Ein 8 mm kleiner Zwerg

Heute ist wieder Wochenwechsel angesagt und wir feiern den Übergang in die 8. SSW. 🎉 Unser kleines Trödelchen hat jetzt eine Größe von ca. 8 mm und entspricht dem Carnegie-Stadium 15 (36 Tage nach Befruchtung). In dieser Phase werden alle wichtigen Organe angelegt und im winzigen Gehirn entstehen täglich tausende von Nervenzellen und Verbindungen.

Wie geht’s der Schwangeren?

Die Schmierblutungen haben glücklicherweise nahezu völlig aufgehört, auch wenn der Unterleib noch oft ordentlich zieht und krampft. Die Übelkeit hat auch zugenommen und ab und an flutet mal etwas Panik an, ob wir das auch alles schaffen werden. Leider hat Cleo seit Donnerstag einen grippalen Infekt, der ihre Schwangerschaftsmüdigkeit noch mal potenziert, so dass sie den Tag fast ausschließlich liegend/schlafend verbringt. Dabei sagt sie „Und ich dachte, es wird schwierig, so lange auf Alkohol zu verzichten – dabei will ich einfach nur Medikamente!“ Aktuell koche ich ihr kannenweise Kamillentee mit Honig, heiße Zitrone und alles, was sie sonst so in den Heißhungerattacken so haben möchte. Die üblichen Erkältungs-Medis nimmt sie nun also gar nicht, traute sich kaum, eine Paracetamol zu nehmen aus Angst, in der Entwicklung des Baby was kaputtzumachen (obwohl man das laut ärztlicher Empfehlung durchaus nehmen darf).

Neues

Am Freitag habe ich den Mutterpass abholen dürfen. Die Blutwerte sind alle ok. Leider ist Cleo aber nicht immun gegen Toxoplasmose, was bedeutet, dass sie besonders vorsichtig sein muss mit rohem Fleisch, ungewaschenem Gemüse und unseren Katzen. Deren Klos mache aber sowieso immer nur ich sauber. Uns beiden ist es allerdings völlig unerklärlich, wieso Cleo noch keine Toxo hatte.

Da unsere Krankenkasse Vorsorgeprogamme für werdende Mütter unterstützt, habe ich meine Frau letzte Woche für „BabyCare“ angemeldet. Man bekommt dann ein dickes Buchheft im Din A4 Format (200 Seiten), das Informationen zu gesunder Schwangerschaft, Risikofaktoren, Entbindung, Wochenbett usw. enthält. Die Aufmachung ist eine Mischung zwischen Babybuch und wissenschaftlichem Artikel mit jeder Menge Tabellen und Diagrammen.mutterpass

babycare

Zusätzlich gibt es noch ein Heftchen mit gesunden Rezepten und eine Entspannungs-CD. Beides noch nicht getestet. Außerdem gibt es einen ziemlich ausführliche Fragebogen (25 Seiten) zur Krankheitsanamnese und zu aktuellen Lebensgewohheiten inklusive einer Erfassung des Ernährungsverhaltens über 7 Tage. Schickt man das zur Auswertung an die beauftragte Gesellschaft, erhält man eine individuelle Risiko-Analyse inklusive Tipps zur Ernährung. Das fülle ich gerade aus und werde das nächste Woche mal abschicken. Bin gespannt, was man daraus dann ziehen kann.

Hallo, Heteronormativität!

