Blick nach vorne, Blick zurück

Nach drei Tagen ist die Botschaft immer noch nicht ganz angekommen. Schwanger – häh? Echt jetzt?

Jeden Tag haben wir weiter getestet, um zu schauen, ob der zweite Strich dicker wird. Denn bei einer intakten Schwangerschaft muss dann auch der HCG bis zum Ende des ersten Trimesters immer schön weiter nach oben klettern. Die Testlinie ist auch stärker geworden, aber wir müssen schon immer genau gucken und vergleichen, so ganz offensichtlich sind die Sprünge nicht. Tja, was macht man da, wenn man unsicher ist ob der Anstieg so okay ist? Surprise, surprise, die Googelitis ist mit dem positiven Test nicht geheilt, sondern erreicht ein neues Stadium! Natürlich schaut man sich weiter die Testreihen anderer Frauen an. Aber wir haben echt keinen Grund anzunehmen, dass was nicht ok ist. Zumal heute an 4+1 (hihihi, wie cool, das zu schreiben😆) schon bei Cleo der erste Anflug morgendlicher Übelkeit eingesetzt hat. Ansonsten zwickt und zieht es meiner Frau immer mal wieder im Unterleib, und die Brüste tun schubweise weh und fangen an, voller zu werden, was dazu führt, dass sich meine Frau mehrmals täglich vorm Spiegel begutachtet und jede Veränderung toll findet. Ihre Gesichtshaut ist aktuell auch reiner geworden, und da freut sie sich auch drüber. Die ersten Tage sagte sie aber: „Wenn ich nicht wüßte, dass da jetzt was ist, würde ich es auch nicht eindeutig merken.“ Was wirklich dieses Mal anders war, waren Schmerzen im unteren Rückenbereich. Bei keinem anderen Versuch war das so. Apropos: vielleicht ein gutes Stichwort, um den bisherigen Verlauf noch mal zusammenzufassen – irgendwie habe ich gerade so ein Bedürfnis nach einem Blick zurück.

1.IUI in DK: Zykluslänge 24 Tage, Insemination mit Mot 20 an ZT 12 (Folllikel 20×22), LH Peak ZT12, Mensbeginn bei ES+12. Medikation: keine.

2. IUI  in DE: Zykluslänge 24 Tage, Insemination mit Mot 10 an ZT 12 (Folllikel 17), LH Peak ZT13 , Mensbeginn bei ES+12. Medikation: keine.

3.IUI in DK: Zykluslänge 28 Tage, Insemination mit Mot 10 an ZT 13 nach Auslösen mit Predalon an ZT 12, Follikel nicht sichtbar, Mensbeginn bei ES+16. Medikation: Famentia in der 2.ZH vaginal.

Pausenzyklus. LH Peak ZT12, Zykluslänge 23 Tage

1.IVF in NL: Zykluslänge 29 Tage, Punktion an ZT 12, 8 Follikel, 7 Eizellen, 4 reif, 3 befruchtet. Tag 3 Transfer mit einem Sechszeller. Übrige 2 Embryonen werden als Blastozysten an Tag 5 eingefroren.  Mensbeginn bei PU+18. Medikation: Fostimon zur Follikelstimulation, Cetrotide als Antagonist. Pregnyl zum Auslösen. Utrogest in der 2.ZH vaginal.

Pausenzyklus. LH Peak ZT15, Zykluslänge 26 Tage

1.Kryo in NL: Zykluslänge 28 Tage, Auslösen mit Pregnyl an ZT 15, Blastozystentransfer an ZT  21 mit 3AA Blasto. Mensbeginn bei ES+13. Medikation: Auslösespritze (5000 IU) und 2500 IU Pregnyl am Transfertag.

2. Kryo in NL: Zykluslänge , LH-Peak an ZT 14/15, Blastozystentransfer an ZT 20. NMT bei ES+12. Medikation: 2500 IU Pregnyl am Transfertag sowie ASS100* ab ZT18 . ZT 27: Positiver SST, Bluttest: HCG 59, Progesteron 47,4. 🙂

*das ASS haben wir nach eigenen Überlegungen dazugenommen. Laut unserem Hausarzt waren die Gerinnungswerte zwar okay, aber ein Wert (PTT) war etwas unterhalb der Norm, so dass wir es einfach mal probieren wollten. Geschadet hat es wohl nicht.

