Benjamin Siskos Baseball

Selbst wenn es der Titel nicht vermuten lässt:  ja, dies wird so was wie ein Blogbeitrag über die US-amerikanische Präsidentschaftswahl. Die Medien sind voll davon, Kolleg*innen auf der Arbeit sprechen darüber, in Blogs machen Menschen ihren Gedanken und Gefühlen Luft. Überraschung, Entsetzen, bitterer Zynismus, Wut, Sorge vor dem was kommt, das sind wohl so die allgemeinen Empfindungen der meisten. Ich verzichte heute darauf, meine Sorgen zu formulieren und schreibe stattdessen darüber, welches Bild mir seit gestern im Zusammenhang damit immer wieder durch den Kopf geht.

Ich habe ja schon mal erwähnt, dass ich Star Trek Fan bin. Wer das nicht versteht, möge mir meine nerdig wirkenden verschrobenen Gedankengänge verzeihen – ich werde es kurz halten, um niemanden zu langweilen: in der Serie Deep Space Nine kommt es am Ende der 5. Staffel zu einer dramatischen Wendung,  als die Sternenflotte ihre taktisch wichtigste Raumstation verlassen und den brutalen Gegnern überlassen muss. Captain Sisko, der das Kommando über die Station innehatte, hinterlässt seinem Erzfeind Gul Dukat eine Nachricht, nämlich in Form seines geliebten Baseballs, den er auf dem Schreibtisch liegen lässt. Dukat versteht die Botschaft: „Er lässt mich wissen, dass er wieder zurückkommt.“ Der Baseball wird zu einem Symbol der Macht über die Station, und einige Folgen und viele inhaltliche Wendungen später hat Benjamin Sisko seinen Baseball (und die Station) wieder in den Händen.

dukatbaseball

Dukat versteht die Botschaft: Wir kommen wieder!

Und ich sehe diesen Baseball vor mir. Ich sehe ihn im Oval Office liegen. Ich sehe, wie Barack Obama ihn in seinen Händen hin und herwirft und ihn schließlich auf dem imposanten Schreibtisch zurück lässt. Ein Botschaft an Trump: wir kommen zurück. Wir holen uns diesen Baseball wieder. Wir holen uns auch alles andere wieder. Und wir sind nicht „weg“. Es gibt Situationen, da muss man eine Schlacht verloren geben. Aber damit ist längst nicht alles vorbei. Gerade dann heißt es etwas dafür zu tun, um das was einem wichtig ist zu bewahren, zurückzubekommen oder sogar zu verbessern.

Und ich fühle diesen Baseball in meinen Händen: meine Macht. Ich will mir diesen Ball nicht wegnehmen lassen, und wenn ich das Gefühl habe, er wird mir abgenommen, will ich etwas dafür tun, um ihn mir zurückzuholen. Denn man ist nicht aus dem Spiel, bloß weil jemand einem den Ball abgenommen hat.

Es ist nur ein Bild…aber es hilft mir gerade sehr dabei, mich nicht hilflos zu fühlen und nicht an der Menschheit zu verzweifeln. Und es hat mir dabei geholfen, heute eine Mail mit Aufforderung zu einer Stellungnahme an das Kinderwunschzentrum zu schicken, das mich am Montag so rüde abgewiesen hat. Für mein Gefühl ist das gerade das richtige, fast schon egal was da wohl zurückkommen mag.

3 Gedanken zu “Benjamin Siskos Baseball

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