Los geht’s…

Lange haben wir überlegt, diskutiert, recherchiert, gestritten und Lösungen überlegt. Unser Weg vom diffusen Kinderwunsch bis zur Umsetzungsphase war durchaus schon mal kein leichter. Und kurz schon gar nicht. Umso merkwürdiger ist es, dass in den letzten Wochen alles ganz schnell ging, so dass man kaum Zeit hatte wirklich noch mal nachzudenken. Aber vielleicht ist genau das jetzt auch das richtige: endlich anpacken, umsetzen und nicht im Hätte-Könnte-Sollte-Wartemodus bleiben.

Anfang des Jahres hat meine  Frau sich ein Herz gefasst und jemanden aus ihrem Bekanntenkreis angesprochen, ob er sich vorstellen könnte als Spender für uns da zu sein. Erst mal war die Reaktion ganz nett, nicht ablehnend. Nur dass er erst mal auf eine längere Reise gegangen ist, die schon lange geplant war. Wir verharrten also bis zu seiner Rückkehr 2 Monate im Ungewissen. Machten in der Zeit schon Termine bei der Frauenärztin, in einem Beratungszentrum und in einer KiWu-Klinik in NL. Nach einem Treffen mit meiner Frau und einer weiteren Wartezeit kam dann von ihm die endgültige Absage.

Ich fand das schon ganz schön enttäuschend. Einerseits kann ich ihn verstehen, andererseits haben wir insgesamt drei Monate „verloren“. Gleichzeitig mischte sich aber auch Erleichterung mit rein. In dem was bis dato passiert war, konnte man schon erahnen was für ein komplizierter Balanceakt, auch auf emotionaler Ebene, einen erwarten könnte wenn eine dritte Person mit in der Familienplanung hängt.

Wir gingen also zu Plan B über: Spendersuche über Samenbank. Wir hatten zwar schon ab und an mal Profile von offenen Spendern bei Cryos angeschaut, hatten uns aber noch nicht so richtig hineinvertieft. Wir überlegten, ob wir den Mai-Zyklus eigentlich auch schon abschreiben konnten. Ein Termin in NL hätte noch ein paar Wochen gedauert. Meine Frau, die das organisatorische sonst am liebsten mir überlässt, nahm Kontakt zur Diersklinik in Dänemark auf und verabredete kurzerhand ein telefonisches Erstgespräch, da man schrieb, wir seien bereits im laufenden Zyklus willkommen, sofern wir die nötigen Untersuchungen hätten und ein Erstgespräch per Telefon oder Skype vorab machen könnten. Das klappte auch alles. Wir entschieden uns also, diese schnelle Chance einer Insemination zu ergreifen, obwohl wir vorher überlegt hatten, ob wir direkt zu In-vitro-Fertilisation (IVF) übergehen sollten. Dafür hätten wir aber wie gesagt länger warten müssen.

Nun mussten wir „nur noch“ einen Spender auswählen. Das Thema Spenderwahl ist wirklich spannend und ich werde dazu bestimmt noch mal einen eigenen Beitrag schreiben. An dieser Stelle sei erst mal gesagt, dass sich hier wieder deutlich zeigte, wie unterschiedlich meine Frau und ich uns in Entscheidungsprozessen sind. Ich mache gerne Tabellen, überlege mir Entscheidungskriterien, vergleiche stundenlang alle Optionen, rechne durch, schlafe noch mal ne Nacht drüber…ich lasse mir bei vielen Entscheidungen grundsätzlich eher Zeit und fühle mich ganz wohl, solange noch Spielraum besteht die Meinung zu ändern. Meine Frau tickt ganz anders: sie will am liebsten gar nicht so viel zur Auswahl haben. Zu viele Informationen machen es ihr schwer, eine Entscheidung zu treffen. Sie wählt am liebsten spontan, aus dem Bauch heraus. Die Entscheidungsphase findet sie quälend und sie fühlt sich am wohlsten, wenn die Wahl endlich getroffen ist, fast schon egal wie die aussieht.

