Vorgespräch zur IVF

Die letzte Woche war ja sehr von sommerlicher Hitze geprägt, und meine Frau hatte ein paar ganz blöde Tage, weil ihre Migräne nach langer Zeit mal wieder arg zu geschlagen hat. Ob es am Wetter lag, oder auch anderen Faktoren, z.B. dem Absetzen des Progesterons weiß man nicht. Jedenfalls hatte sie auch noch einen höllischen Schädel, als wir uns auf den Weg nach Holland machten. Trotzdem ließ sie es sich nicht nehmen, selber hinzufahren, da ist sie ziemlich eigen und gibt nicht so gerne das Lenkrad ab.

Im Frühjahr sind wir schon mal in der Klinik gewesen zum Vorgespräch, Bluttest auf Chlamydien und einem für uns eher überflüssigem Gespräch mit einer Kinderwunschberaterin, das uns nicht wirklich neue Erkenntnisse gebracht hat. Ist aber ein Muss in dieser Klinik, also haben wir schön brav auch das mitgemacht.

Nun sollte also das IVF-Vorgespräch mit einem Arzt, den wir noch nicht kannten stattfinden, und wir machten uns schon mal auf eine lange Wartezeit gefasst (beim ersten Mal waren wir 4 Stunden da und haben mit 5 verschiedenen Leuten gesprochen, aber jeweils nur recht kurz, die meisten Zeit war wirklich reine Warterei), aber dieses Mal kamen wir glücklicherweise relativ schnell dran.

Das Gespräch war eigentlich ausschließlich durch unsere Fragen gelenkt, die wir uns vorher überlegt und aufgeschrieben hatten. Der Arzt, ich nenne ihn mal Dr. Silent, sagte zu Beginn, dass wir ja wohl wegen des IVF-Gespräch da wären….. ja, und dann kam gar nichts mehr. Dr. Silent schwieg sich aus und reagierte auch auf unserer Fragen teilweise so bedächtig, dass ich zwischendurch dachte, ob wir ihn vielleicht wiederbeleben müssen? Oder meditierte er gerade? Ruhte er ein bißchen zu sehr in sich selbst? Ok, er hat unsere Punkte soweit schon einigermaßen beantwortet, und sicherlich merkte man unseren Fragen auch an, dass wir uns selbst über das Thema schon informiert hatten, aber offenbar hatte Dr. Silent keinerlei eigene Ambitionen uns über irgendetwas aufzuklären, man musste ihm die Würmer regelrecht aus der Nase ziehen. Als wir draußen waren, fragte mich meine Frau: „Hätten wir von ihm eigentlich irgendwas erfahren, wenn wir nichts gefragt hätten?“. Ich konnte nur mit den Schultern zucken. Im Nachhinein waren wir schon ein wenig irritiert darüber, dass wir nicht grundsätzlich darüber aufgeklärt wurden, wie eine IVF läuft, worauf man achten sollte, oder auch über Risiken und Nebenwirkungen – kein Wort. Na ja, wir bekamen später jede Menge Material zum Nachlesen mitgegeben, und eine medizinische Fachangestellte erklärte uns das Medikationsschema (kurzes Protokoll, also keine Downregulation vorab) nach dem wir vorgehen werden. In der angeschlossenen Apotheke bekamen wir dann auch die ersten fünf Spritzen Fostimon (150 IU), mit denen wir dann an Zyklustag 1 starten werden um das Follikelwachstum anzuregen. Am Tag 4 oder 5 gibt es den ersten Ultraschall, und geht es dann parallel mit Cetrotide weiter, um den Eisprung zu hemmen. Der weitere Verlauf hängt wohl von der Entwicklung und Menge der Follikel ab.

