Geburtsbericht (Geburtshaus)

Als ich nach Hause kam, sagte meine Frau, jetzt sei es doch schon recht schmerzhaft und sie sei sicher, dass es mit der Geburt heute wirklich losgehe. Sie ging dann in die Wanne und ich bereitete die restlichen Sachen für die Fahrt ins Geburtshaus vor. Meine Frau begann in der Wanne schon während der stärker werdenden Wehen zu tönen. Die kamen weiterhin alle 3-4 Minuten, wie wir mit einer Wehen-App messen konnten, und wir hatten als guten Zeitpunkt, wann man ins GH kommen solle, 3-4 minütiger Abstände schmerzhafter Wehen über mindestens 3 Stunden gesagt bekommen. Ich rief also gegen 21:30 an und schilderte der Hebamme die Situation. Wir verabredeten innerhalb der nächsten Stunde zu kommen. Da wir ja leider eine lange Fahrt von 35 Minuten bis zum GH haben, musste meine Frau dann auf dem Beifahrersitz eine ziemlich lange Zeit ausharren. Ich zählte in der Zeit die Wehen, es waren 11 insgesamt auf der Fahrt, also ca. alle 3 Minuten.

Wir kamen dann im GH an und C., die Hebi, nahm uns sofort in Empfang, um uns in den Geburtsraum zu führen. Dort untersuchte sie Cleo vaginal und stellte fest, dass der Gebärmutterhals komplett verstrichen, der Muttermund aber erst einen cm geöffnet war. Also leider noch kein Befund, mit dem man dort im GH bleiben sollte. Man merkte, dass ihr das wegen der langen Strecke leid tat, aber wir sollten besser wieder nach Hause fahren. Wir besprachen noch, anhand welcher Kriterien wir jetzt entscheiden sollten, wann wir uns wieder melden, da ja die Wehen schon so häufig kamen. Sie sagte dann, wenn die Fruchtblase springt oder der MuMu 2-3 cm offen ist. Sie erklärte mir, wie ich das tasten könnte. Wir machten uns also wieder auf den Heimweg, aber Cleo sagte, sie könne nicht mehr die ganze Fahrt sitzen. Sie kniete sich also umgekehrt auf den Beifahrersitz und ich schnallte sie von hinten an (ich weiß, Verkehrssicherheit sieht anders aus…).

So fuhren wir um 23 Uhr wieder zurück, während es in Strömen regnete. Wir waren kaum zu Hause, als Cleo im Badezimmer um 23:45 plötzlich den ersten Schwall rosiges Fruchtwasser verlor (das sollte noch öfter passieren). Sie ging dann noch mal in die Wanne, weil wir nicht unmittelbar umdrehen und ins Geburtshaus zurückfahren wollten. Die Wehen wurden stärker, kamen jetzt alle 2-3 Minuten. Ich versuchte den MuMu unter Wasser zu tasten, er schien aber noch immer kaum offen. Cleo kam dann aus der Wanne, weil die Wehen immer heftiger wurden, und sie stöhnte und schrie immer lauter. Sie stütze sich am Schrank ab und ging später in den Vierfüssler. Ich wusste nicht so recht was ich tun soll, denn Kreuzbandmassage war ihr unangenehm und so blieb ich einfach nur dabei und streichelte ihren Rücken. Ich überredete sie, dann gegen 1 Uhr ins Schlafzimmer zu gehen und sich aufs Bett zu legen, damit ich noch mal versuchen konnte, den Muttermund zu tasten. Jetzt war er etwa zweieinhalb Zentimeter offen, und alle 2 Minuten rollte die nächste Wehe an. Ich rief gegen halb zwei noch mal die Hebi an und wir verabredeten, dass wir zurück kommen sollten. Cleo verbrachte die zweite Fahrt zum GH wieder im Knien auf dem Beifahrersitz und wurde in jeder Wehe so laut, dass ich dachte, das hört sich jetzt aber schon fast nach Presswehen an (also, das was ich dafür halten würde). Gegen 2:15 nachts im GH angekommen wurden wir von der Hebi ins Vorsorgezimmer geführt.

Murphys Law hatte nämlich zugeschlagen und der ungewünschte Fall der Fälle war  eingetreten: eine andere Frau war in der Zwischenzeit gekommen und gebar gerade im Gebärzimmer ihr zweites Kind – besetzte damit nicht nur unsere Hebi, sondern auch die Räumlichkeiten, in denen der Geburtspool stand (meine Frau wollte eigentlich unbedingt ins Wasser).  C. meinte aber, die andere Frau würde schnell gebären und wir hätten gute Chancen gleich zu wechseln. Sie würde nun die Zweithebamme schon rufen, die sei gleich da (dies war nun zwar nicht die unsympathische Hebamme, die uns vorher so Kopfzerbrechen gemacht hatte, aber ausgerechnet die einzige Hebi, die wir noch nicht im Rahmen der Vorsorgen vorher kennengelernt hatten). Es lief also wirklich nichts „nach Plan“, aber meine Frau war das fast egal zu dem Zeitpunkt. C. stellte fest, dass der MuMu nun bei 7-8 cm war! Das waren natürlich super Neuigkeiten, dass der Fortschritt innerhalb von 4 Stunden nun so groß war. Ich dachte, wow, bestimmt liegt der Kleine in Kürze schon hier auf der Matte. (Spoiler: so war es nicht!)