Wie man sich denken kann, machte uns das den Auswahlprozess nicht unbedingt leichter. Aber am letzten Wochenende hatten wir uns endlich entschieden und einigten uns auf einen Spender, ich nenne ihn mal Mr. Lovely. Das Problem allerdings war, dass er nicht so viele Einheiten hatte, wie es für eventuelle Geschwisterkinder sinnvoll zu reservieren wäre. Wir warteten also bis Montag, um uns bei Cryos zu erkundigen ob der Mr. Lovely noch aktiv ist und weitere Einheiten zu erwarten sind. Dann der Schock: alle Einheiten von ihm waren plötzlich weg. Buchstäblich alles. Wir waren wie vor den Kopf geschlagen. Leicht zu sagen, dass man doch dann eben zu Nummer Zwei oder Drei auf der Favoritenliste übergeht. Denn die waren plötzlich gar nicht mehr so toll…wenn man sich einmal festgelegt hat, ist es verdammt schwer, wieder umzuschwenken. Dazu kam, dass Cryos gerade seine Internetseite veränderte und die selber auch keine richtige Auskunft geben konnten, da wohl das ganze System teilweise nicht richtig lief.

Meine Frau war echt verzweifelt. Und die Zeit wurde langsam knapp, denn wir wollten ja schon am Wochenende darauf nach DK fahren! Rein zufällig sah ich dann, dass Mr. Lovely plötzlich doch mit allen Einheiten wieder online war. Wie aus dem Nichts. Wir kauften also so schnell wie es ging die verfügbaren Einheiten, die wir wollten. Eine Stunde später war Mr. Lovelys Profil wieder verschwunden. Wir wussten nicht: war das jetzt echt? Haben wir die Einheiten wirklich gekauft, oder war das bloß ein Systemfehler? Ich telefonierte zum wiederholten Male mit Cryos. Irgendwann dann die Nachricht: ja, die Bestellung war korrekt. Yeah! Aber was haben wir da Nerven gelassen…

Der nächste Schreck folgte bald: meine Frau hatte vor der „normalen“ Zeit einen ziemlich positiven Ovutest. Damit hatten wir nicht gerechnet (wir machen schon 7 Monate Zyklusbeobachtung). Überlegten, ob wir das organisatorisch alles so schnell schaffen könnten.

Aber irgendwie ging es. Wir schafften es rechtzeitig in die Diersklinik. Die entscheidende Zutat von Mr. Lovely hat es auch rechtzeitig hin geschafft. Die Schleimhaut war wie sie sein soll dreilagig und bei 7 mm, der Follikel war bei 20×22, das scheint eigentlich eine gute Größe zu sein. Die Prozedur dauerte leider recht lange (fast 1 Stunde) und war auch etwas schmerzhaft für meine Frau, da ihr Muttermund ziemlich weit hinten liegt und die Art des Katheter zwischendurch gewechselt werden musste. Anschließend 8 Stunden Fahrt zurück in die Heimat – puuuhhh.

Leider haben wir zu Hause schon bald den ersten Dämpfer unserer Hoffnung erlebt: der Ovutest war immer noch positiv. FETT positiv, so sehr wie vorher bei weitem nicht, richtig lila. Am nächsten Morgen immer noch. Da der Eisprung ja 24-36 Stunden nach dem Peak erfolgen soll, haben wir die Befürchtung dass wir doch einfach etwas zu früh dran waren, und einen Tag später wäre es wahrscheinlich perfekt gewesen.

Aber wir versuchen trotzdem uns den Optimismus zu bewahren. Vielleicht haben es die durchhaltefähigsten Mr. Lovelys ja noch geschafft, bis die Eizelle endlich gesprungen ist. Jetzt heißt es warten und warten… wie lang können zwei Wochen werden?

 

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