Uns gefällt leider bereits nicht so gut an dem Buch, dass es sich 1. nur an die Schwangere selbst richtet, 2. das Kapitel über Partnerschaft und deren Veränderung während Schwangerschaft und Elternschaft sehr stereotypisch geschlechtsspezifisch formuliert ist (und sich vor allem auf die Entwicklung des Liebeslebens bezieht). Aber auch sowas wie „Männer denken vor allem darüber nach, ob man ein neues Auto braucht“ (gekürzte Zusammenfassung von mir). Und 3., dass es sich so liest, als sei jede Schwangere auf dieser Welt in einer Heterobeziehung, natürlich mit dem Vater des Kindes. Sowas wie unsere Konstellation habe ich bislang nicht mal erwähnt gefunden. Aber auch die Frauen, die ihr Kind ohne Partner (geplant oder wegen Trennung) bekommen oder während der Schwangerschaft eine neue Beziehung eingegangen sind, werden sich nur schwerlich in den Beschreibungen wiederfinden. Fairerweise muss ich sagen, dass ich das Buch bislang nur quergelesen habe.

Heteronormativität und traditionelle Geschlechterrollen sind Themen, mit denen ich noch nie so viel konfrontiert war wie in den letzten ein bis zwei Jahren. Also eigentlich, seitdem wir ein „ganz normales Spießerleben“ führen möchten – heiraten, ein Haus kaufen, Kinder bekommen. Da kommt sicherlich noch weiteres auf uns zu…

5 Gedanken zu “Ein 8 mm kleiner Zwerg

  1. Gratuliere zum Wochenwechsel. Das Wachstum geht jetzt so rasant. Ich hatte auch mehrere Erkrankungen (bis hin zu OPs) während der Schwangerschaft und kenne den Ärger. Kennt ihr Embryotox? Dort bekommt man Beratung wegen Medis. Ich hab mit Chlorhexamed gurgeln, Salzwasser-Nasenspülung und Ingwer gute Erfahrungen bei Erkältungen in der SwS. Letzterer hilft auch gegen Übelkeit. Gute Besserung jedenfalls!
    Dein Bericht übers Buch rief mir in Erinnerung, dass ich noch ein englisches Lesbian Pregnancy Book rumliegen habe. Bei uns wirds ja kein Baby mehr geben, also falls ihr mögt, schicke ich es euch gern als Weihnachtsgeschenk. (Kannst mir im Regenbogen-Forum ne PN schicken). (Gott, ich hoffe, das klingt jetzt nicht creepy, so übers Netz und voll unbekannt, aber ich hab halt euer Blog verfolgt und mitgefiebert) 😊

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    • Embryotox kannte ich noch nicht, danke für den Hinweis. Ich würde mich über das Buch sehr freuen – melde mich dann gerne per PN. 🙂 Wobei ich es schon schade finde, dass euer kleiner Wikinger kein Geschwisterchen mehr bekommen soll…

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  2. Das mit der Heteronnormativität hat uns auch erst im Zusammenhang mit der Schwangerschaft so richtig erwischt. Offensichtlich haben wir unsere „Bubble“ vorher nicht so oft verlassen 😉

    Aber es gibt zum Glück auch positive Beispiele, zum Beispiel fällt mir da gerade das Buch „Hebammen-Gesundheitswissen“ von Silvia Höfer und Nora Szasz ein, das hatten wir uns zu Beginn der Schwangerschaft gekauft. Es gibt schon relativ am Anfang ein Unterkapitel über gleichgeschlechtliche Beziehungen, in dem u.a. klargestellt wird, dass es für ein Kind nur auf die Liebe ankommt, die es bekommt, und nicht auf das Geschlecht seiner Eltern. Alleinerziehende werden auf ähnliche Weise thematisiert. Auch sonst kommt das Buch angenehmerweise nahezu ohne Geschlechterstereotypen aus, auch wenn natürlich nicht jede einzelne Formulierung geschlechtsneutral ist. Damit können wir aber gut leben, weil die meisten Leser*innen wohl in einer Heterobeziehung sein werden und wir uns durch das Erwähnen zu Beginn, dass wir mit allem genauso gemeint sind, beim Lesen trotzdem eingeschlossen gefühlt haben. Nicht nur deswegen ein empfehlenswertes Buch! (und nein, ich werde nicht vom Verlag bezahlt 😉 )

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