Mensch, Mensch, Mensch. Wenn ich die Daten so runterschreibe, denke ich selber: uff, so viel, in so kurzer Zeit. Nur 7 Monate. Das ist für Langzeit-KinderwünschlerInnen ja ein „Klacks“. Durch die vielen Behandlungszyklen in der Zeit kommt es uns aber auch echt viel länger vor. Und man merkte schon deutlich, da war in diesen Monaten nur wenig Raum, sich mit etwas anderem zu befassen. Es war das zentrale, irgendwie alles durchdringende und überdeckende Thema. Ich weiß gar nicht, ob und wie man das alles jetzt hinter sich lassen kann.

Und nun? Ist erst mal noch Zittern angesagt. Der Stichtag, an dem die Angst vor einem frühen Abgang deutlich nachlassen kann, ist der 22.1.17. Noch so weit weg! Aber es wäre toll, wenn wir in das Kinderwunschkarusell nicht so bald wieder einsteigen müssen (muss echt nicht sein, mir ist noch schwindelig von den ganzen Runden) und uns richtig und echt auf ein Baby freuen können. Ich schwanke da sehr zwischen „Abwarten, abwarten… erst mal als nächstes der Ultraschall… eins nach dem anderen“ und „Oh mein Gott, wir müssen sofort eine Hebamme suchen, Elterngeld beantragen, uns über Adoption informieren, Jesper Juul auswendig lernen…!!!!!!!!!“ Panik meets Gelassenheit.

So, und einige Sätze widme ich dann noch unserem Besuch in der deutschen KiWu, die wir dann am Freitag abend glücklicherweise mit ganz viel Freiheit im Kopf aufsuchen konnten. Wir hatten uns entschieden, wie geplant dorthin zu gehen, um einfach alles an Information noch mitzunehmen. Deshalb haben wir auch den positiven Test nicht erwähnt, sondern haben da etwas geschwindelt, dass wir erst am Sonntag wissen, was bei dem letzten Versuch nun herauskommt. Merkwürdig wirkte das große Aufgebot an Mitarbeiterinnen, die sich im Empfangsbereich tummelten.Ein bißchen kam da schon das Gefühl auf, man wolle mal das Kalb mit zwei Köpfen bestaunen. Die Frau, die mit uns dann die Formalitäten durchging, schien auch irgendwie nervös. Alles in allem machte das den Eindruck, dass wir wohl das erste Frauenpaar dort waren.

Der Arzt wirkte da schon deutlich souveräner, sprach allerdings mehr mit meiner Frau als mit mir. Trotzdem war das Gespräch irgendwie…quälend. Ich kann das gar nicht anders beschreiben und es fällt mir auch schwer festzumachen, was es genau war. Wahrscheinlich das schleppende Durchgehen aller Optionen und der Eindruck, nicht da abgeholt zu werden, wo wir sind. Also dass wir uns in Berlin behandeln lassen könnten und noch mal schön von Anfang alles über IUI erklärt zu bekommen…wenig konkrete Aussagen zu empfehlenswerter Diagnostik. Eileiterdurchgängigkeit ist für uns jetzt echt nicht mehr so das Thema. Was ein wenig überraschend war, dass diese Zweitmeinung, die wir uns hier ja einholen wollten, sich im Grunde genommen von der Erstmeinung, also den Ärzten in NL, kaum unterschied. Überraschend deshalb, weil uns in der KiWu in Holland schon des Öfteren vermittelt wurde, in Deutschland sei man doch wesentlich erpichter auf Diagnostik und alles mögliche an Behandlung (aber das sei eben eher Geldmacherei). Der deutsche Arzt nannte uns dann zwar einige Optionen, was man bei Einnistungsproblemen oder FG eben machen könne (Killerzellen, Gerinnungsstörung, Genetik…) verdeutlichte aber auch, dass es eben letztlich nicht wirklich zielführende und wissenschaftlich gesicherte Methoden seien, die dann in irgendeiner Form die Chancen erhöhen. Er würde dazu raten, wie bislang weiter zu machen.