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Ansonsten haben wir noch folgende Informationen von Dr. Silent erfragt:

  • die Punktion wird nicht unter Narkose, aber unter leichter Sedierung und Schmerzmittel durchgeführt
  • die Eizellen werden zusammen mit unserem Spendersamen in ein Partnerzentrum gefahren. Dort findet die eigentliche Befruchtung statt
  • es wird eine ICSI durchgeführt, keine reine IVF
  • bis zu 5 Embryonen werden am nächsten Tag in die Klinik zurückgebracht und weiter kultiviert, voraussichtlich wird an Tag 5 ein Blastozystentransfer gemacht
  • Es wird grundsätzlich nur 1 Embryo zurück gesetzt
  • wir bekommen ein Foto von dem Embryo 🙂
  • die anderen werden einzeln eingefroren, auch falls es im Partnerlabor noch weitere Embryonen gibt werden diese eingefroren, soweit ich weiß im Vorkernstadium
  • es findet eine herkömmliche Kryokonservierung statt, keine Vitrifizierung
  • ein Kryozyklus würde als natürlicher Zyklus laufen, ohne zusätzliche Medikation
  • das Problem der schlechten Katheter-Durchgängigkeit des Zervix, das uns ja bei den IUIs schon Nerven gekostet hat, könnte grundsätzlich Schwiergkeiten machen, wird aber erst beim Transfer selbst beurteilt. Wenn es nicht gehen sollte, soll der Embryo ebenfalls eingefroren werden und man würde erst eine Gebärmutterspiegelung, eventuelle Zervixdehnung machen. Macht aber angeblich keinen Sinn, das schon vorher zu machen, weil der Zustand nach der Stimulation ganz anders seien könnte. (Das heißt übrigens im Klartext, meine Frau ist in dieser Klinik bislang noch kein einziges Mal gynäkologisch untersucht worden. Sie könnte also drei Zirkusclowns im Unterleib wohnen haben –  die IVF wird jetzt gemacht, ohne dass jemand mal einen Blick auf die Ausgangslage geworfen hat. Ein aktueller Hormonstatus wurde auch nicht für nötig befunden (die letzten Ergebnisse sind 9 Monate alt). Wie finde ich sowas?)

Wir fuhren mit dem Kopf und der Tasche voller Informationen wieder nach Hause. Obwohl das Gespräch etwas schleppend war, haben wir doch den Eindruck, alles erfahren zu haben, was wir wissen wollten und denken, dass wir dort in guten Händen sein werden. Die Klinik hat wohl gute Erfolgsquoten, also denke ich, die werden schon ihr Handwerk verstehen und an einem gewissen Punkt muss man sich einfach dem Fachwissen anderer anvertrauen, auch wenn der Gedanke, dass die Eizellen meiner Frau durch halb Holland gefahren werden, ein bisschen schräg ist.

Meine Frau konnte dann unterwegs nach Hause irgendwann nicht mehr und nahm eine Triptan gegen ihre Migräne, was nur alle Jubeljahre passiert, und ließ mich zurückfahren (ungefähr ebenso selten 😉 )

Tja, ich bin echt gespannt. Die nächste Regelblutung erwarten wir so um den 10.8. herum, dann geht es also los! Diesen Zyklus werden wir trotzdem noch ein paar Ovutests machen, um den Zeitpunkt des Eisprungs ungefähr zu wissen. Ansonsten ist es gerade auch mal ganz erholsam, dass wir diesen Zyklus keinen Stress mit IUI und Hibbelei haben. Das Wochenende konnte ich dann auch mal richtig gut genießen und war gestern mit meinem besten Freund in dem neuen Star Trek Film, habe mir Sulus dreisekündiges Outing angeschaut. Hat echt Spaß gemacht, weil ich ewig schon nicht im Kino war und noch länger kein Star Trek mehr gesehen habe (hab früher alle Serien und Filme verschlungen). In diesem Sinne: live long and prosper!

 

5 Gedanken zu “Vorgespräch zur IVF

  1. Dem kann ich mich nur anschließen 🙂
    Die Tatsache, dass keine Untersuchungen; Labor etc. gemacht wurden, würde mich auch beunruhigen, aber im Zweifelsfall bleibt einer sowieso nichts anderes übrig, als zu vertrauen…
    Daumen sind gedrückt, auch für eine möglichst komplikationsfreie Stimulationsphase!

    Gefällt 1 Person

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