Kurze Zeit später kam K., die zweite Hebamme dazu und C. betreute nun die andere Frau, die im Nebenzimmer laustark zu hören war. K. blieb nun als unsere hauptbetreuende Hebamme bei uns, und obwohl es erst etwas komisch war, weil wir sie ja noch gar nicht kannten, hat es dann letztlich doch sehr gut gepasst mit ihr und Cleo konnte sich voll und ganz auf sie und ihre Anweisungen einlassen. Meine Frau lagerte sich dann während der restlichen Eröffnungsphase auf dem Boden vor der Untersuchungscouch und wechselte Knien und Seitenlage, und musste den schon spürbaren Pressdrang veratmen.

Nun zogen sich aber die letzten cm bis zur vollständigen Öffnung des MuMu wie Kaugummi, weil immer noch ein Saum (Lippe) des MuMu da war, der sich blöderweise immer wieder nach vorne schob. Irgendwann hieß es, „MuMu ist offen, versuch mal zu pressen“, aber nach kurzer Zeit war diese Lippe wieder da und schwoll an, weil man nicht dagegen pressen darf. Also wieder einige Wehen veratmen, umlagern, während die Hebamme den Saum vorsichtig versuchte wegzuschieben… so ging das eine ganze Zeit hin und her. Ich veratmete mit ihr, damit sie nicht die Kraft beim Schreien verbrauchte, das half ihr richtig gut, weil das offenbar etwas ist, was man in dieser Situation immer wieder als Erinnerung und Anleitung braucht. Insgesamt war die Situation im GH auch so, dass ich in den Wehen und dazwischen glücklicherweise aktiver mithelfen konnte.

Die andere Frau hatte inzwischen ihr Baby geboren und das Gebärzimmer wurde um 5 Uhr morgens für uns frei gemacht. Da nun sowieso schon beide Dienst-Hebis da waren, kamen wir nun also in den Luxus, gleich von beiden betreut zu werden. An Geburtspool war jetzt aber nicht mehr zu denken. Im Gebärzimmer ging es weiter, der MuMu war nun wirklich auch voll offen und meine tapfere Frau turnte jede von den Hebis angeleitete Position durch und presste mit aller Kraft (und dabei auch meine Hände). Nun leider bewegte sich das Köpfchen einfach nicht weiter nach unten, sondern rutschte außerhalb der Wehe immer wieder zurück, so dass zwischen Symphyse und Köpfchen noch ein Spalt blieb. Am Kopf des Baby hatte sich ein „Geburtsgeschwulst“ gebildet, das unter jeder Wehe tiefer ging, aber der große Teil des Kopfes kam einfach nicht über die Schwelle des Muttermundes. Es ging einfach nicht weiter, und meine Frau war langsam erschöpft. Man merkte an den Bemerkungen und dem Verhalten der Hebammen, dass das hier jetzt nicht mehr so optimal lief. Meine Frau sagte „denkt laut! Ich will wissen, was los ist!“ und die beiden sagten, dass sie im GH (rechtlich) nur eine begrenzte Zeit mit offenem Muttermund haben und dann bald irgendwann ins Krankenhaus verlegen müssen. Es sei keineswegs ein Notfall, aber entweder warte man jetzt noch etwas und verlege dann mit Zeitdruck, oder jetzt sofort und habe dann im KH noch etwas Spielraum. „Dann jetzt!“, keuchte Cleo, „ich will Zeit haben“.

Ich war überrascht darüber, wie schnell meine Frau in dieser Situation sich für das Krankenhaus entschied. Später sagte sie, sie wollte einfach irgendetwas an der Situation verändern, da sie merkte, dass es so nicht weiter ging. Bei der Frage, ob wir noch in unserem PKW die Verlegung machen können, waren wir uns schnell einig, dass das nicht mehr ging. Es war mittlerweile 6:45 morgens und ich war von der langen aufregenden Nacht auch müde und nicht mehr richtig fahrtüchtig. Und Cleo wollte einfach nur liegen und hätte eine weitere Runde Hocken auf dem Beifahrersitz nicht mehr durchgehalten – zumal sie nun bis ins Krankenhaus nicht mehr pressen, sondern nur noch veratmen sollte. Während der RTW gerufen wurde, hechtete ich noch mal schnell zur Toilette und dachte einen Moment darüber nach, was da gerade passierte. Konnte das denn wahr sein, das wir nun wirklich im Krankenhaus landen sollten – das was Cleo eigentlich hatte unbedingt vermeiden wollen? Aber für solche Gedanken hat man nur Sekunden übrig. Denn schon kurze Zeit darauf stand der RTW vor der Tür, und dann ist es einfach so, wie es ist.

Fortsetzung folgt.

Köpfchen

Dieses zauberhafte Köpfchen wollte einfach nicht tiefer rutschen

3 Gedanken zu “Geburtsbericht (Geburtshaus)

  1. Mensch, das klingt ja spannend. Ich kann aber absolut verstehen, dass es Cleo in der Situation dann „egal“ war. Vor der Geburt hatte ich mir auch viele Gedanken gemacht. Das Krankenhaus mochte ich nicht so wirklich…was ist, wenn die Hebamme nicht so nett ist? Hoffentlich komme ich lieber in den schöneren Kreißsaal… und so weiter. Bei der Geburt war das dann alles total egal, ich wusste vorher, dass wir ein Familienzimmer haben können und danach war mir alles egal 😀 Ich bin gespannt auf die Fortsetzung!

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s