High Noon

Wir haben eine sehr unruhige Nacht hinter uns, in der wir kaum Schlaf bekommen haben. Die Sorge, ob es überhaupt eine der 3 befruchteten Eizellen aus dem Vorkernstadium heraus schafft, aber auch einige andere Dinge die uns gerade bewegen, haben uns wach gehalten. Am Sonntag sind wir nach viel Diskutieren, Nachlesen und Empfehlungen immer mehr zu der Ansicht gekommen, dass wir nicht in der luxuriösen Lage sind, bis Tag 5 zu warten und zu riskieren, dass auf dem Weg zur Blastozyste alles verloren geht – falls denn überhaupt was da ist, was kultiviert werden kann. Zu groß schien uns die Gefahr, am Ende mit leeren Händen da zu stehen, denn nur ein relativ kleiner Teil der Zygoten schafft es so weit außerhalb des Körpers. Wir beschlossen also, schon heute auf jeden Fall einen Transfer machen zu lassen – wenn es denn was zu transferieren gäbe. Wengistens eine Chance wollten wir haben!

Cleo fuhr früh zur Arbeit, und ich wartete mit flauem Gefühl vor dem Telefon auf den Anruf der Embryologin. Als sie anrief, klang sie so ernst, dass ich dachte, der schlimmste Fall sei eingetreten. Aber dann kam doch eine richtig gute Nachricht: wir können uns über zwei gute Sechszeller und einen etwas hinterherhinkenden Vierzeller freuen! 😅  Was für eine Erleichterung (die ich in dem Moment erst mal gar nicht realisieren konnte). Wir blieben aber bei dem Plan, heute auf einen Transfer zu bestehen, und ich bekam einen Termin für heute mittag. Also schnell meine Frau informiert, die sich sofort auf den Weg machte und mich noch zu Hause einsammelte. Auf der Fahrt nach NL war Cleo deutlich aufgeregter als bei der Punktion.

Dann wurden wir aufgerufen, und es lief wie bei der Punktion, wieder Überzieher über die Füße, wieder der gleiche Raum. Und Überraschung, dieses Mal war es Dr. Silent, der Arzt vom Vorgespräch der uns erwartete! Dazu kam eine weitere Mitarbeiterin aus dem Labor, die uns noch einmal persönlich über die Embryonen informierte. Die zwei Sechszeller sind in Klasse 1 Qualität, der kleine vierzellige Trödler Klasse 2. Aber auch er könnte sich noch weiter entwickeln. Wenn die zwei verbliebenen morgen eine gute Qualität haben, werden sie eingefroren, falls nicht würde man schauen ob sie sich an Tag 5 berappelt haben. Einer der Sechszeller sollte nun zurückgesetzt werden. Wir bekamen auch ein kleines Bild von ihm (oder ihr?).

Meine Frau hatte Sorge, dass der Transfer bzw. die Kathetereinführung vielleicht genauso schmerzhaft und langwierig werden könnte wie bei den Inseminationen. Dieses Mal hatte sie auch wieder viel getrunken, weil eine volle Blase hilfreich für die Position des Zervix und der Gebärmutter sein soll. Und ob es daran lag, an dem speziell geformten abgerundeten Katheder oder der ruhigen Hand von Dr. Silent, dieses Mal ging es absolut schmerzlos und total schnell. Erst als der Katheter saß, wurde der kleine Krümel aus dem Labor geholt, und es war Punkt 12 Uhr Mittag (High Noon!) als er auf die Rückreise in die Gebärmutter ging.

