Fernweh…

Hmpf…also, so langsam kündigt sich der Herbst an. Die Lampionblumen im Vorgarten der Nachbarn fangen an, orange zu leuchten und morgens machte sich heute erstmals eine frische Kälte bemerkbar, die sich mehr nach frühem Herbst als kaltem Sommer anfühlt. Unsere Mirabellen im Garten werden süß und reif, und wollen gepflückt werden –  oder fallen den gierigen Wespen zum Fraß. Und so langsam müssen wir uns auch verabschieden von unseren Urlaubswünschen, die wir für den Sommer eigentlich noch hatten.

Der größte Wunsch war es für dieses Jahr, noch einmal nach Island zu fahren. Wir waren schon mal vor 2 Jahren für 10 Tage da, und haben seitdem riesengroße Sehnsucht, noch mal zurückzukehren. Wir sind in den letzten drei Jahren recht viel gereist, in Europa und außerhalb, wir lieben es unterwegs zu sein und haben dadurch auch schon einige tolle Fleckchen der Erde gesehen. Aber Island – das ist irgendwie anders. Das ist nicht wie ein anderes Land, eher wie ein fremder Planet. Die Erde lebt dort, sie verändert sich. Die Landschaften sind so unfassbar beeindruckend, überwältigend. Auch als sonst eher rationaler Mensch beginnt man zu verstehen, warum die Isländer an Trolle, Feen und Elfen glauben. Wenn man die zackigen Lavazinnen in Vík sieht, die Eisberge im Gletschersee zerkrachen hört, die farbigen Vulkanberge von Landmannlaugar erklimmt, in einem heißen Bach badet oder den Übergang zweier Kontinentalplatten mit bloßem Auge erkennen kann, dann spürt man wie unfassbar unsere Welt eigentlich ist, welche gigantischen Kräfte ihr innewohnen und wie klein und popelig wir Menschen doch dagegen sind. Und merkwürdigerweise macht das glücklich.

Aber aufgrund der Kinderwunschbehandlungen, die uns diesen Sommer zeitlich und finanziell in Anspruch genommen haben, bzw. das ja aktuell noch tun, kam es leider nicht in Frage, eine weitere Reise dorthin zu machen. Und Island ist blöderweise überhaupt kein Land, in dem man sich gut vorstellen kann mit sehr kleinen Kindern unterwegs zu sein. Der Wind fegt fast unentwegt, unerbittlich selbst im Sommer. Die Temperaturen liegen selten mal über 15 Grad. Die Landschaft ist außerhalb Reykjaviks nur dünn besiedelt, es gibt wenig Infrastruktur, die Hotels und Campingplätze sind sehr einfach, das Land ist rau und die Wanderwege oft rutschig, steil und gefährlich. Oder schlicht nicht vorhanden. Wir überlegen zwar, ob wir es hinbekommen, in gemeinsamer Elternzeit mit Baby 2-3 Monate zu reisen, aber Island können wir uns dafür momentan nicht vorstellen. Das heißt eben auch, dass wir uns erst mal davon verabschieden müssen, denn wenn Island das nächste Mal wieder gut zu bereisen ist (im Sommer 2017), wird Cleo hoffentlich kugelrund sein, oder wir haben möglicherweise schon ein kleines Würmchen im Arm…also werden wir auf die Rückkehr ins Land der Vulkane wohl noch ein paar Jahre warten müssen und mit viel Fernweh immer wieder die wunderschönen Bilder anschauen…

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Die letzten Fotos sind übrigens vom Hinsegin dagar, dem Reykjavik Pride. Island ist, was LGBT angeht, eines der fortschrittlichsten Länder überhaupt. Dass zu unserem Urlaub der Pride stattfand, war reiner Zufall, wir wollten es uns dann aber doch gerne anschauen (wenn man schon mal da ist…). Hinsegin dagar ist dort wie ein großes Familienfest, und so beliebt, dass jedes Jahr mittlerweile über 100.000 Menschen aus aller Welt dorthin kommen (zum Vergleich: Island hat selbst nur 320.000 Einwohner, wovon allein zwei Drittel in Reykjavik und Umgebung wohnen). Ich finde es bemerkenswert, wie weltoffen, vielfältig und kulturell aktiv die kleine isländische Gesellschaft ist. Wie gerne dürften sich davon andere ein Scheibchen abschneiden…

2 Gedanken zu “Fernweh…

  1. Ist auf jeden Fall eine Reise wert. Ich habe auch lange den Wunsch gehabt dorthin zu fliegen, aber es hat dann doch ein paar Jährchen gedauert bis es in die Tat umgesetzt wurde.

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