsche euch noch ein paar erholsame Tage zwischen den Jahren 😘 aber seht es so: Vorstellung hin oder her, es war euer erstes Weihnachten MIT KIND 😍🍾☄🎉

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    • Die schönen Dinge passierten für uns eher drumherum: das Weihnachtsbaum aufstellen, der erste Schneespaziergang…😍
      Nächstes Jahr dürft ihr euch über das erste Fest mit Kind freuen und das Käferchen kann dann sicherlich schon Geschenke aufreißen (und sich wie jedes Baby vor allem über das Papier freuen statt über den Inhalt 😂)

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  2. Ach menno, wie doof… Ich hoffe, Cleo geht es bald wieder gut und die fiese Mittelohrentzündung ist bald ausgeheilt. Ich hatte als Kind oft Mittelohrentzündungen und die sind echt schmerzhaft. Nächstes Weihnachten sind dann hoffentlich alle Mann fit 🍀❤

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  3. Ohje, erstmal gute Besserung an Cleo!
    Ich freue mich für euer Baby, dass ihr trotz aller Umstände und Anstrengungen weiter stillt! 🙂 (ich schreibe absichtlich „ihr“, weil das meiner Erfahrung nach ohne Partner_innen-Unterstützung nicht möglich ist).
    Ein paar erholsame Tage wünschen wir euch!

    Gefällt 1 Person

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