Als wir wieder draußen waren, versuchten wir zu begreifen, was da gerade vor sich gegangen war, aber ganz ehrlich: so richtig emotional erfassen kann man das gar nicht. Als Dr. Silent uns verabschiedete mit „Sie fahren jetzt nach Hause mit drei“ (man stelle sich das mit einem holländischen Akzent vor) verstanden wir erst gar nicht, was damit gemeint war. Es ist ganz merkwürdig, sich vorzustellen, dass jetzt ein Embryo aus wenigen Zellen in dem Bauch meiner Frau ist, der vielleicht zu einem Baby wird. 😄

Wir sind jedenfalls so wahnsinnig froh, dass wir diese Chance genutzt und den Transfer heute durchgezogen haben. Ganz lieben Dank für alle guten Ratschläge und alle gedrückten Daumen 😃💐 Jetzt hoffen wir, dass der kleine Wurm sich gut macht und dass auch die zwei anderen sich so gut entwicklen, dass sie irgendwann auch noch die Reise antreten dürfen – wenn es nach uns geht, dann aber bitte nicht so bald. Also her mit dem Tipps, was wir tun können damit der Krümel sich gut fest beißt! 😉

13 Gedanken zu “High Noon

  1. Puhhhh. Habe oft an Euch gedacht und bin erleichtert, das jetzt zu lesen.
    Habt ihr Progesteron bekommen? Ansonsten ist es in diesem Stadium wahrscheinlich Glückssache…
    Daumen sind weiter gedrückt!

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  2. Keine Tipps von mir, nur ganz viel aufgeregte Freude! Ich denke, was kommt das kommt. Wenn alles gut ist mit dem kleinen Leben, dann wird es bleiben. Zumindest ich finde den Gedanken tröstlich, dass man eben nicht irgendwie schuld ist, wenn es nicht klappt, weil man sich zu sehr gestresst oder zu wenig geschont hätte. Ich freu mich jetzt erstmal und hoffe, dass die Freude lange lange anhält!

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  3. Hallo du 🙂
    Danke für deine lieben Worte in meinem Blog!
    Du hast den Nagel natürlich auf den Punkt getroffen ^^ Es sind genau diese drei Fragen! Am Schlimmsten für mich ist im Moment die Warterei, weil einerseits die Zeit nicht schnell genug vergehen kann, ich aber andererseits gerade meine Masterarbeit schreibe und eig jeden einzelnen Tag gut gebrauchen kann 😀

    Ich hab gestern mit meiner Frau deinen Post gelesen und von unserer Seite sind natürlich alle vier Daumen gedrückt! Schon krass, dass ihr jetzt einfach schwanger seid, ohne viel testen und hin und her… es ist einfach da!… Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass man das nur schwer realisieren kann! Wie geht es euch denn inzwischen?

    liebe Grüße von der an ihrer Masterarbeit arbeitenden/sich davon ablenkenden
    Noelana 😀

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    • Na ja, schwanger ja eigentlich erst dann, wenn der Krümel sich einnistet und der HCG schön in die Höhe klettert. Da müssen wir leider noch etwas Geduld haben, bis wir ganz normal testen können. So gesehen stimmt hier eher „ein bißchen schwanger“ oder pupo (pregnant until proven otherwise – auch so ein Ausdruck, auf den frau als Kinderwünschlerin früher oder später stößt). Zumindest sind wir jetzt näher am positiven Test dran als jemals vorher. 🙂 Viel Erfolg für deine Masterarbeit oder auch beim Prokrastinieren, je nach dem was dir lieber ist.

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  4. Was mir gerade noch eingefallen ist – habt ihr eigentlich das versprochene Foto bekommen?
    (Also, nicht dass ich es sehen wollen würde, neinnein! :-D)

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    • Ja, aber leider ist es ganz winzig, schwarzweiß und hat eine miserable Qualität. Es ist nur ein Teil des Blattes das wir beim Transfer bekommen haben, wo alle Daten dokumentiert sind, also unsere Namen, der Spender, PU und TF Datum usw. Also nicht so geeignet zum veröffentlichen. Wirklich total schade, weil wir bei anderen Blogs gesehen haben, dass die wirklich ganz tolle hochauflösende Fotos von den Embryos bekommen.

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      • Ah ok. Naja, immerhin, er existiert und das wisst ihr auch ohne Foto 🙂
        So kleiner Embryo, jetzt liegt es an Dir!
        (Schon eine faszinierende Vorstellung, das alles…)

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