Was an dem Gespräch aber echt als ein positiver Eindruck zurückblieb, war dass er noch mal herausstellte, wie beeindruckend das Ergebnis der IVF/ICSI letztendlich war. Das haben wir ja so gar nicht gesehen bzw wertgeschätzt. Klar, nur recht wenig befruchtete Eizellen – aber dass wirklich alle es geschafft haben, zu einem transferfähigen Embryo bzw. Blastozyste, fand er schon phänomenal und wertete es als Anzeichen, dass da grundsätzlich alles prima ist. Das tat irgendwie noch mal sehr gut, das so positiv zu beleuchten, was es ja auch wirklich war. Nun ja, wir waren jedenfalls sehr froh, als wir da rausgehen konnten in dem Bewußtsein, dass wir uns – hoffentlich – mit dem Thema erst mal nicht mehr befassen müssen.

 

7 Gedanken zu “Blick nach vorne, Blick zurück

  1. „Ich weiß gar nicht ob, und wie man das alles hinter sich lassen kann“ mich trafen die Gefühle jetzt voller Wucht in der Schwangerschaft. Jetzt fange ich an zu verarbeiten. Vorher hat man für seinen Traum nur funktioniert und gehofft, dass es bald vorbei ist. Ach, und meine Tests wurden tagelang nicht richtig stärker. Nur der Strich kam schneller. Ich wünsche Euch alles Gute.

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    • Ja, ich glaube das sickert alles erst so langsam durch und irgendwann man hat auch wieder Kapazitäten, sich mit anderen Themen zu befassen. Hoffe ich – denn die Schwangerschaft ist ja auch wieder eine Herausforderung und Umstellung. Liebe Grüße!

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    • Meine Frau hat aus lauter Nervosität heute nachmittag noch mal getestet, weil sie den Test heute morgen schwächer als den gestern fand. Und siehe da, die Linie war so lila wie nie zuvor. Also, alles gut. Aber man macht sich ja so bekloppt. Ich hoffe, dass legt sich noch.

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  2. Hachja… der Eintritt in eine neue Welt, irgendwie…
    Ich kann nur von mir reden, dass ich die erste Zeit nach dem Test noch sehr besorgt war, danach aber eigentlich recht schnell zum Alltag übergehen konnte. Mittlerweile fühle ich mich so deutlich „schwanger“ (= mies, thihi), dass ich mir keinerlei Gedanken mehr mache, ob etwas nicht in Ordnung sein könnte. Dazu habe ich auch im Bekanntenkreis zu viele Komplikationen in späteren Phasen der Schwangerschaft, bei/nach der Geburt etc. erlebt – sicher ist nichts, und es kommt wie es kommt.
    Vielleicht ist das die nächste Übungsstufe als mommy-to-be.

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      • Ich sag mal so, es wäre ja komisch, sich keine Sorgen zu machen. Immerhin sind das absolute Wunschkinder und wir haben eine Menge zeitlichen, finanziellen und nervlichen Aufwand auf uns genommen, um diese zu „zeugen“.
        Andererseits sehe ich sehr deutlich den Punkt, dass es in diesem frühen Stadium nichts oder nur sehr wenig gibt, was wir tun können, um die Sache positiv zu beeinflussen. Jetzt mal abgesehen von so Sachen wie Alkoholkonsum, Rauchen etc., die Natur regelt das und es ist außerhalb unserer Kontrolle. Das halte ich mir immer wieder vor Augen, ich bin nicht schuld wenn etwas schief geht und gleichzeitig kann ich es auch durch noch so viel Hoffen, Wünschen und Bangen nicht positiv beeinflussen. Das kann ich entweder als Kontrollverlust erleben, oder als etwas sehr Entlastendes. Habe mich für letzteres entschieden 😉

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